Ergo-Chef Rieß schließt Kündigungen bei der Belegschaft aus

Markus Rieß: „Vielleicht bietet Ihnen dann irgendwann ein Avatar im Metaverse in Ihrem virtuellen Wohnzimmer eine Lebensversicherung an.“ (Bildquelle: MUNICH RE, FOTO GEBÄUDE: ID 652234/PIXABAY)

Ergo-Chef Markus Rieß gibt selten Interviews, umso redseliger gab er sich gegenüber der Rheinischen Post. Es ging sowohl um Weltpolitik und branchenrelevante Themen wie das Comeback der Lebensversicherung und Vertriebspotenziale im Metaverse als auch um banale Dinge wie das Flughafen-Chaos in Düsseldorf.

Die Zentrale der Ergo liegt in Düsseldorf. Ein funktionierender Flughafen vor Ort ist eminent wichtig für den Versicherer. Das Flugchaos in Düsseldorf bezeichnet Ergo-Chef Markus Rieß als katastrophal. „Das kostet uns als Unternehmen viel Zeit und Geld. Wir haben jährlich mehrere zehntausend Passagiere, die von hier fliegen oder zu uns kommen. Der Airport in seinem aktuellen Zustand ist eine ganz schlechte Visitenkarte für Düsseldorf, dabei sollte er das Tor zur Welt sein.“ Inzwischen fliegt er lieber von Frankfurt aus oder fährt mit dem Auto oder der Bahn.

Andere globale Weltprobleme lassen sich jedoch nicht so einfach lösen. Im Zuge der Energiekrise plädiert er für mehr Offenheit gegenüber der Atomkraft. Bei den Klimazielen müsse man „noch schneller werden“ und mit China laufe das Geschäft gut. „Störungen im Verhältnis zu China, wie wir sie jetzt mit Russland erleben, wären sehr viel schwieriger für die deutsche Volkswirtschaft zu verkraften“, sagt er der Rheinischen Post.

Was derzeit aber Deutschland bewegt und auch die Versicherer ist die Inflation. Die weitere Entwicklung hänge laut Rieß von vielen Faktoren ab: den Energiepreisen, der Verfügbarkeit von Energie und den Lieferketten. „Hinzu kommen die geopolitischen Risiken. Ich kann mich in meiner aktiven beruflichen Laufbahn nicht an so unsichere Zeiten erinnern.“ Rieß glaubt aber, dass im nächsten Jahr allein schon wegen der Basiseffekte eine niedrigere Inflation sich einstellen wird. „Es sind aber auch negativere Szenarien vorstellbar. Es kann durchaus sein, dass wir mittelfristig eine Inflation oberhalb des Zielkorridors der EZB haben.“

Für Ergo bedeutet die hohe Inflation eine enorme Belastung Schadenkostenbelastung. Auf Versicherungsseite spüren das vor allem die Sparten Schaden-, Unfall- und im Gesundheit. „In der Autoversicherung zum Beispiel steigen die Reparaturkosten, unter anderem, weil die Löhne steigen und Ersatzteile teurer werden.“ Das müsse man auch an den Kunden weiterreichen, die Versicherungen werden teurer.

Eine Milliarde Euro in Digitalisierung bis 2025 investiert

Die Sparte Leben werde jedoch durch die Zinswende profitieren. „Von einen Boom möchte ich auf Basis der noch jungen Entwicklung nicht sprechen. Aber beim aktuellen Wiederanlagezins kann man auch die Leistung von klassischen Lebensversicherungen wieder stärker ins Schaufenster stellen. Wenn die EZB ihr Inflationsziel erreicht, werden die Anlagezinsen voraussichtlich dauerhaft darüber liegen. Dann könnte auch die Nachfrage nach klassischen Lebensversicherungen wieder steigen. Aber das ist aktuell nur ein Szenario.“

Personell hat die Inflation bislang keine Folgen, betont Rieß. „Wir haben hart an uns gearbeitet und sind so gut aufgestellt, dass ich nicht davon ausgehe, dass auf die Belegschaft wesentliche Anpassungsprogramme zukommen. Wir haben alleine in Deutschland sieben Standorte mit über 21.000 Beschäftigten, davon 4.500 in Düsseldorf, 2.800 in Köln und rund 7.800 selbstständige Vermittler bundesweit. Das ist grosso modo sehr stabil. Wir brauchen eher Effizienzgewinne durch Innovationen und Technologie.“

In letzteres steckt die Ergo viel Geld rein. „In unseren Strategieprogrammen von 2016 bis 2025 werden wir insgesamt über eine Milliarde Euro in die Digitalisierung investiert haben. Wir haben mit Voice, Bots und KI sehr gute Erfahrungen gemacht. Ein neues Thema der Zukunft ist vielleicht Metaverse. Es ist noch sehr früh, aber es geht darum dabei zu sein, Innovationen auszuprobieren und in Technologie zu investieren. Vielleicht bietet Ihnen dann irgendwann ein Avatar im Metaverse in Ihrem virtuellen Wohnzimmer eine Lebensversicherung an“, glaubt Rieß.

Autor: VW-Redaktion

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