Hohe Beratungskosten bei der DVAG? – „Aida muss halt finanziert werden“

Quelle: DVAG

Die Strukturvertriebe erfahren regelmäßig Kritik. Selten wird das mit Zahlen unterfüttert. Michael Becker, Geschäftsführer vom WIP Maklerverbund, führt an einem Beispiel „22 Prozent Betakosten und versteckte Gammakosten“ bei der DVAG auf. Was sagt das Unternehmen dazu?

„201.050 Euro Verlust bei einer Laufzeit von 35 Jahren und einem Sparbeitrag von 400 Euro bei einem Prozent effektiv mehr Kosten, gegenüber einem marktgerechten Produkt“, so lautet der erste Satz eines langen Beitrags von Michael Becker, den er auf LinkedIn veröffentlichte.

Konkret schaut er sich die Beratungskosten der fondsgebundenen Rentenversicherung an, nämlich die Alpha-Kosten (Abschlusskosten), Beta-Kosten (beitragsbezogene Kosten) und Gamma-Kosten (Kosten des Versicherers). Er kommt auf folgende Rechnung:

„Ø Alpha: 2,5 Prozent marktüblich
Ø Beta: ca. 22 Prozent je nach Laufzeit und Beitrag (absolut überteuert)
Ø Gamma: keine Kosten“

Er kommentiert: „Damit würde es eigentlich für den Kunden noch akzeptabel sein, auch wenn die Beta Kosten sehr hoch sind, dafür wird ja anscheinend auf die Gamma Kosten verzichtet.
Stimmt das? Naja, jetzt kommt es richtig teuer für den Kunden!“

Michael Becker korrigiert seine Berechnung: „Ø Fondauswahl: Immer DWS und Generali Fonds mit hohen durchschnittlichen 1,4 Prozent bis 1,8 Prozent reinen Fondskosten plus hohe Transaktionskosten von ca. 0,6 bis 0,7 Prozent. Ich habe keinerlei Hinweis auf Rückführung der Kickbacks gefunden. Ø Das heißt wir haben hier mindestens mal ein verstecktes Gamma von 0,6 Prozent, da die Generali bzw. DVAG überall in der höchsten Kickbackstufe sein sollte. Der Berater sowie Kunde, kann den Kosten auch nicht durch einen Fondswechsel entkommen. Tranchen und ETFs stehen nicht zur Verfügung.“

Er führt weiter aus: „Auch alle zusätzlichen Absicherungsmöglichkeiten in der Police bieten keinen Mehrwert, sie machen es nur komplizierter für den Endkunden nachzuvollziehen, was er für was bezahlt!
Der Kunde steht hier katastrophal da. Insgesamt sprechen wir bei einer Laufzeit von 35 Jahren und einem Sparbeitrag von 400 Euro um bei ein Prozent effektiv mehr Kosten über 137.610 Euro Verlust.“

DVAG schweigt zu Beckers Berechnung

Der Beitrag wurde mehrfach geteilt. Die Mehrheit lobt Becker für seine Zahlen und kritisiert die DVAG. „Aida muss halt finanziert werden“, lautet etwa ein Kommentar. Ein anderer schreibt: „Ich hatte schon viele Menschen im Gespräch, die durch schlechte Erfahrungen mit der DVAG eine verheerend schlechte Meinung über unsere Branche hatten. Es hat sehr viele gute Argumente und transparente Gespräche gebraucht, um das Vertrauen wieder aufzubauen. Umso wichtiger ist es, dass seriöse Berater*innen sich nicht verstecken und zeigen, dass es wesentlich besser geht.“

Auch Becker muss einstecken: „Der Großteil der Berater weiß sicherlich, um wen es sich handelt… Ich hätte es jedoch etwas anonymer gemacht“. Becker antwortet: „Alleine am Anteil des Marktes müssen hier schon viele Kunden von dem Laden sein. Ich sehe es nicht mehr ein, dass so gehandelt wird und will aktiv dagegen vorgehen. Das geht leider nur mit namentlicher Nennung. Vielleicht sollte ich meine Wortwahl etwas vorsichtiger wählen.“

VWheute hat bei der DVAG angefragt, ob die Berechnung richtig ist. Das Unternehmen wollte das nicht kommentieren. Auf eine erneute Anfrage erhielt die Redaktion folgende Antwort: „Pauschale Vergleiche sind generell nicht möglich und irreführend, daher äußern wir uns nicht.“

Dafür hat sich aber ein Vermögensberater der DVAG einen Schlagabtausch mit Becker auf LinkedIn geliefert. Dieser wirft Becker einen UWG-Verstoß vor, „weil eine einzelne Gesellschaft (Generali) schlecht geschrieben wird. Ein ehrbarer Kaufmann wirbt für sein Produkt ohne die Produkte anderer Anbieter schlecht zu machen. Würde das einer meiner Vertriebspartner mache, würde ich das unterbinden. Leider gibt es für Sie kein Regulativ neben dem Gesetz.“

Zudem sei es fachlich falsch, „dass immer DWS ausgewählt wird. Hinsichtlich der Rückvergütung schwelgen Sie in Vermutungen“. Becker kontert die Vorwürfe mit einigen Kommentaren und ein Dritter zieht einen Schlussstrich unter die Diskussion mit den Worten: „Als Makler haben wir die Pflicht auf die Schwachstellen solcher Produkte hinzuweisen. Insofern volle Solidarität mit Michael Becker. Die Altersvorsorge-Produkte der Generali halten (und das ist längst bekannt) aufgrund enorm hoher Kosten dem direkten Vergleich mit guten Anbietern nicht stand. Die entsprechende Bestimmung des UWG betrifft gebundene Vermittler, die per se keinen objektiven Vergleich vornehmen können (weil sie eben gebunden sind), nicht jedoch unabhängige Makler.“

Den vollständigen Beitrag von Michael Becker und die Kommentare dazu lesen Sie hier.

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • Hohe Beratungskosten bei Strukki-Vertrieben, deren „Selbständige“ Vertriebler als Versicherungsvertreter agieren, sich aber hochnäsig „Vermögensberater“ schimpfen? Na sowas. Das konnte ja keiner ahnen. Sarkasmus aus

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