Allianz: Instabile Verhältnisse bremsen das globale Wachstum

Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Allianz SE. Quelle: mvb

Krisen und Handelskonflikte bestimmen zunehmend die weltweite Konjunktur. Was sich in den zurückliegenden Jahren vermehrt andeutete, scheint sich 2020 fortzusetzen. Die instabilen Verhältnisse machen den Konjunkturexperten ihre Arbeit nicht gerade leichter. Durchweg vorsichtig sind daher ihre Prognosen. „Wir haben ein defensives Jahr vor uns, in dem die Länder versuchen, ihr geringeres Wachstum zu verteidigen“, so Ludovic Subran, neuer Chefvolkswirt der Allianz SE, in seinem aktuellen Konjunkturausblick.

Er rechnet damit, dass sich das Wachstum des Bruttoinlandprodukts im Jahr 2020 weltweit von 2,5 Prozent in 2019 auf 2,4 Prozent verlangsamen wird. Einer Steigerung auf 2,8 Prozent sei erst 2021 wieder zu erwarten. Ferner prognostizierte er für 2020 eine erneute Zunahme von Unternehmensinsolvenzen um sechs Prozent nach neun Prozent im Vorjahr.

Dabei legte der Chefvolkswirt in seinem vorsichtig optimistischen Ausblick keine weitere Eskalation der Krisenszenarien zugrunde. Dies gilt u.a. für den Handelskonflikt zwischen der USA und China, der nach seiner Einschätzung im US-Wahljahr 2020 nicht weiter an Schärfe zunehmen wird. Auszugehen sei von einem unveränderten US-Zoll von durchschnittlich sieben Prozent, nachdem dieser 2018 noch 3,5 Prozent betragen habe.

Vor diesem Hintergrund rechnet Subran mit einem moderaten Wachstum des Welthandels um 1,8 Prozent in 2020 und 2,5 Prozent in 2021 – verglichen mit den Vorjahren ein schwacher Wert. Wurden doch 2017/2018 vor dem Handelskonflikt noch Steigerungen von 4,7 Prozent erzielt. Generell müsse man aber davon ausgehen, dass politische und soziale Spannungen in vielen Ländern der Welt anhalten. Dies gelte besonders auch für den gesamten Nahen Osten, den Raum Südamerika und die Situation in Hongkong.

Brexit ist keine Belastung mehr für die Eurozone

Die Wachstumsschwäche belastet auch die Eurozone. Dort werde die Wirtschaft 2020 voraussichtlich nur um 1,0 Prozent und 2021 um 1,3 Prozent wachsen. Der Wert bleibt damit unter dem Potenzialwachstum von 1,4 Prozent. Doch wird nach Einschätzung Subrans das Wachstum nach Erreichen eines Tiefpunkts im 4. Quartal 2019 dank der Unterstützung durch den privaten Konsum und der immer noch guten Arbeitsmarktlage nicht weiter zurückgehen. Im Thema Brexit sieht er indes keine besondere Belastung mehr für die Eurozone.

Deutschland, das 2019 nur knapp an einer Rezession vorbeischrammte, bleibt allerdings mit seinen trüben Wachstumsaussichten in den kommenden Quartalen ein Sorgenkind. Die Exportorientierung der Wirtschaft und die Probleme der Autoindustrie machen sich stärker als anderswo bemerkbar. Trotz guter Binnenkonjunktur sagt die Allianz lediglich ein Wachstum von 0,6 Prozent in 2020 und 1,1 Prozent in 2021 voraus.

Die Unternehmen sind nicht nur den Risiken der Konjunktur ausgesetzt. Eine Reihe weiterer Faktoren können ihre wirtschaftliche Lage gravierend beeinträchtigen, wie das von Michael Bruch, Global Head of Liability Risk Consulting and ESG, vorgestellte Allianz-Risikobarometer 2020 verdeutlicht. Der Bereich Cyber ist demnach zum weltweiten Top-Risiko für die Betriebe aufgestiegen, gefolgt von Betriebsunterbrechungen aller Art, die in Deutschland bisher noch mit 55 Prozent vor Cybervorfällen (44 Prozent) auf Platz eins liegen.

Als Aufsteiger des Jahres rangiert auf dem weltweit 7. Rang nun der Klimawandel. In Deutschland fürchten die Unternehmen laut Krisenbarometer nicht nur Sachschäden durch verstärkte Wetterereignisse, sondern auch potenzielle Auswirkungen auf Absatzmärkte, etwa durch den Wechsel zur Elektromobilität oder neue Emissionsvorschriften.

Autor: Mathias von Bredow

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