Sieverding über Cyberpolicen: „Wir befinden uns in einem lernenden Markt“

Hacker

Quelle: Pete Linforth / Pixabay

Cyberangriffe werden derzeit als größte Gefahr für Unternehmen angesehen. Dies geht aus dem jüngsten Risiko Barometer der Allianz hervor. Doch die Frage bleibt: Können Versicherer die Unternehmen vor Hackerangriffen schützen? „Beim Risiko Feuer ist es den Versicherern gelungen, sinnvolle Brandschutzmaßnahmen und -strukturen in Unternehmen zu verankern, damit Schäden kalkulierbar werden. Vor dieser Herausforderung stehen wir jetzt auch bei Cyber“, glaubt Ole Sie­ver­ding, Under­wri­ting Mana­ger bei His­cox.

„Welche Voraussetzungen und Standards muss ein Unternehmen erfüllen, damit es versicherbar wird? Als Versicherer haben wir auch die Rolle des Aufklärers: Welche Schadenfälle passieren gerade? Wie sehen die Angriffsmechanismen aus? Was sind typische Auswirkungen? Wie sehen sinnvolle Schutzmaßnahmen aus?“, formuliert Sieverding die aktuellen Herausforderungen für die Versicherer im GDV-Interview.

Zudem komme die Branche „inzwischen in eine Phase, in denen sich die Bücher der Versicherer füllen und die Anzahl der versicherten Unternehmen so groß wird, dass sich die Risikoträger zunehmend über die Beherrschung der Kumulrisiken Gedanken machen müssen. Die Hauptaufgabe als Versicherung, unsere Daseinsberechtigung, ist es ja gerade, Risiken durch Unsicherheit von unseren Kunden zu übernehmen. Wir können uns als Branche nicht wegducken und sagen: Cyber ist uns zu heiß, das machen wir nicht“, so Sieverding.

Eine wesentliche Herausforderung für den Hiscox-Manager ist der Umgang mit Silent Cyber: „Ob die stillen Risiken unterschätzt wurden, werden wir erst dann wissen, wenn es einen großen Massenschaden gegeben hat. Natürlich spielen Cybergefahren auch in andere Versicherungssparten mit hinein: Vertrauensschaden-, Haftpflicht-, Vermögensschadenversicherung. Ein Beispiel: Inzwischen bieten auch klassische industrielle Hersteller immer mehr IT-Dienstleistungen und -Produkte mit an. Dass nicht nur eigene Systeme angreifbar sind, sondern auch die angebotenen Produkte und Leistungen selbst, haben viele noch nicht auf dem Schirm. Für den Versicherer sollte es am Ende egal sein, wo er das Risiko deckt – entscheidend ist, dass er sich darüber klar ist“, betont der Experte.

Insgesamt befinde sich die Branche bei Cyberpolicen „in einem lernenden Markt. Cyber entwickelt sich dynamischer als jede andere Gefahr, die wir Unternehmen bisher abgenommen haben. Cyberrisiken müssen für die Wirtschaft beherrschbar sein. Für die Versicherungsbranche ist es eine Chance, als Lösungsanbieter wahrgenommen zu werden. Ich glaube, dass wir in Deutschland in wenigen Jahren von einem Milliarden-Markt sprechen werden.“

Autor: VW-Redaktion