Swiss Re: Versicherer sollen sich schnell vom Corona-Schock erholen

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Die tiefste Rezession der Wirtschaftsgeschichte seit den 1930er Jahren wird 2020 zu einer deutlich verringerten Nachfrage nach Versicherungen führen. Lebensversicherungen sind mit 6 Prozent Rückgang stärker betroffen als die Nichtlebenversicherungen mit einem Minus von 0,1 Prozent. Das berichtet Swiss Re in ihrer neuesten Sigma-Studie. Die gute Nachricht: Versicherer sollen sich zügig von dem globalen Wirtschaftseinbruch durch Corona erholen. Eine Gesamtschadenlast von gegenwärtig geschätzten 55 Mrd. US-Dollar wäre kein Problem für die Branche.

„Vor dem Hintergrund des coronabedingten Wirtschaftseinbruchs stellt die Versicherungsindustrie ihre Resilienz unter Beweis“, erklärt Jérôme Jean Haegeli, Group Chief Economist von Swiss Re. „Die Prämienverluste bewegen sich in etwa auf dem Niveau der globalen Finanzkrise 2008/09, obgleich der Konjunkturabschwung in diesem Jahr mit ca. 4 Prozent deutlich stärker ausfällt. Im Gegensatz zur Entwicklung der Weltwirtschaft erwarten wir bei den Versicherungsprämien eine kräftige V-förmige Erholung – das ist schon bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass sich die Welt gerade in der bis dato tiefsten Rezession befindet.“

Swiss Re erwartet einen starken Einbruch der Nachfrage nach Versicherungen. Nach einem Anstieg von 2,2 Prozent im vergangenen Jahr werden die weltweiten Lebensversicherungsprämien Prognosen zufolge im Jahr 2020 um 6 Prozent sinken.

Bessere Aussichten im Sachgeschäft

Aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen sind kapitalbildende Produkte besonders stark betroffen, während sich die Todesfalldeckungen stabiler entwickeln.

Im Sachgeschäft sind die Aussichten besser: Hier bleiben die globalen Prämien nach einem Zuwachs von 3,5 Prozent im Jahr 2019 in etwa auf dem gleichen Niveau (–0,1%). Ein wesentlicher Grund für das bessere Abschneiden des Nichtlebensektors ist die Tatsache, dass die Covid-19 mit einer Phase steigender Prämiensätze zusammenfällt, was das Prämienwachstum begünstigt.

Im Nichtlebenbereich wirkt sich die Krise am stärksten auf die Prämien in handels- und reisenahen Sparten wie Transport-, Luftfracht- und Kreditversicherungen aus. Bei den Sach- und Krankenversicherungen verläuft die Entwicklung stabiler.

Experten schätzen Gesamtschäden auf 55 Mrd. US-Dollar

Geht es um eine Einschätzung der endgültigen Schadenlast durch die Pandemie, herrscht ein hohes Maß an Unsicherheit. Der Durchschnittswert aktueller Schätzungen aus diversen externen und öffentlichen Quellen liegt bei etwa 55 Mrd. US-Dollar. Die Versicherungsbranche ist jedoch sehr gut kapitalisiert und kann diese Verluste verkraften.

„Dank ihrer guten Kapitalisierung sollte die Branche den Covid-19-Schock überwinden können. Im Bereich der Haftpflicht und Unfallversicherung belaufen sich die Schadenschätzungen der meisten externen Analysen auf maximal 100 Mrd. US-Dollar. Das wäre in etwa dasselbe Niveau wie der Schaden durch die Wirbelstürme Harvey, Irma und Maria im Jahr 2017, und auch diesen hat die Branche verkraftet», sagt Jérôme Jean Haegeli.

„Die Erfahrungen der COVID-19-Krise haben gezeigt, wie wichtig Pandemieversicherungen sind. Versicherer und politische Entscheidungsträger sollten diese Erfahrungen zum Anlass nehmen, im Interesse einer langfristigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Stabilität mehr öffentlich-private Partnerschaften zur Abfederung von Pandemierisiken zu gründen.“

Autor: VW-Redaktion