Carolin Gabor: „Kultur ist immer noch ein Boysclub“

Carolin Gabor auf dem SZ-Versicherungstag 2020. Quelle: lie

Technik allein reicht für die digitale Transformation in der Assekuranz nicht. „Transformation fängt immer mit Kommunikation an. Da kann man die tollsten Tools und Services einsetzen, es geht nicht ohne Kulturwandel“, sagte Sascha Pallenberg, Head of Digital Transformation der Daimler AG, beim SZ-Versicherungstag 2020 in Bergisch Gladbach.

Ein Baustein dabei ist mehr Diversität in den Führungsetagen. „Kultur ist immer noch ein Boysclub“, kritisierte Carolin Gabor, Partner von der Berliner Fintech-Gruppe Finleap GmbH und CEO des dazu gehörenden Vergleichsportals Joonko AG. Für viele Frauen gebe es „gefühlt keinen Platz“. Dass die Branche beim Anteil von Frauen in Führungspositionen, insbesondere im Vorstand noch nicht weiter gekommen sei, beruhe darauf, dass sie Stellen nur mit Menschen besetzten, die „exakt das Gleiche schon mehrere Jahre“ ausgeübt hätten. Da werde immer im „gleichen Teich gefischt“, was die Diversität hinsichtlich Gender sowie Bildungs- oder Regionalherkunft nicht erhöhe.  Gabor rät zur „positiven Diskriminierung“ in Form einer Quote, so habe man in der eigenen Gruppe den Frauenanteil in Führungspositionen auf 50 Prozent geschafft.

„Wir müssen an unserer Führung arbeiten – der Jungsclub ist kein Zukunftsmodell mehr“, sagte Wolfgang Breuer, Vorstandschef des Provinzial NordWest Konzerns. Stellen werde man allerdings nur bei anstehenden Personalwechseln neu besetzen und der Markt „ist sehr eng“. Für Dietmar Austrup resultiert der geringe Frauenanteil im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen auch daraus, dass andere Branchen durchlässiger seien und dort Mitarbeiter auch aus benachbarten Branche wechselten. Von Vorteil sei, dass der Regulator stärker auf die Teams und ihre Potenziale schauen wolle, so der Co-Leiter deutsche Praxisgruppe Financial Services der Personalberatung Egon Zehnder weiter.

Für die Digitalisierung brauche es nun Manager, die statt „command and controll“ mit Menschen umgehen können, sagte Austrup. Die Führenden müssten zudem daran arbeiten, dass jüngere Mitarbeiter stärker nach selbstbestimmteren Arbeiten strebten. Junge Leute sollten an ihrer Persönlichkeit arbeit, fehlende Fachlichkeiten hätten sie schnell aufgeholt, riet Breuer. Beispielsweise sollten sie Qualitäten im Konfliktmanagement entwickeln. Er sprach sich auch dafür aus, dass Führungskräfte neuere Arbeitsformen wie etwa Homeoffice vorlebten. „Das ist eine produktive Form und es wäre schön doof, wenn die sich nicht im Unternehmen durchsetzt.“

Mario Greco, CEO des Zurich-Konzerns hatte in einer Eingangsrede davon berichtet, dass sein Haus auf die Änderungen durch Digitalisierung und den demografische Entwicklung mit einer Strategie der noch stärkeren Kundenorientierung reagieren werde. Das Programm bis 2022 sehe weitere Vereinfachungen von Organisation, Produkten und Services vor. Der Antrieb komme dabei von den Mitarbeitern. Er schilderte eine Art betriebliche Vorschlagswesen, an dem sich rund 1.250 Mitarbeiter beteiligt hätten. So habe man beispielsweise die Lenkungskomitees um ein Drittel vermindert. In der Informationsverarbeitung seien die 70 Datencenter auf 13 und die Zahl der IT-Anwendungen um 20 Prozent vermindert worden.

Autorin: Monika Lier

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