Montagskolumne mit Florian Karle über das Altersvorsorgedepot: „Wir müssen die neue Alternative auch als Konkurrenz der bAV betrachten“
Südvers-Chef Florian Karle (Bildquelle: Südvers)
Mit dem neuen Altersvorsorgedepot ab 2027 wird die private Vorsorge flexibler und chancenreicher, glaubt Südvers-Chef Florian Karle. Das verändert seiner Meinung nach auch die Erwartungshaltung von Arbeitnehmern an betriebliche Benefits. Wie Unternehmen drohende Kannibalisierungseffekte zwischen bAV und privatem Depot vermeiden, steigendem Beratungsbedarf begegnen und die bAV weiterhin als starkes Instrument zur Mitarbeiterbindung nutzen, schreibt Karle in der VWheute-Montagskolumne.
Am deutschen Rentenversicherungsmarkt tut sich endlich was. Denn dass die gesetzliche Rente allein nicht mehr ausreicht, ist längst bekannt. Und auch die Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) stagniert. Wir alle wissen, dass es die drei Säulen der Altersvorsorge braucht. Umso erfreulicher, dass das Bundesfinanzministerium mit dem Altersvorsorgereformgesetz nun bei der privaten Vorsorge aktiv wird. Die Rede ist von der Riester-Rente – die langjährige Standardlösung der privaten Vorsorge – die ab 2027 schrittweise abgelöst und um ein neues Altersvorsorgedepot ergänzt wird. Dieses richtet sich zwar an Privatpersonen und nicht an Unternehmen. Die bAV bleibt aber aus meiner Sicht trotzdem nicht ganz unberührt. Denn die Ansprüche der Arbeitnehmer dürften sich mit dem neuen Modell schrittweise verändern. Als Unternehmen sollten wir uns hier frühzeitig fragen, welche Auswirkungen die Neuerung hat und wie wir hierauf reagieren können.
Zunächst möchte ich aber betonen, dass ich nicht nur das neue Modell ausdrücklich begrüße, sondern auch den pragmatischen Ansatz der legislaturübergreifenden Regierungsarbeit. Denn genau das ist es doch, was wir hierzulande brauchen: Man hat hier gemeinsam für die Sache gearbeitet, nicht für seine politische Partei. Man wollte gemeinsam etwas in Deutschland verbessern, hat sich zusammengetan, die Ärmel hochgekrempelt und umgesetzt. Bravo! Ich glaube, dass wir mit vielen Themen viel weiter wären, wenn wir mehr von diesem Pragmatismus und weniger Idealismus erleben würden. Aber nun zurück zum eigentlichen Thema: Das Vorsorgedepot.
Die staatlich geförderte, private und fondsbasierte Vorsorgeform funktioniert ohne strenge Beitragsgarantien. Der Staat unterstützt sowohl mit direkten Zulagen in das kapitalmarktorientierte Wertpapierdepot als auch mit Steuervorteilen. So gibt es etwa auf die ersten eingezahlten 360 Euro im Jahr satte 50 Prozent Förderung. Während staatlich geförderte Kapitalmarktanlagen für die Altersvorsorge in vielen Ländern längst etabliert sind, schlägt Deutschland mit dem Altersvorsorgedepot nun einen neuen Weg ein. Was aber bedeutet das jetzt für uns als Arbeitgeber?
Die Arbeitgeberförderung der bAV bleibt zum Jahreswechsel im Wesentlichen unverändert. Lediglich die Geringverdienerförderung wird ausgeweitet. Gleichzeitig entstehen ein paar Herausforderungen. Einerseits wird mit den neuen Möglichkeiten der privaten Vorsorge sicherlich der Beratungsbedarf in den Personalabteilungen steigen. Andererseits müssen wir die neue Alternative auch als Konkurrenz der bAV betrachten und schauen, dass die bAV für Mitarbeitende weiterhin attraktiv bleibt. Und das tut sie vor allem, wenn die ggf. überobligatorische Bezuschussung durch das Unternehmen stimmt. Am Ende des Tages ist es aber doch so: Die drei Säulen der Altersvorsorge bleiben auch in Zukunft die Grundlage einer sinnvollen Vorsorge. Wir als Arbeitgeber sollten dafür sorgen, dass Kannibalisierungseffekte ausbleiben. Wir müssen unsere Teams aufklären und in eine bestimmte Richtung beratend begleiten – weg vom Entweder-oder und hin zum Sowohl-als-auch.
Wichtig: Im Vergleich zur Riester-Rente ist das Vorsorgedepot in Teilen eine Abkehr von der Leibrente, die lebenslang und gleichbleibend oder steigend funktioniert. Ab 2027 gibt es aber auch Produkte ohne Garantien und nur mit befristeter Laufzeit in der Leistungsphase (z. B. Auszahlplan bis 85 Jahre). Das kann man schon auch kritisch sehen im Sinne der Sicherung von Langlebigkeit und Verlässlichkeit. Und auf dieses Risiko müssen wir hinweisen. Das gilt zum einen für uns in unserer Beraterrolle mit dem entsprechenden Versicherungs-Know-how gegenüber unseren Kunden. Zum anderen gilt es aber auch für uns als Arbeitgeber gegenüber unseren eigenen Mitarbeitenden. Denn auch für uns ist und bleibt die bAV ein zentrales Instrument für die Mitarbeitergewinnung und -bindung.
Ich finde es gut, dass Deutschland bei der privaten Altersvorsorge etwas mutiger wird. Der bAV und den Unternehmen wäre zu wünschen, dass sie ihren Benefits ebenso viel Strahlkraft verleihen, wie die Versicherungswirtschaft dies in Antizipation des Altersvorsorgedepots tut.
Autor: Florian Karle, Geschäftsführender Gesellschafter SÜDVERS Holding GmbH & Co. KG
