Mehr Storno in der Lebensversicherung

Mehr Storno in der Lebensversicherung. Bild von Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay

Das Stornovolumen in der Lebensversicherung ist im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2018 um 13,8 Prozent auf 14 Milliarden Euro gestiegen. Das entspricht dem höchsten Wert seit fünf Jahren. Die Stornoquote in Bezug auf den Jahresbeitrag des mittleren Bestandes liegt bei 4,2 Prozent, erklärt Policen Direkt mit Bezug auf Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Der Verband hatte vor wenigen Tagen selbst Zahlen zur Altersvorsorge veröffentlicht und von einer Stornoquote auf „erfreulich niedrigem Niveau“ gesprochen.

Für die Kunden ist ein Storno auch in Coronazeiten nicht immer die beste Möglichkeit. „Die Deutschen verschenkten damit 2019 weit mehr als 90 Millionen Euro, weil sie ihre Lebensversicherung stornierten, statt diese auf dem Zweitmarkt zu verkaufen“, sagt Efstratios Bezas, Leiter Vertrieb bei Policen Direkt, einem LV-Aufkäufer. „Der Zweitmarkt als starker Partner in Krisenzeiten wird oft unterschätzt. Wir wären in der Lage gewesen, noch mehr Verbrauchern in finanzieller Notlage zu helfen. Das können wir gerade auch im Krisenjahr 2020 uneingeschränkt für Verträge sämtlicher Gesellschaften zusagen.“  

Die Hochrechnung  von Policen Direkt basiert auf der Annahme, dass lediglich 20 Prozent aller stornierten Verträge zweitmarktfähig gewesen wären mit einem durchschnittlichen Mehrwert von drei Prozent. „Tatsächlich landen nicht einmal zwei Prozent der gekündigten Lebensversicherungen im Zweitmarkt, auch weil eine gesetzliche Hinweispflicht auf Kündigungsalternativen fehlt.“ Der Forderung des Bundesverbandes Zweitmärkte Lebensversicherungen nach einem derartigen Hinweis ist der Gesetzgeber bis dato nicht nachgekommen.

Folgen der COVID-19-Krise im Stornoverhalten erst 2021 sichtbar?

Policen Direkt hat im ersten Quartal eine Verdreifachung der Anfragen festgestellt. Mit 70 Prozent davon gehen vor allem Gewerbetreibende an ihre existenziellen Reserven. „Dass angesichts aktueller Notlagen viele immer noch ihre Altersvorsorge auflösen und beim Versicherer kündigen, wird sich in der kommenden Statistik zum Stornovolumen niederschlagen“, glaubt Bezas.

Dabei gäbe es für verschiedene Stufen des Liquiditätsbedarfes am Zweitmarkt passende Angebote. Mittelfristige Engpässe lassen sich beispielsweise über Policendarlehen überbrücken, „zu deutlich besseren Konditionen als beim Versicherer“.

Der GDV hat kürzlich erklärt, dass die Lebensversicherung sich insgesamt, also unter Berücksichtigung der Pensionskassen und –fonds, im Jahr 2019 ausgesprochen positiv entwickelte. Die Beitragseinnahmen stiegen um 11,5 Prozent auf gut 103 Milliarden Euro. Die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge legte um 5,4 Prozent auf 5,2 Millionen zu. Die Stornoquote blieb mit 2,68 Prozent des durchschnittlichen Vertragsbestands auf „erfreulich niedrigem Niveau“. Im Vorjahr betrug diese 2,63 Prozent.

Autor: VW-Redaktion

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