Verluste der Wefox Versicherung AG steigen auf über 30 Mio. Euro

Julian Teicke. Quelle: Wefox

Wefox galt lange Zeit als Vorzeige-Start-up in der Versicherungsbranche. Schlagzeilen um einen Stellenabbau oder der Verkaufsstopp von Wechseltarifen im Neugeschäft warfen jedoch tiefe Schatten auf den Unternehmenskosmos von Julian Teicke. Nun legt die Wefox Versicherung AG die aktuellen Bilanzzahlen für 2022 vor.

Wie aus den am Donnerstag vorlegten Solvenz- und Geschäftsberichten hervorgeht, stiegen die Beitragseinnahmen zwar auf 195,9 Mio. Euro. Der Großteil von 127,7 Mio. Euro entfiel demnach auf Kurzabsenz-Policen. Auf die Kfz-Sparte entfiel ein Prämienvolumen von 62,1 Mio. Euro – der Rest auf Hausrat- und Privathaftpflichtversicherungen. Allerdings stiegen gleichzeitig auch die Verluste von 22,4 Mio. auf 32,1 Mio. Euro. Vor allem in Deutschland sind demnach laut aktuellen Berichten die Beitragseinnahmen von 33 Mio. Euro auf 22 Mio. Euro gesunken. Die Schaden-Kostenquoten liegen weiterhin über 100 Prozent.

Allerdings mache das Versicherungsgeschäft nur einen kleinen Teil des Umsatzes der Wefox-Gruppe aus. So entstamme ein Großteil aus Provisionseinnahmen im Maklergeschäft, die 2022 um 89 Prozent auf 587 Mio. Euro gestiegen sind, berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf die jüngsten Solvenz- und Geschäftsberichte.

Zunächst sorgten Anfang des Jahres Berichte über Pläne zum Stellenabbau von „weniger als zehn Prozent“ der Arbeitsplätze für schlechte Stimmung, später kam der Tarifmotor ins Stottern. Wie das Versicherungsjournal unter Berufung auf ein Schreiben des Insurtechs berichtet, wollen die Berliner zum 1. April das Neugeschäft in allen Kfz-Tarifen sowie in den Switch-Tarifen der Hausrat- und Haftpflichtversicherung einstellen. Zudem verfolge Wefox das Ziel, sein Sonderkündigungsrecht nach Regulierung eines Kfz-Schadens im laufenden Versicherungsjahr anzuwenden. Inflation und gestiegene Aufwendungen im Schadenbereich zwingen junge Player wie Wefox in die Knie.

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • Jörg Bronowski

    Die Tatsache bleibt für immer bestehen: Die Marge oder Overhead ist zu gering, der Gesetzgeber schreibt eine Marge von 2,5 % der Bruttobeitragssumme für SBU, LV oder FLV, mit 5 Jahren Gesamthaftungszeit vor.

    In Sach- und Kfz-Bereich werden zwar jährlich 25 % der Nettobeitragssumme als Courtage vorgesehen. Was beim Gesamtbruttoumsatz von je 1.000 €, 1.000 mal 19 % durch 119 % ergibt 159,66 € MwSt.
    Der Nettoumsatz beträgt damit 840,34 € davon sind 25 % Courtage 210,08 € deren Haftungszeitrum beträgt 1/12 monatlich, ganze 17,51 € sind ins Verdienen gebracht worden.

    Der Einbruch kommt, wenn der Kunde einen erhöhten Beratungsbedarf hat. wie bei einem Schaden. Dann dürfen Sie für dieses Geld die Abwicklung des Schadens vornehmen. Bei nur 10 Std. Abwicklung verdienen sie dann, ganze 1,75 € die Std.
    Man erkennt sehr schnell, wie hoch der Bestand sein muss. um nicht Hatz IV Empfänger zu werden.

    Und dazwischen sollen noch die Kosten eines Pools zusätzlich gedeckt werden können? Ohne die Masse an Geschäft nicht machbar. Und die Gefahr besteht, das trotz hinzugewinn von Masse an Versicherungen, nicht die Kostenquote unter 100 % fällt, sondern eher ansteigt.

    Leider begreifen die meisten Geldgeber nicht, dass es in Versicherungsbereich keine skalierten Effekte gibt. Siebe ich als Makler und habe dann nur gute Kfz Kunden, bröckelt letztlich meine Courtagen. Und mein Kundenstamm schrumpft.

    Daraus abgeleitet erklärt sich der betriebliche Aufwand eines Pools. Denn wenn aus billig, zu billig wird, ist das Ende letztlich unausweichlich, für den Makler und oder Pool.

    Zum Thema laufende Beiträge aus Altversicherungen
    Diese gehören den Vertriebler, sprich Makler und hübschen nur die Bilanz des Pools auf. Eine geringere Bestandscourtage für den Makler als die anderen Pools. Kann sich kein Pool leisten, da der Wettbewerb untereinander unerbittlich ist!

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