Frankreich-Krawalle: Morningstar DBRS beziffert versicherte Schäden auf unter eine bis 1,2 Milliarden Euro
Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Einsatzkräften der Polizei in Paris. Bildquelle: Picture Alliance / ZUMAPRESS.com | Oualid Abdellaoui
Die schweren Unruhen in Frankreich verursachen bei Unternehmen, Kommunen und Privatpersonen zwar schwere Sachschäden, für die führenden Versicherer des Landes bleiben die Risiken beherrschbar. Nach Berechnungen von Morningstar DBRS dürften sich die versicherten Gesamtschäden durch die Krawallwelle auf unter 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro belaufen. Vorausgesetzt, die Lage bleibt stabil und es kommt zu keiner erneuten Eskalation der Gewalt.
Wie Marcos Alvarez, Leiter des globalen Versicherungsbereichs bei der Ratingagentur Morningstar DBRS, betont, sind die Ausschreitungen für die großen französischen Erstversicherer eher ein „steuerbares Gewinnevent“ und „kein kapitalgefährdendes Ereignis“. Gründe dafür sind die Absicherung über den Rückversicherungsmarkt sowie die Möglichkeit, potenzielle Entschädigungsansprüche gegenüber dem französischen Staat geltend zu machen, wodurch nur ein Teil der Schäden in den Bilanzen der Erstversicherer verbleibt.
Ein neuer, staatlich gestützter Schutzschirm für Unruheschäden kann die Unternehmen bei den aktuellen Schadensfällen allerdings noch nicht entlasten. Frankreich hat zwar ein Rahmenwerk verabschiedet, das eine verpflichtende Absicherung gegen Krawallfolgen einführt und es Versicherern erlaubt, einen großen Teil qualifizierter Großschäden an den von der öffentlichen Caisse Centrale de Réassurance verwalteten Mechanismus zu übertragen. Da diese Struktur jedoch bisher nicht operativ ist, greift sie für die jüngste Gewaltwelle nicht.
Morningstar DBRS weist in seiner Analyse auf einen grundlegenden Wandel in der Risikobewertung der Finanzbranche hin. Unruhen, Streiks und zivile Tumulte ähneln aus Sicht der Assekuranz immer stärker klassischen Naturkatastrophen. Das Hauptrisiko besteht darin, dass Schäden nicht isoliert auftreten, sondern zeitgleich und korreliert in mehreren Städten entstehen.
Schon die Krawalle im Jahr 2023 forderten versicherte Schäden von rund 730 Millionen Euro. Diese Entwicklung unterstreicht laut Alvarez, dass Versicherer und Rückversicherer gesellschaftliche Unruhen künftig verstärkt als reines Kumulrisiko behandeln müssen, was eine gezieltere Preisgestaltung, klare Haftungsgrenzen und spezifische Rückversicherungskonzepte erfordert.
Die gewaltsamen Unruhen entzündeten sich an landesweiten Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten, gestiegene Energiepreise und die soziale Ungleichheit, verstärkt durch wochenlangen Unmut über Missstände im Bildungsbereich. Ausgehend von schüler- und studentisch geprägten Demonstrationen wuchs die Bewegung rasch zu einer breiteren sozialen Protestwelle heran. Die Ausschreitungen konzentrieren sich vor allem auf Großstädte und Metropolregionen wie Paris, Lyon, Straßburg und Marseille sowie auf Kommunen in der Provinz – etwa Limoges, wo Unruhestifter unter anderem das historische Rathaus in Brand steckten.
Autor: VW-Redaktion
