Taylor Wessing: Keine allgemeine Verhärtung des D&O-Marktes

Der 16. International Insurance Day in München von TaylorWessing beleuchtet aktuelle Rechtsfragen der Assekuranz. Quelle: Alexander Kaspar

Taylor Wessing, einer der führenden Wirtschaftskanzleien in Deutschland, veranstaltet seit nunmehr 16 Jahren seinen Internationalen Insurance Day, seit zehn Jahren findet die Veranstaltung traditionell am Standort München statt. Heuer standen u.a. die Themen „D&O-Versicherung – neue Entwicklungen“, „W&I Insurance – next decade“, „KI – Was plant der Gesetzgeber“ und „VAIT – Rechtsrahmen für digitale Lösungen“ auf der Agenda. Im Videointerview sprechen Gunbritt Kammerer-Galahn, Mareike Gehrmann und Detlef Klett über die neuesten Entwicklungen.

Im Zuge der Digitalisierung und der weit verbreiteten Praxis Daten und Dienste zunehmend in die Cloud zu verlagern hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sogenannte „versicherungsaufsichtliche Anforderungen an die IT“ (VAIT) definiert. Diese VAIT wurden von Amts wegen sehr rigide definiert, bei gleichzeitig unklarer Ausgestaltung der eigentlichen Richtlinien. Dies hat für Verunsicherung und Unruhe in der Branche gesorgt. Zusätzlich hat auch die Europäische Finanzaufsicht eigene Konsultationen zum Thema Cloud gestartet und für weitere Spekulationen gesorgt. Wie zukünftig der Rechtsrahmen dabei aussehen wird und mit welchen Besonderheiten noch zu rechnen sein wird, erklärt Gunbritt Kammerer-Galahn, Head of Insurance bei Talor Wessing hier im exklusiven Video-Interview:

Zuvor hatten Yannick Eckervogt von Taylor Wessing und Tobias Liedtke von Marsh einen Blick auf die jüngsten Entwicklungen in der D&O Versicherung geworfen und dabei festgestellt, es gibt zwei Haupttendenzen: Für große Unternehmen könnten die Prämien teilweise ansteigen bei gleichzeitig sinkenden Gesamtkapazitäten. Im Gegensatz dazu würden kleinere und mittlere Betriebe, sensibilisiert durch spektakuläre Schadenfälle, die breit in der Öffentlichkeit diskutiert, höhere Deckungssummen nachfragen, und müssten deshalb mit steigenden Prämien rechnen

Insgesamt beobachten die Experten jedoch keine allgemeine Verhärtung des Marktes. Eine Sondersituation bietet sich auf dem US-Markt: Vor dem Hintergrund vermehrter Sammelklagen (class actions), vieler Schadenfälle, hoher Abwehrkosten und einer sehr strengen Börsenaufsicht senken Versicherer dort ihre Kapazitäten stark ab und fordern, bei sehr genauer Prüfung der Risiken, deutlich höhere Prämien.

Ein weites Betätigungsfeld kristallisiert sich, im Zuge von Unternehmensverkäufen, Fusionen oder Nachfolgeproblematiken im Bereich M&A, hier besonders die W&I (warranty and indemnity) Insurance heraus. Hier spezialisieren sich neue Anbieter auf kleinere Transaktionen, ohne feste Mindestprämie mit einem schlanken Underwriting hat Benedict Prinzenberg von der Funk Versicherungsmakler GmbH festgestellt.

Die W&I ist nicht dafür da, „Schäden zu bezahlen, wenn im soeben übernommenen Unternehmen in der Eingangshalle die Kacheln von der Wand fallen“, so Prinzenberg in einer Präzisierung, sondern um z.B. dem alten Firmengründer einen sorgenfreien, d.h. rechtssicheren Ruhestand, frei von Risiken und Verantwortung zu ermöglichen.

Bei steigenden Fallzahlen zeichnen sich steigende Prämien ab. Als besondere Herausforderung gilt in diesem Segment eine weltweite Expertise zu unterschiedlichen Rechtsgebieten, auch weltweit. Hauptauslöser für die W&I sind traditionell auf Platz eins Financial Statements, gefolgt von Tax und Compliance-Themen. Marktführer ist die AIG.

Ein Begriff mit hohem Buzzword-Faktor ist auch die Künstliche Intelligenz (KI). Auf ihr ruhen zahlreiche Hoffnungen nicht nur in der Versicherungswirtschaft. Was sie zu leisten imstande ist, lässt sich derzeit nur erahnen, dennoch gibt es auf nationaler wie EU-Ebene konkrete Vorstellungen aus der Politik, was KI zukünftig alles leisten soll.

Auch Geld hat die Bundesregierung dafür schon in die Hand genommen, allerdings nicht wie ursprünglich geplant drei, sondern lediglich nur eine Milliarde Euro. Viel zu wenig finden Mareike Gehrmann und Detlef Klett aus der Düsseldorfer Niederlassung von Taylor Wessing. „Was plant der Gesetzgeber?“ lautete ihr Vortragsthema. Die Antworten gaben beide im gemeinsamen Videointerview mit VWheuteTV.

Autor: Alexander Kaspar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

vier × 5 =