Private-Equity: Anleger sehen Wandlungsbedarf

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Mehr Mitarbeiter von Portfoliounternehmen in die Anreizsysteme einzubeziehen würde zu höheren Private-Equity-Renditen führen. Dieser Ansicht sind fast die Hälfte der Limited Partners (LPs), die am aktuellen Global Private Equity Barometer von Coller Capital teilgenommen haben. Zudem erwarten die Anbieter Druck zur Selbstregulierung.

Lediglich sechs Prozent dieser institutionellen Investoren sind der Meinung, dass eine Ausweitung der Anreize für die Mitarbeitenden in den Portfoliounternehmen den Renditen abträglich wäre. Zudem glauben Institutionelle Investoren, dass der gesellschaftliche Druck die Private-Equity-Branche dazu zwingen wird, mit der Selbstregulierung zu beginnen, zeigt die Analyse von Coller Capital.

Alle lieben Private-Equity?

Die Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften und Vermögensverwalter sind vom Private-Equity-Modell „fest überzeugt“. Fast 90 Prozent der LPs sind der Meinung, dass die meisten kleinen und mittelgroßen börsennotierten Unternehmen in Wachstumsphasen von einer zeitweiligen Private-Equity-Beteiligung profitieren. Eine große Mehrheit der LPs sieht Unterstützung durch Private Equity auch als positiven Indikator für die kurz- bis mittelfristigen Aussichten privater Unternehmen, die einen Börsengang anstreben.

Die Limited Partners sind jedoch auch der Meinung, dass sich die Branche weiterentwickeln muss. Die Mehrheit glaubt, dass es nicht mehr ausreicht, sich einfach an die Gesetze zu halten, und dass der gesellschaftliche Druck die Branche dazu zwingen wird, „sich selbst zu regulieren“.

„Die Zeiten, in denen Private Equity unter dem Radar flog, sind vorbei“, sagt Jeremy Coller, Chief Investment Officer von Coller Capital. „Die Branche ist jetzt einfach zu groß, als dass die Gesellschaft sie ignorieren könnte. Ob es uns gefällt oder nicht, die privaten Märkte werden immer weniger privat. Wir müssen entscheiden, wie wir darauf reagieren.“

Michael Schad, Head of Investment Management bei Coller Capital, beobachtet dazu im deutschsprachigen Raum einen klaren Trend der gesellschaftlichen Diskussion: „Angesichts der großen Herausforderungen bei der Bekämpfung der Erderwärmung wird Private Equity zunehmend als wichtiges Instrument anerkannt, um privates Kapital zur Finanzierung des industriellen Wandels zu mobilisieren.“

Michael Schad, Head of Investment Management bei Coller Capital, sieht in Deutschland eine Diskussion bezüglich Umweltrisiken.

Co-Investments als Chance und Cybersicherheit

Der Appetit der LPs auf Co-Investitionen ist ein weiterer Bereich, der „keine Anzeichen“ einer Verlangsamung zeigt. Mehr als die Hälfte der Investoren geben an, dass sie Maßnahmen zur Steigerung ihrer Attraktivität als Co-Investmentpartner ergreifen. Fast alle dieser LPs versuchen, ihre Entscheidungsfindung zu beschleunigen, und etwa die Hälfte sucht nach anderen Möglichkeiten, um ihre Attraktivität zu steigern.

Die Pandemie hat auch die Art und Weise verändert, wie Investoren ihre Due-Diligence-Prüfungen durchführen. In den letzten 18 Monaten hat fast die Hälfte der nordamerikanischen und europäischen LPs zum ersten Mal Zusagen an GPs gemacht, die sie noch nie persönlich getroffen hatten, und etwa ein Drittel der westlichen LPs sagt, dass sie in den nächsten 18 Monaten wahrscheinlich dasselbe tun werden. Bei den asiatisch-pazifischen Investoren steigt dieser Anteil auf 50 Prozent.

Dies bedeutet laut Coller jedoch nicht, dass die Due-Diligence-Prüfung der Investoren weniger persönlich wird. Zwei Drittel der LPs geben an, dass sie bereits die Social-Media-Konten der einzelnen GP-Teammitglieder beobachten oder dies planen.

Auch die Cybersicherheit ist ein wichtiges Thema für LPs. Fast ein Zehntel gibt an, dass sie bereits Opfer von Cyber-Attacken geworden sind, womit sich ihr Anteil seit dem Barometer vom Sommer 2017 fast verdoppelt hat. Zwei Drittel der LPs halten einen Angriff auf ihr Unternehmen innerhalb der nächsten fünf Jahre für wahrscheinlich.

Die Anleger werden auf diese höheren Risiken auch in ihren Portfolios reagieren. Fast drei Viertel aller LPs planen, in den nächsten Jahren eine Bewertung der Cyber-Risiken der Managementgesellschaften ihrer GPs zu verlangen, und die Hälfte will dasselbe für die Portfoliounternehmen fordern.

