Kooperation statt Disruption im Maklerpool

Quelle: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Überall dort, wo sich Know-how nicht durch Nullen und Einsen abbilden lassen, seien die traditionellen Versicherer heute noch im Vorteil, glaubt Charta-Chef Dietmar Diegel. Gerade Maklerpools, die Akteure einer vermeintlich Alten Welt, sind dennoch weit davon entfernt, Insurtechs zu unterschätzen. Sie schließen Partnerschaften – und investieren damit in sich selbst.

Für Dietmar Diegel, Vorstand von Charta, sind Insurtechs nur für die Marktteilnehmer gefährlich, die nicht bereit seien, dynamischer werdenden Rahmenbedingungen aktiv zu begegnen. Von Insurtechs gingen wichtige Impulse aus, Verbesserungen zu beschleunigen. Charta sei ein technischaffiner Verbund und sähe das daher gerne, kämen doch die Entwicklungen dem unabhängigen Vermittler zugute. Für Charta als Produktnehmer seien Insurtechs eine Bereicherung. Es gebe inzwischen statt eines Gegeneinander, ein produktives Miteinander der Newcomer mit den Etablierten.

Eine Entwicklung weg von Disruption sieht auch Jörg Haffner. Nach Angaben des Geschäftsführers von Qualitypool forcieren beide Seiten diese Entwicklung, um weniger komplexe Lösungen für den Endkunden zu entwickeln. Das Unternehmen kooperiert mit Clark, Neodigital und Smart Insurtech. Man sei für weitere Kooperationen offen und sondiere den Markt kontinuierlich. Clark ihrerseits arbeitet unter anderem mit Mailo, den Tochterunternehmen großer Player wie Adam Riese von der Württembergischen, Adcuri der Barmenia oder Prokundo vom Volkswohl Bund und mit Andsafe der öffentlich-rechtlichen Versicherer zusammen.

Wozu nun die ganzen Kooperationen? Diegel sieht die veralteten IT-Systeme der Versicherer als Problem. Mit den flotten Töchtern, den sogenannten „Schnellbooten“ solle dieser Situation begegnet werden. Auch die vfm-Gruppe nutze Insurtechs, um die zunehmenden Probleme bei der Geschäftsabwicklung durch die Gesellschaften zu umgehen. Der Vermittler müsse die Zeit wiedergewinnen, die aufgrund steigender Bürokratie und der Probleme, qualifizierte Ansprechpartner bei den Gesellschaften zu finden, verloren ginge. „Der Wettlauf zwischen den Versicherern und den Insurtechs besteht darin, wer die Prozesse schneller optimiert“, sagt Geschäftsführer Klaus Liebig.

Und welche Produkte haben die Schnellboote in ihrer Fracht? Womit wollen sie die Supertanker angreifen? Unisono nennen die Pools die private Kompositsparte, auch in digitalen Ökosystemen, weil die Produkte standardisiert und somit digital gut abzubilden seien. Die Einstiegshürden für Insurtechs seien entsprechend niedrig. Aktuell sei das laut Haffner zum Beispiel bei Gewerbeversicherungen zu beobachten. „Der Markt ist hart umkämpft, schließlich sind auch Vertriebsgrößen wie Check24 Teil des Wettbewerbs“. Noch bediene kein Insurtech eine so breite Produktpalette wie die großen Versicherer. Diegel drückt es so aus: „Überall dort, wo sich Knowhow nicht durch ‚Nullen und Einsen‘ abbilden lässt, sind die traditionellen Versicherer heute (noch) im Vorteil.“

Was sollen nun die Etablierten tun? „Wenn die Versicherer ihre Vorteile an Qualifikation durch Personalabbau und demografische Entwicklung verlieren, könnten die Techs das Rennen gewinnen“, warnt Liebig. Charta-Chef Diegel unterstreicht, dass Versicherer bei allen Anstrengungen der Digitalisierung, ihre Stärken nicht vernachlässigen sollten. Und was die Vermittler auszeichnet und damit auch den Etablierten zugutekommen kann, darin sind sich die Chefs der Pools einig. Diegel: „Es ist wichtig, mehr zu sein als der Verkäufer eines Versicherungsproduktes. Man muss auf den Kunden zugehen, seine Risikosituation analysieren und für ihn als Einkäufer von Sicherheit agieren, in allen Lebenslagen“. Persönlichkeit gepaart mit bester Technik wie Vergleichsrechnern oder Online-Beratungstools können die Supertanker also davor bewahren, von den Schnellbooten geentert zu werden.

Autorin: Silvia Fischer

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Aprilausgabe des Magazins Versicherungswirtschaft.

Quelle: VVW

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