Rückschlag für Monte dei Paschi: Abwehrkampf gegen Intesa Sanpaolo droht zu scheitern

Mit der Gründung im Jahr 1472 gilt Monte dei Paschi als die älteste Bank der Welt (Bildquelle: Can Pac Swire /flickr/https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

Im Milliarden-Poker des italienischen Bankensektors zieht sich die Schlinge um die Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) immer enger zu. Die Strategie von MPS-Chef Luigi Lovaglio, die drohende Übernahme durch das italienische Branchenschwergewicht Intesa Sanpaolo über eigene Großakquisitionen abzuwehren, steht vor dem Zusammenbruch. Am Donnerstag versetzten einflussreiche Großaktionäre und die französische Großbank Crédit Agricole den Abwehrplänen aus Siena einen schweren Dämpfer.

Eigentlich wollte MPS-Chef Lovaglio die Selbstständigkeit des toskanischen Instituts sichern, indem er mit aggressiven Zukäufen Fakten schuf. Auf dem Zettel des Managers standen die Übernahmen der Banco BPM und der Banca Generali sowie eine tiefere Integration mit der Mailänder Investmentbank Mediobanca. Um die eigenen Aktionäre bei der Stange zu halten und vom Verkauf ihrer Anteile an Intesa abzuhalten, stellte Lovaglio zudem eine Sonderdividende von vier Milliarden Euro in Aussicht – zusammengesetzt aus Barreserven und Aktien des Versicherers Generali.

Dieser Plan erlitt nun jedoch Schiffbruch. Der italienische Milliardär und Investor Francesco Gaetano Caltagirone, der über seine Holding FGC gut 10 Prozent der MPS-Aktien hält, kündigte an, bei der entscheidenden außerordentlichen Hauptversammlung am 29. Oktober gegen sämtliche Übernahme- und Fusionsvorhaben des Managements zu stimmen.

Damit schließt sich Caltagirone der Phalanx anderer dominanter Geldgeber an: Bereits zuvor hatten die Holding Delfin der Del-Vecchio-Familie (17,6 Prozent) sowie das Benetton-Familienvehikel Edizione (1,45 Prozent) den Plänen von Lovaglio die Gefolgschaft verweigert. Beide Großaktionäre haben signalisiert, das aufgebesserte, rund 30 bis 35 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot von Intesa Sanpaolo zu unterstützen, VWheute berichtete.

Crédit Agricole verweigert Andienung der Banco-BPM-Anteile

Auch von französischer Seite erhielt das Vorhaben der MPS eine Absage: Auf einer Pressekonferenz in Frankfurt erklärte Olivier Gavalda, Vorstandsentscheidender der Crédit Agricole, dass das französische Institut seine Beteiligung von 29,3 Prozent an der Banco BPM keinesfalls an Monte dei Paschi übertragen werde. Die Kaufofferte aus Siena sei schlicht „nicht attraktiv genug“. Ohne die Anteile der Franzosen ist eine erfolgreiche Übernahme der Banco BPM durch MPS de facto unmöglich.

Die Börse reagierte umgehend auf das drohende Scheitern der Abwehrstrategie: Die Aktien von Monte dei Paschi di Siena gaben im Handelsverlauf am Donnerstag um etwa zweieinhalb Prozent nach.

Intesa Sanpaolo kurz vor dem Ziel

Die Entwicklungen spielen Intesa Sanpaolo direkt in die Karten. Italiens Marktführer hatte Anfang Juni sein Milliardenangebot für das Institut aus Siena vorgelegt, die Offerte jedoch an die Bedingung geknüpft, dass die MPS-Aktionäre den Gegenangriff ihres eigenen Vorstands ablehnen. Da die Gruppe der Gegenstimmen um Delfin, Caltagirone und Benetton im Aktionärskreis mittlerweile die kritische Masse erreicht hat, um die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit auf der Hauptversammlung Ende Oktober zu verhindern, gilt ein Sieg von Intesa nun als äußerst wahrscheinlich.

Durch das voraussichtliche Scheitern des MPS-Fusionsplans fällt die dortige Generali-Beteiligung an Intesa Sanpaolo. Für Generali-CEO Philippe Donnet bedeutet dies einen gravierenden Machtverlust, da seine bisherigen Verbündeten wegbrechen. Gleichzeitig gewinnt die Del-Vecchio-Holding Delfin als treibende Kraft hinter dem Intesa-Deal massiv an Einfluss und könnte nun erneut versuchen, den Kurs des Versicherungskonzerns gegen Donnet umzusteuern.

Sollte der Deal wie erwartet über die Bühne gehen, wäre es die bislang größte Transaktion in der Konsolidierungswelle der italienischen Bankenbranche. Ganz von der Bildfläche verschwinden würde die Traditionsmarke Monte dei Paschi jedoch nicht: Um wettbewerbsrechtlichen Hürden zu entgehen, plant Intesa im Falle einer erfolgreichen Übernahme, die Marke MPS, etwa die Hälfte der Bankfilialen sowie Teile der Hauptverwaltung und weiterer Vermögenswerte an den italienischen Versicherungsriesen Unipol weiterzureichen.

Autor: VW-Redaktion