Diese Folgen hat COVID-19 für Versicherer der DACH-Region

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Die COVID-19-Pandemie hat in der Versicherungsbranche nicht nur Bilanzen strapaziert und schwierige Fragen zu geschäftspolitischen Anpassungen aufgeworfen, sondern auch die bereits bestehenden Probleme in der DACH-Region verschärft. Was sind das für Probleme?

Als Ergebnis schleppender Digitalisierung und Innovation mussten die Versicherer mit Beginn der Krise feststellen, wie stark sie auf lokale Callcenter und unflexible Verwaltungssysteme angewiesen sind, während als Hauptvertriebskanal immer noch Ausschließlichkeit und Makler dienen. Für zahlreiche Versicherer ist es schwierig geworden, das Geschäft einfach wie gewohnt fortzuführen, geschweige denn, die Wettbewerber zu überflügeln.

Die Branche ist generell eher risikoscheu. Daher zögern viele Versicherer angesichts der Unsicherheiten und wirtschaftlichen Turbulenzen einer globalen Pandemie die Beschleunigung ihrer Investitionen in den digitalen Wandel hinaus. Nun aber sind sie vor eine schwere Wahl gestellt: Entweder sie intensivieren ihre Digitalisierungsanstrengungen unverzüglich oder sie laufen Gefahr, angesichts der harten Konkurrenz von Insurtechs und cleveren Wettbewerbern mit digitalem Know-how, aus dem Markt gedrängt zu werden.

Die Notwendigkeit der Digitalisierung

Versicherer sind zwar digitale Nachzügler, keinesfalls jedoch Technikfeinde. So werden beispielsweise laut Aussage des GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft) die IT-Ausgaben deutscher Versicherer bis Ende dieses Jahres auf etwa fünf Mrd. Euro ansteigen. Das Problem besteht nicht darin, dass die Branche nicht in die eigenen digitalen Ressourcen investieren würde. Vielmehr halten diese Investitionen nicht immer Schritt mit der Größe der Herausforderung, vor der die Versicherer stehen.

Gerade bei Versicherern in der DACH-Region ist das Problem besonders gravierend. Das geringe Digitalisierungstempo auf dem deutschen Markt ist gemäß EIOPA research (European Insurance and Occupational Pensions Authority) der wesentliche Grund dafür, dass die Verwaltungskosten von Kompositversicherungen drei Prozent über dem europäischen Durchschnitt von 5,8 Prozent liegen.

Warum zögern diese regionalen Versicherer? Viele fürchten die Integration neuer, unbekannter Technologien sowie die Partnerschaft mit Insurtechs wegen ihrer Abhängigkeit von  Altsystemen ohne offene Schnittstellen. Hinzu kommen eine tief sitzende Angst vor kostspieligen und umwälzenden Megaprojekten sowie Bedenken hinsichtlich Datenkontrolle und -sicherheit.

Eine Zusammenarbeit mit erfahrenen Partnern, die diese Schwierigkeiten kennen und gemeistert haben, kann jedoch entsprechende Sorgen nehmen und Vertrauen schaffen. Wie zahlreiche Unternehmen erfahren müssen, ist die COVID-19-Krise an sich schon Grund genug, die eingeübten Vorbehalte gegenüber der Digitalisierung fallen zu lassen.

Einer aktuellen KPMG-Analyse zufolge hat sich die Digitalisierung von Geschäftsabläufen und Vertriebskanälen bei den Versicherern im Kontext von zunehmender Ansteckungsgefahr und Homeoffice beschleunigt. Da viele Experten von einer zweiten Infektionswelle noch in diesem Jahr ausgehen, hat die Digitalisierung kurzfristig eine sehr hohe Priorität bekommen und ist auch langfristig eine absolute Notwendigkeit.

Die Automatisierung von Schlüsselprozessen, darauf weist KPMG hin, bringt den Versicherern mehr Kosteneffizienz und Stabilität. So haben es die europäischen Versicherer geschafft, die Zahl der Betrugsfälle um 18 Prozent zu senken – dank KI-Systemen, die große Datenmengen durchforsten, um Ansprüche zu bewerten und Betrugsrisiken zu erkennen.

Neben der Abwicklung von Ansprüchen können mit KI und Machine Learning auch  im Underwriting genauere und zuverlässigere Ergebnisse erzielt werden. Außerdem können die tatsächlichen Risiken so besser in die Vertragsbedingungen einfließen. Darüber hinaus können Daten von IoT-Sensoren bei versicherten Gütern zeitnah eine vorbeugende Wartung auslösen und ersparen Versicherern damit hohe Schadenkosten. Schließlich sind KI-Chatbots inzwischen in der Lage, einen effizienteren und dennoch persönlichen Kundenservice zu leisten.

Damit Versicherer cleverer und flexibler werden können, kommt es ganz wesentlich auf die Modernisierung der Kernsysteme an – nicht nur in Zeiten von Abstandsregeln und Homeoffice, sondern auch mit Blick auf eine Zukunft, in der die digital versiertesten Wettbewerber an die Spitze drängen. Wirksame digitale Vertriebskanäle sowie digitale Produktentwicklung sind ebenfalls entscheidend, wenn es darum geht, die Spreu vom Weizen zu trennen. Partnerschaften mit Branchenführern können den Versicherern bei der erfolgreichen Bewältigung dieses Wandels helfen.

Aufbau praktikabler Lösungen

Mithilfe der Kombination der Kernsysteme von Sapiens, die für große Portfolios ausgelegt sind, mit den erstklassigen digitalen Front-End-Lösungen von sum.cumo sind die Versicherer in der DACH-Region für die erwarteten Umwälzungen des Marktes gerüstet. Die Mischung aus Produkten, digitalen Angeboten und Kernversicherungssystemen eröffnet den Weg zu reibungslosem Kundenservice, effizienten Geschäftsabläufen und zur Einführung innovativer Ideen.

Dank jahrzehntelanger Erfahrung ist der Versicherungssoftwareanbieter Sapiens bestens vorbereitet und kann Empfehlungen geben sowohl zu bewährten Methoden als auch zu den Vorteilen der Integration optimierter digitaler Lösungen in bestehende Plattformen.

Die Erkenntnisse aus der COVID-19-Krise sollten für den Wandel der Organisationen und der Unternehmenskultur sinnvoll genutzt werden. Unternehmen müssen neue Kollaborationsmodelle und -tools finden, um ihre Remote-Mitarbeiter auch unter den gegenwärtigen Umständen flexibel einsetzen zu können. In diesem Zusammenhang benötigen Versicherer digitale Lösungen, bei denen erstklassiger Benutzerservices und modernste Technologien zusammentreffen.

Die Versicherungswirtschaft meidet von Haus aus Risiken, und die Krise hat diese Haltung noch einmal verstärkt. Das sollte Versicherer aber nicht vom digitalen Wandel abhalten. Denn in Zeiten knapper Gewinnmargen, in denen jeder Cent zählt, besteht das größte Risiko für die Versicherer darin, auf Innovationen zu verzichten.

Autoren: Ingolf Putzbach, Sapiens und sum.cumo, und Kai Schichtel, sum.cumo

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