Ruf nach staatlicher Rückversicherung wird lauter
Bildquelle: Gothaer
Staatlich gestützte Rückversicherungsmodelle dürften den Zugang zu Naturkatastrophenversicherungen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika deutlich erweitern, prognostiziert Fitch in einer aktuellen Analyse. Angesichts steigender Klimarisiken und wachsender Belastungen für die privaten Versicherungsmärkte erwartet die Ratingagentur eine zunehmende Zahl staatlicher Programme oder eine Ausweitung bestehender Modelle.
Die Einbindung des Staates erfolgt meist über Garantien oder Auffangmechanismen, die Versicherer vor übergroßen Naturkatastrophen-Schäden absichern. In der Folge bleiben Prämien oft niedriger, da die Risiken breiter verteilt und teilweise subventioniert werden. So bleibt der Zugang zu Versicherungsschutz auch nach schweren Ereignissen gewährleistet. Fitch sieht darin eine zentrale Voraussetzung für die Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit von Naturkatastrophenpolicen.
Durch die Abgabe von Extremrisiken an den Staat müssen Versicherer weniger Eigenkapital für Katastrophenfälle vorhalten. Dies stärkt ihre Flexibilität, eröffnet Spielräume für Neugeschäft und stabilisiert die Märkte nach Großschäden.
Zugleich sinkt das Risiko von Insolvenzen, was das Vertrauen in den Sektor stützt, heißt es. In Europa arbeiten bislang vor allem Frankreich und Spanien mit etablierten Programmen, während andere Länder über mögliche Modelle beraten. Als positives Beispiel nennt Fitch Spanien: Nach massiven Überschwemmungen im Jahr 2024 erwies sich das dortige System als Stabilisator für den Markt.

Ziel ist es, Risiken zu bündeln, die Resilienz der Versicherer zu erhöhen und die wachsende Versicherungslücke zu verkleinern. Zwischen 1981 und 2023 war in der EU lediglich rund ein Viertel der wirtschaftlichen Schäden durch Naturkatastrophen versichert.
Ein solches Modell würde nicht nur den Zugang zu Policen erleichtern, sondern auch staatliche Haushalte entlasten, da unversicherte Schäden seltener direkt aus öffentlichen Mitteln getragen werden müssten, schreibt Fitch. Ergänzend ist ein europäischer Katastrophenfonds für öffentliche Infrastruktur im Gespräch, bei dem Auszahlungen an Risikopräventionsmaßnahmen gekoppelt wären.
Auch im Falle der Einführung eines solchen Modells erwartet Fitch jedoch, dass die Schutzlücke bei Naturkatastrophen bestehen bleibt. Unterschiedliches Risikobewusstsein, Fragen der Bezahlbarkeit und Zweifel am Nutzen bremsen die Nachfrage. Zudem könnten extreme oder kombinierte Ereignisse selbst ausgereifte Systeme überlasten.
Damit bleibe die enge Zusammenarbeit von Regierungen, Versicherern und weiteren Akteuren entscheidend, um den Versicherungsschutz zu verbreitern und langfristig tragfähig zu machen.
Autor: VW-Redaktion
