Australiens Höllenfeuer kostet Versicherer bislang 600 Mio. Dollar

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Temperaturen jenseits der 40 Grad und starke Winde haben die Feuerbrände in Australien über das Wochenende verschlimmert. Tausende Menschen fliehen vor den Flammen, eine halbe Milliarde Tiere sind bereits verendet. Für die Tourismusbranche sowie für Versicherer ist der Schaden bereits immens.

Das letzte Großschadenereignis für Sach- und Haftpflichtversicherer ereignete sich 2009 im Bundesstaat Victoria und ging unter dem Namen „Black Saturday Bushfires“ in die australische Geschichte ein. Die Brände forderten 173 Todesopfer sowie Hunderte Verletzte und zerstörten rund 2.000 Wohngebäude.  Rund drei Viertel der versicherten Sachschäden in Höhe von 1,2 Mrd. australische Dollar entfielen auf Wohngebäude- und Hausratversicherungen, ein Viertel auf Gewerbe-, Industrie- und Agrarpolicen. Schätzungen zufolge waren 80 Prozent der betroffenen Versicherten unterversichert.

Auch beim aktuellen Feuer in Australien sind viele Schäden nicht versichert. Dennoch sprach der australische Versichererverband Insurance Council of Australia von bislang 9.000 Schadensmeldungen im Wert von etwa 300 Mio. Dollar. Das war der Stand vor einer Woche, inzwischen dürfte sich die Zahl laut Experten verdoppelt haben. 789 Häuser wurden im Bundesstaat New South Wales zerstört, 86 in Sout Australia 40 in Queensland. Insgesamt sind 2.000 Häuser komplett verbrannt. Der heimische Versicherer Insurance Australia Group dürfte für die meisten Schäden aufkommen. Die Ratingagentur S&P bescheinigt den betroffenen Versicherern jedoch Schäden auf einem „moderaten Level“, die ohnehin gut von den Rückversicherern absorbiert werden.

Allein in New South Wales ist seit dem ungewöhnlich frühen Ausbruch der Buschfeuer eine Fläche von vier Millionen Hektar abgebrannt, ein Gebiet größer als Baden-Württemberg. Seit Oktober sind landesweit 24 Menschen ums Leben gekommen.  Im mehr als 1300 Kilometer entfernten Neuseeland sind manche Gletscher inzwischen von einem Aschefilm aus Australien bedeckt.

Die australischen Behörden haben Tausende Touristen, die im Süden von New South Wales Urlaub machen, aufgefordert, die Region bis Samstag zu verlassen. Die internationalen Titelseiten zu den Bränden in den Australien dürften bei der Tourismusindustrie ebenfalls viel Schaden hinterlassen. Normalerweise tummeln sich an der australischen Küste um diese Zeit zahlreiche Touristen, nun mussten Freizeitparks, Urlaubsressorts, Restaurants und Bars schließen. In den sonst in den Sommermonaten beliebten Ferienorten wurden zudem Lebensmittel knapp, zahlreiche Geschäfte und Tankstellen waren ausverkauft. Neben der Tourismusbranche werden sich Lebensmittelhersteller auf Umsatzeinbußen gefasst machen. Vor allem Obst-und Gemüsefarmer sowie die Milchlieferanten sind betroffen, da ein großer Teil der Rinder verbrannt ist.

Regierung stellt der Bevölkerung zwei Milliarden Dollar in Aussicht

Der Premierminister australisiche Scott Morrison geriet unter Druck, weil er das Ausmaß der Brände eine lange Zeit herunterspielte und über Weihnachten noch Urlaub machte, statt Krisenmanagement zu betreiben. Zudem verteidigt er vehement die heimische Kohleindustrie und will sich „nicht auf unbesonnene Klimaziele einlassen und heimische Industrien aufgeben, wodurch australische Arbeitsplätze gefährdet würden“. Australien gehört neben Indonesien zum weltgrößten Exporteur von Kohle und bezieht selbst drei Viertel seiner Elektrizität aus der Kohleverstromung.

Morrison stellte seinem Land einen Wiederaufbau-Fonds von insgesamt zwei Mrd. australischen Dollar (umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro) in Aussicht, um die durch die Buschfeuer entstandenen Schäden zu bewältigen. Die Regierung werde bezahlen, „was auch immer es kostet“, um sich von den Waldbränden zu erholen, sagte Morrison auf einer Pressekonferenz am Montag. 

Autor: VW-Redaktion