Grüne Anlagen: Investieren und Reden

Investition in Anlagen, die Umwelt-, Sozial- und Corporate-Governance-Kriterien (ESG) erfüllen, erfordern von Versicherern auch entsprechende Kommunikation. „Engagement wird für institutionelle Investoren immer wichtiger“, sagte Marie Niemczyk, Head of Insurance Relations von Candriam, auf einer Fachkonferenz des IfVW Instituts für Versicherungswissenschaften e.V. an der Universität Leipzig in Köln.

 Sie fordert die Asset Manager zu politischen Stimmrechtsabgaben auf. Dazu sollten sie mit den Unternehmen in den direkten Dialog treten. „Die Erfahrung zeigt, dass Kampagnen zwei bis drei Jahre brauchen, bis sie Wirkung zeigen. Bei den ESG-Faktoren geht es nicht darum, die Guten zu belohnen und die Schlechten auszuschließen, sondern mitzuhelfen, dass sich die verbessern, die nicht so gut dastehen.“

EU und Eiopa arbeiten aktuell an Regulatorik, die zumindest Mindestbedingungen für ESG-Investitionen vorsieht. Investitionen in „grüne und ethische“ Anlagen sind ein Trendthema. Wichtig sei es, diese Engagements genau zu definieren, weil es ein „Begriffswirrwarr“ gebe. In der Vergangenheit habe es gegenüber derartigen Anlagepolitiken Skepsis und Unkenntnis gegeben. Beispielsweise meinten viele, dass derartige Investments nur bei der Aktienanlage möglich seien und Performance koste. Niemczyk zeigte beispielhaft, dass Unternehmen seit 2010 um so besser performten, je geringer ihre Kohlenstoffintensität war.

Aber auch gegenüber dem Endkunden, also dem Versicherungskunden, müssten die ESG-Anlagen richtig „reportet“ werden. Beispielsweise könne der CO2-Fußabdruck der eigenen Anlagen mit dem des MSCI verglichen werden. „Das sollten Sie dann konkreter machen und beispielsweise herunter brechen, wie viele Flüge das Einsparpotenzial darstellt.“

Der europäische Asset Manager des New York Life Investment Management kombiniert in einem vierstufigen Prozess einen „Best-in-Class-“ mit einem „Stakeholder“- und einen langfristigen „Makro-Ansatz“, der durch einen normativen und kontroversen Aktivitäten ergänzt wird. „Die traditionelle finanzielle Analyse berücksichtigt nicht alle Chancen und Risiken“, so Niemczyk. „Wir treffen nicht nur eine Anlageentscheidung, sondern verfolgen die Entwicklung eines Unternehmens, seines Sektors und seines Geschäftsumfelds permanent.“

Text und Bild von Monika Lier