Kommt jetzt die große Cyberwelle?

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Cyberversicherungen fristen derzeit noch immer eine Art Nischendasein. Die große Mehrheit der Anbieter entsprechender Policen (86 Prozent) erwartet jedoch eine starke oder sehr starke Marktentwicklung. Dies ist ein Ergebnis einer gemeinsamen Studie des Rating- und Analysehauses Assekurata und der Strategie- und Kommunikationsberatung Instinctif Partners bei aktuell 38 Anbietern von Cyber-Deckungen.

Zudem rechnen 85 Prozent der befragten Anbieter mit einer intensiven Wettbewerbssituation. Dabei gehe es laut Studie stärker um das Bedingungswerk als um einen Prämienwettbewerb. Allerdings halten die Experten das Niveau der Sicherheitsmaßnahmen von Privat- und Firmenkunden derzeit noch für zu gering.

Im Privatkundenbereich sehen alle Befragten ein niedriges Sicherheitsniveau, aber auch im Bereich KMU/Gewerbe schätzen 93 Prozent der Befragten den Eigenschutz der Unternehmen als niedrig oder eher niedrig ein. Lediglich im Industriesegment sieht es gut aus: 52 Prozent konstatieren ein eher hohes Sicherheitsniveau, 30 Prozent sogar ein hohes.

„Trotz einer Vielzahl von Studien besteht Unklarheit über die tatsächliche Bedrohungslage durch Cyber-Attacken. Widersprüchliche Erhebungsergebnisse über die Zahl der Unternehmen, die Opfer eines Angriffs wurden, erlauben keinen konkreten Überblick. Derzeit noch geringe Schadenquoten erwecken den Eindruck, dass sich der Großteil der Schäden auf niedrigem Niveau abspielt. Die Branche sollte deshalb Standards setzen, die eine strukturierte Bewertung der Schadenentwicklung im Cyber-Umfeld erlauben. Eine ‚Richter-Skala‘ für Cyber-Schäden wäre ein erster Schritt“.

Reiner Will, Geschäftsführer der Assekurata Rating-Agentur

Die Nachfrage ankurbeln könnten laut Umfrage vor allem entsprechende Assistance-Leistungen. Wichtigster Nachfragetreiber sind konkrete Schadenerfahrungen (63 Prozent), dicht gefolgt vom Bedarf an Assistance-Leistungen bei Cyber-Vorfällen, also technischer und rechtlicher Unterstützung sowie Krisenmanagement und -kommunikation (56 Prozent).

„Das Thema Cyber bietet Versicherern die große Chance, sich als Lotse zu positionieren, der verschiedene Leistungen koordiniert. Das reicht von der Risikobewertung über die Prävention bis zur Schadenbewältigung. Anders als in vielen Bereichen, in denen Ökosysteme rund um Kundenbedürfnisse entstehen, ist im Bereich Cyber bislang kein ‚Key-Player‘ erkennbar, der als natürlicher Integrator auftreten könnte“, sagt Hubert Becker, Managing Partner bei Instinctif Partners und dort verantwortlich für das Thema Cyber-Resilience.

„Cyber-Versicherungen treffen bei den verschiedenen Zielgruppen auf einen sehr heterogenen Bedarf. Dies betrifft sowohl den Grad der IT-Affinität des Geschäftsmodells als auch den Grad der bereits vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen und schließlich den Bedarf an Unterstützungsleistungen, um im Schadenfall professionell agieren zu können. All diese Faktoren sprechen für ein hochdifferenziertes Angebot. Versicherer sollten daher sehr genau prüfen, welche Zielgruppen sie adressieren, welche Leistungen dafür relevant sind und wie sie diese im Vertrieb adressieren können“, ergänzt Reiner Will, Geschäftsführer der Assekurata Rating-Agentur.

Immerhin: 74 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass konventionelle Sach- und Haftpflichtdeckungen erhebliche Silent-Cyber-Risiken beinhalten. 44 Prozent meinen, dass diese Risiken neu kalkuliert werden müssten. Sogar 78 Prozent sagen, dass eine Bedingungsklarstellung nötig sei.

Autor: VW-Redaktion