ESG-Kriterien als Unterscheidungsmerkmal

Der Anteil der Investoren, die potenzielle Fondsengagements hauptsächlich aus ESG-Gründen abgelehnt haben, ist bei den europäischen LPs deutlich gestiegen, und zwar von einem Drittel im Barometer des Winters 2016/17 auf heute weit über die Hälfte. Bei den nordamerikanischen und asiatisch-pazifischen Anlegern hat sich dieser Anteil jedoch nicht verändert und liegt weiterhin bei etwa einem Viertel beziehungsweise einem Drittel der LPs.

Europäische LPs sind auch pessimistischer, was die wahrscheinliche Wirksamkeit von Vorschriften gegen sogenanntes Greenwashing angeht. Von den nordamerikanischen und asiatisch-pazifischen Investoren glaubt weit mehr als die Hälfte, dass solche Vorschriften es ihnen in den nächsten drei Jahren leichter machen werden, wahre von falschen oder irreführenden Umweltaussagen zu unterscheiden. Nur zwei Fünftel der europäischen LPs teilen diese Zuversicht.

Die LPs erwarten zudem  eine stärkere Regulierung der privaten Märkte. Eine Mehrheit rechnet mit einer Zunahme der Regulierung außerhalb ihres Heimatmarktes und die Hälfte der nordamerikanischen LPs erwartet mehr Regulierung in ihrem Heimatmarkt.

Das Interview

Wenn die Mitarbeiter stärker am Unternehmen beteiligt sind, können sie sich besser einbringen.

Gregor von Deuten ist Investmentexperte bei Coller Capital in London.

Gregor von Deuten ist Investmentexperte bei Coller Capital in London. Welche Schlüsse zieht er aus den Ergebnissen des „Barometers“ – VWheute hat ihn gefragt.

VWheute: Die Limited Partners sind der Meinung, dass sich die Private-Equity-Branche weiterentwickeln muss. In welcher Weise und warum?

Gregor von Deuten: Wie jede Branche entwickelt sich Private Equity in zahlreiche Richtungen. Verschiedene Ergebnisse des Barometers zeigen auf, wie sich die Branche in Zukunft verändern wird: vom Wachstum verschiedener Strategien, wie Secondaries und Fortführungsfonds, über das Bemühen der Investoren, als Co-Investmentpartner attraktiver zu werden, bis hin zum Einsatz von Technologie bei der Due Diligence und zur Verbesserung der Effizienz. Diese Trends werden sich über viele Jahre hinweg weiterentwickeln.

VWheute: Mehr Mitarbeiter von Portfoliounternehmen in die Anreizsysteme einzubeziehen, würde zu höheren Private-Equity-Renditen führen, ist ein Ergebnis der Untersuchung. Können Sie den Effekt bitte beschreiben?

Gregor von Deuten: Das Angebot von Aktienoptionen und die Einbeziehung eines breiten Pools von Mitarbeitern in die Gewinnbeteiligung sind keine neuen Mechanismen für die Incentivierung von Mitarbeitern, aber wurden von den General Partnern in ihren Portfoliounternehmen bisher nicht sehr häufig eingesetzt. Wenn die Mitarbeiter stärker am Unternehmen beteiligt sind, können sie sich besser einbringen, was zu einer höheren Mitarbeiterbindung und einer besseren Produktivität führen kann.

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VWheute: Ihr Gründer und Chief Investment Officer Jeremy Coller sagt: „Die privaten Märkte werden immer weniger privat. Wir müssen entscheiden, wie wir darauf reagieren.“ Was meint er damit?

Gregor von Deuten: Weil die privaten Märkte weiter wachsen, haben sie zunehmende Auswirkungen auf die Wirtschaft weltweit und auf die Gesellschaft im Allgemeinen, und sie haben auch mehr Einfluss. General Partner, die private Fonds verwalten, müssen ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Die Anleger gaben im Barometer an, dass sie glauben, dass der Druck der Gesellschaft die GPs dazu bringen wird, sich selbst zu regulieren. Und es gibt Anzeichen dafür, dass dies bereits geschieht. So arbeiten beispielsweise die GPs mit Branchenverbänden zusammen, um das Reporting zu standardisieren.

VWheute: Was sind für Sie die wesentlichen Erkenntnisse des Barometers?

Gregor von Deuten: Persönlich hat es mich gefreut, dass die europäischen Investoren beim Thema ESG eine Vorreiterrolle einnehmen. Der Anteil der LPs, die mögliche Fondsengagements hauptsächlich aus ESG-Gründen abgelehnt haben, ist deutlich gestiegen: von einem Drittel der Investoren im Barometer vom Winter 2016-17 auf weit über die Hälfte heute. Gleichzeitig haben sich diese Anteile bei nordamerikanischen und asiatisch-pazifischen Investoren nicht verändert und liegen weiterhin bei etwa einem Viertel bzw. einem Drittel der LPs.

Autor von Text und Interview: Maximilian Volz

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