Assekurata zählt die Unfallversicherung an – schuld sind die Unternehmen

Ein Unfall ist schnell passiert, helfen kann die Unfallversicherung. Quelle: Bild von WikiImages auf Pixabay

Die Unfallversicherung ist des Versicherers liebstes Kind. Die Schäden sind gering, die Gewinne hoch, doch nicht jeder Versicherer kann vom Produkt gleichermaßen profitieren. Steigende Schadenquoten und Auszahlungen erschweren laut Assekurata das Geschäft, das liegt nicht nur an immer aktiveren Rentnern, wie „Erwin“ zeigt.

Kennen Sie Erwin? Das ist nicht der Vorsitzende der sportbegeisterten Senioren, sondern ein Akronym von „Ertrags- und Wachstums-Indikator“ von Assekurata. Mit Erwin wird die Combined Ratio als eine relevante Ertragskennzahl mit der Zuwachsrate der Verträge als Wachstumskennzahl in optische Beziehung gesetzt. So lässt sich der Markt in ertragreiche und weniger ertragreiche, wachsende oder schrumpfende Unternehmen aufteilen. So kann schnell ein Überblick über den Zustand der Branche auf Einzelunternehmensebene gewonnen werden.

In der nachfolgenden Grafik ist dabei jeweils der Fünf-Jahresdurchschnitt (2014-2018) für die Combined Ratio und die Zuwachsrate nach Verträgen abgebildet.

Quelle: Assekurata

Zwar lässt sich die Unfallversicherung in diesem Zeitraum bei der Mehrheit der Unternehmen als Ertragsträger einordnen, bei einem kleinen Teil stellt der Zweig allerdings mit einer Combined Ratio (brutto) von über 100 Prozent einen nachhaltigen Verlustbringer dar. Ferner zeigt die Abbildung das zweite große Problem der Branche, den fortschreitenden Bestandsabrieb. So ist ersichtlich, dass etwa die Hälfte der Marktteilnehmer bei zumeist hoher Profitabilität unter dem Strich Bestandabgänge hinnehmen musste, schreibt Assekurata.

Mit 80 auf den Everest

Auf die Combined Ratio wirken Trends, denen sich die Versicherer nur schwer entziehen können. Zum einen schlägt sich schadenseitig die fortschreitende Alterung der Bestände nieder. Ältere Versicherte sind heute deutlich aktiver als vor 20 Jahren und haben statistisch gesehen häufiger und dann meist auch schwerere Unfälle. Dieser Umstand trieb in der jüngsten Vergangenheit die Schadenzahlungen sukzessive nach oben. Hatten die Versicherer in der Unfallversicherung im Jahr 2000 noch rund 2,5 Mrd. Euro an Schadenzahlungen entrichten müssen, schlugen diese 2018 mit rund 3,9 Mrd. Euro zu Buche. Und auch die durchschnittliche Schadenzahlung stieg in diesem Zeitraum von rund 2.970 auf zuletzt 4.200 Euro.

Quelle: Assekurata

Folglich stieg auch die Schadenquote, in den vergangenen zehn Jahren marktweit deutlich von durchschnittlich 51,92 auf 58,23 Prozent an. Die Kostenquote stagniert im selben Zeitraum rund um die 30 Prozentmarke, erklärt Assekurata. Parallel zur Schadenentwicklung steigt unter anderem aufgrund der zunehmenden Bedeutung der Internetvergleichsportale der Druck aufs Neugeschäft. Gepaart mit den branchenweiten Bestandsverlusten sorgt dies für stagnierende Prämieneinnahmen mit entsprechender Wirkung auf die Margen bzw. die Combined Ratio.

Was Unternehmen tun

Um die Attraktivität der Produkte gerade bei einer jüngeren Zielgruppe zu erhöhen, weiten viele Versicherer ihre Tarife derzeit leistungsseitig massiv aus. So decken viele Schadenpolicen heute wesentlich mehr als den klassischen, bedingungsgemäßen Unfallbegriff ab und schließen beispielsweise die Eigenbewegung ein.

Allerdings sei fraglich, ob die damit einhergehende Verkomplizierung dem Absatz insbesondere bei ungebundenen Vermittlern und Vertrieben zuträglich ist. Aufgrund der zuvor geschilderten Bedeutung des Vertriebs über Vergleichsportale dürfte es zudem schwierig werden, diese Mehrleistungen prämienseitig voll umfänglich einfließen zu lassen, glaubt Assekurata.

Aufgrund der Tatsache, dass den Versicherern im derzeitigen Zinsumfeld auch bedeutend weniger Erträge aus der Kapitalanlage zur Verfügung stehen, suchen viele Unternehmen neue Ertragsquellen in anderen Zweigen.

Des Versicherers liebstes Kind schwächelt, auf hohem Niveau. Welche Lösungen die Unternehmen entwickeln, wird interessant sein.

Autor: VW-Redaktion

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