Google und Microsoft beruhigen Versicherungschefs: „Wir sehen uns als Partner der Branche“

Bigtechs erobern die Versicherungsbranche. Bildquelle von oben: Google, Apple, Amazon

Die US-Techfirmen dringen mit kleinen Schritten immer tiefer in das Versicherungsgeschäft ein. Manch ein CEO blickt mit Sorge auf einen möglichen Markteintritt von Google, Amazon und Microsoft. Nun stimmen Vertreter aus Silicon Valley versöhnliche Töne an: Man sehe sich nicht als Feind, sondern vielmehr als Partner der Assekuranz.

Da Microsoft in manchen Bereichen eine Monopolstellung hat und auch technologisch stets ein Vorreiter ist, haben die großen Versicherer fast keine andere Wahl als eine Kooperation mit den Amerikanern einzugehen. Microsoft arbeitet mit der Allianz zusammen, mit der Axa tüftelt man an einer europäischen Gesundheitsplattform und die Cloud-Lösungen des Techkonzerns nutzen Player wie Munich Re oder die Debeka, der GDV prüft derzeit ebenfalls diese Technologie.

Wie Cloud-basiertes Versichern geht, zeigen Lemonade oder Wefox, sagte Manuel Holzhauer, Leiter des Bereichs Industry Executive Insurance bei der Microsoft Deutschland GmbH, auf dem Partnerkongress der Versicherungsforen Leipzig. Man müsse die Unmengen an Daten, die Versicherern vorliegen, effizient nutzen. In direkter Konkurrenz zu Versicherern will Microsoft laut Holzhauer indes nicht treten.

Ähnliches äußerte Lutz Kohler, Leiter Vertrieb Business Applications bei der Google Deutschland GmbH. „Wir sehen uns nicht als Feind, sondern als Partner für die Versicherungsbranche. Etwa durch die Lieferung von Lösungskomponenten.“ Gleichzeitig warnte er: „Entweder, man ist Teil von etwas, das eine Branche verändert oder man wird verändert.“ Er spricht aus Erfahrung. Schließlich hat Google viel Geld in das Insurtech Oscar reingesteckt, das die US-Krankenversicherer das Fürchten lehrt. Ebenso konnte man schon einige Deals, ebenfalls im Cloud-Bereich, mit Versicherern (z.B. Munich Re) an Land ziehen.

Vorreiter beim Kundenerlebnis und Ökosystem

Nach Angaben des World Insurtech Reports 2020 legten Bigtechs die Messlatte für das sogenannte Kundenerlebnis während der Pandemie höher, indem sie den Verbrauchern krisensichere Prozesse, Echtzeit-Reaktionen und eine intuitive Kundenbetreuung boten. Die Bereitschaft der Versicherungsnehmer, Policen von ihnen zu erwerben, sei von 17 Prozent im Jahr 2016 über 36 Prozent im Januar 2020 auf 44 Prozent im April 2020 gestiegen. Zudem seien mehr als 60 Prozent sowohl der Versicherer als auch der Insurtechs weltweit an einer Zusammenarbeit mit Bigtechs interessiert.

Ganz klar haben Amazon oder Google mit ihren Ökosystemen neue Standards gesetzt, aber es ist eher unwahrscheinlich, dass beide tief ins Versicherungsgeschäft einsteigen werden, zogen kürzlich die Teilnehmer des VersicherungswirtschaftClub als Fazit. Ohnehin würde Google Probleme mit Kartellbehörden bekommen, wenn über die eigene Suchmaschine Anfragen direkt auf den eigenen Versicherer führen, sagte Zurich-Deutschland-Chef Carsten Schildknecht.

Michael Stanczyk, Chefredakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft im Gespräch mit Carsten Schildknecht, CEO Zurich Deutschland.

Amazon geht einen Schritt weiter als Google und Microsoft und versucht es mit der Trial-and-Error-Strategie. Zuletzt sorgte das Unternehmen für Aufsehen mit einem neuen Versicherungsangebot für kleine und mittlere Unternehmen in Großbritannien. Mitte letzten Jahres stieg der Seattler Handelsriese in das indische Versicherungsgeschäft ein – mit dem Ziel, Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen sowohl für standardisierte Kfz-Haftpflichtversicherungen von Dritt-Anbietern als auch für Personenschäden anzubieten. Der Anfang 2018 ins Leben gerufene Krankenversicherer Haven, ein Gemeinschaftsprojekt mit Warren Buffetts Berkshire Hathaway auf der anderen Seite, wurde Anfang des Jahres dagegen wieder eingestampft. Kürzlich hat das US-Unternehmen mit dem Amazon Insurance Accelerator ein Versicherungspaket geschnürt, das Kunden gegen Sach- oder Personenschäden absichert, wenn defekte Produkte sie verursachen. Es dürfte nicht das letzte Projekt im Assekuranz-Bereich gewesen sein.

Autor: VW-Redaktion

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