Herbert Schmitz beendet 40 Jahre Vorstandstätigkeit

Herbert Schmitz, Quelle: hs

Dr. Herbert Schmitz, Urgestein der deutschen Versicherungswirtschaft, legt zum 30. Juni sein Mandat als Vorstand des von ihm mitgegründeten Notarversicherungsvereins a. G. nieder. Nach exakt vier Jahrzehnten ununterbrochener Vorstandstätigkeit verabschiedet sich der 77-Jährige in den Ruhestand. Auf ihn folgt mit Sten Nahrgang ebenfalls ein Kenner der Insurtech-Szene.

Ganz von der Bildfläche wird Herbert Schmitz jedoch nicht verschwinden. Das Ehrenmitglied des Vereins Versicherungswirtschaft bleibt der Branche in beratender Funktion, als Beirat sowie als Aufsichtsrat der ottonova Krankenversicherung AG erhalten.

Schmitz blickt auf eine facettenreiche Karriere zurück. Seine Laufbahn in der Assekuranz begann 1977 bei der R+V Allgemeinen Versicherung AG, ehe er 1981 zur Kölnischen Lebensversicherung wechselte. Diese fusionierte 1990 mit dem Berliner Verein zur Berlin-Kölnischen Lebensversicherung – der Keimzelle der späteren Asstel Lebensversicherung, die 2014 vollständig im Gothaer Konzern aufging. Dort prägte Schmitz von 1987 bis 2010 als Vorstandsmitglied mehrerer Konzerngesellschaften maßgeblich das Geschäft.

Danach dachte er aber keineswegs an den Ruhestand: „Um mit dem Erreichen der Altersgrenze zum Golfsport zu wechseln, fehlten mir sowohl das Talent als auch die Lust“, verriet Schmitz vor einigen Jahren im Interview mit VWheute. „Es hat mir immer Freude gemacht, mit jungen Menschen zu arbeiten, sie zu fördern und mit anspruchsvollen, aber erreichbaren Zielen nach vorne zu bringen.“

Statt des Golfschlägers wählte Schmitz den Gründergeist. Er initiierte ein Kölner Gründerzentrum, aus dem die bekannte Innovationsplattform „Startplatz“ in Köln und Düsseldorf hervorging. Aus diesem Ökosystem heraus folgte im Januar 2011 ein wegweisender Auftrag: die Konzeption und Gründung einer Captive sowie eines In-House-Brokers für das deutsche Notariat. Unter seiner Regie erteilte die Bafin die Geschäftsbetriebs-Genehmigung für den Notarversicherungsverein a.G. in der Rekordzeit von nur vier Monaten. Im November 2011 wurde er zum Gründungsvorstand bestellt. Parallel dazu bewies er als Mitinitiator und Geburtshelfer erfolgreicher Insurtechs wie friendsurance, ottonova und mailo ein feines Gespür für die digitale Transformation der Branche.

Nachdem er 2010 altersbedingt nach fast 25 Jahren Vorstandstätigkeit aus den Diensten des Gothaer Konzerns ausgeschieden war, hat er zunächst in Köln ein Gründerzentrum gegründet, welches später zum Ausgangspunkt für das Unternehmen „Startplatz“ in Köln und Düsseldorf wurde. Aus diesem Kontext heraus wurde er im Januar 2011 mit der Gründung eines Captives und In-House-Brokers für das deutsche Notariat beauftragt. Nach Einreichung des Gründungsantrags bei der Bafin wurde die Genehmigung zum Geschäftsbetrieb des Notarversicherungsvereins innerhalb von 4 Monaten erteilt. Im November 2011 wurde er zum Gründungsvorstand der Gesellschaft bestellt.

Nun sei aber auch für ihn der Abschied gekommen: „Mit dem 77. Lebensjahr, was gleichzeitig auch das 40. Jahr meiner Vorstandstätigkeit in ununterbrochener Reihenfolge bedeutet, ist für mich der Zeitpunkt gekommen, Abschied zu nehmen“, so Schmitz gegenüber VWheute. Für die Zukunft hält er es ganz mit dem Philosophen Seneca: „Das Leben ist lang, wenn du es zu gebrauchen verstehst.“

Sten Nahrgang übernimmt das Ruder

Die Mitgliederversammlung des Notarversicherungsvereins hat am 22. Juni die Nachfolge geregelt und Sten Nahrgang mit Wirkung zum 1. Juli zum neuen Vorstand bestellt.

Nahrgang teilt mit seinem Vorgänger nicht nur die Leidenschaft für die klassische Assekuranz, sondern auch die Faszination für innovative Neugründungen. Nach seinem Mathematikstudium startete er seine Karriere 1988 bei der Nordstern Allgemeinen Versicherungs-AG in Köln (der späteren Axa Colonia). Nach Stationen als Berater bei Tillinghast Towers Perrin (heute Willis Towers Watson) von 2002 bis 2005 zog es ihn von 2006 bis 2011 in das Management der Generali Deutschland.

Anschließend machte sich Nahrgang mit einer eigenen Unternehmensberatung selbstständig und etablierte sich als erfolgreicher Seriengründer: So baute er u.a. den digitalen Gewerbeversicherer mailo auf und steuerte das Unternehmen bis 2022 als Vorstandsmitglied.

Gemeinsam mit Robert Buchberger inszenierte er die Online-Plattform „Experts4Insurance“, die Unternehmen flexiblen Zugriff auf hochspezialisierte Fachkräfte aus der Finanz- und Versicherungswelt bietet. Nahrgang zeichnet dort bis heute als CFO und Mitglied der Geschäftsführung verantwortlich. Auch an der Schnittstelle von Etablierten und Start-ups setzt er sich ein und begleitet den Aufbau des InsurLab Germany e.V. bis heute aktiv.

Autor: David Gorr

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