Miese Stimmung bei Wefox

Julian Teicke. Quelle: Wefox

Lange Zeit galt Wefox als Vorreiter in der Insurtech-Szene. Nun baut das Unternehmen Stellen ab. Ein Rückschlag für das Team um CEO Julian Teicke, der in der Vergangenheit immer wieder mit flotten Sprüchen für Aufsehen sorgte. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung geht es um „weniger als zehn Prozent“ der Arbeitsplätze. Aktuell beschäftigen die Berliner rund 1.400 Mitarbeiter.

Auf VWheute-Anfrage dementiert ein Wefox-Sprecher, dass man Hunderte von Jobs streichen würde. Weiter wollte sich das Unternehmen nicht äußern. Bislang hat das Insurtech rund 1,33 Mrd. US-Dollar (etwa 1,21 Mrd. Euro) eingesammelt. Allein in seiner jüngsten Finanzierungsrunde holte Wefox rund 400 Mio. US-Dollar ab. Zu den Investoren gehörte dabei auch der Staatsfonds des Emirats Abu Dhabi, Mubadala Investment Company.

Das Problem: Laut SZ rechnet Mitgründer Teicke damit, dass die ersten Umsätze aus der Versicherungsplattform wohl erst 2024 oder 2025 zu erwarten seien. Hinzu komme, dass Wefox laut Bericht noch weit von einem Börsengang entfernt sei. „Deshalb sind die Wefox-Gründer unter Druck, bessere Zahlen zu liefern. Aus diesem Grund haben sie das Ziel ausgegeben, schon Ende 2023 die Gewinnzone zu erreichen“, heißt es weiter.

Derzeit bestehe die Unternehmensgruppe im Kern aus dem Versicherer Wefox Insurance in Liechtenstein, der 2021 bei einem Umsatz von 50 Mio. Euro einen Verlust von 22 Mio. Euro erzielte. Hinzu kommen „Vertriebsorganisationen, einschließlich teuer zugekaufter Makler“. So hatte Wefox unter anderem den italienischen Vermittler Mansutti und den niederländischen Vermittler TAF aufgekauft. Von Neuerungen sei laut SZ allerdings „wenig zu sehen: Wefox hat sehr traditionelle Vertriebsorganisationen übernommen und lebt von den Provisionen, die traditionelle Versicherer an sie überweisen.“ Bereits vor zwei Wochen sprach das Magazin Capital mit ehemaligen Wefox-Managern: Dort hieß es: „Im Kern macht Wefox nichts anderes als die anderen Versicherungen.“ Man kaufe nur Firmen auf und diese seien nicht mal miteinander verzahnt. Außerdem verschenkte Wefox quasi seine Produkte, um die Firma aufzublasen, VWheute berichtete.

Die Ziele Teickes sind dennoch ehrgeizig: Das Unternehmen wolle seine Bewertung auf etwa fünf bis sechs Mrd. US-Dollar steigern. Wefox selbst kommentierte die aktuellen Entwicklungen nicht. Die offensive Ausrichtung könnte CEO Teicke nun um die Ohren fliegen. Im Herbst letzten Jahres gab sich der Manager in einem CNBC zuversichtlich, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis man die Nummer eins sei. Man setzte sich das Ziel, den Umsatz jährlich zu verdoppeln.

Zudem kritisierte Teicke damals, dass etablierte Versicherer auf Altbeständen aufbauen, während man selbst aufgrund der Technologie einen „unfairen Vorteil“ gegenüber traditionellen Marktteilnehmern hätte. Wefox benötige nach eigenen Angaben etwa nur zwölf bis 18 Monate, um neue Produkte auf einem Markt einzuführen.

Inzwischen ist von einer Umsatzverdopplung nicht mehr die Rede. „Wir investieren nur noch in Produkte, die im ersten Jahr profitabel werden können.“ Man müsse im Kundenservice und der Schadenbearbeitung effizienter werden. Das klang im vergangenen Jahr noch anders: Expansion stand über allem, denn seiner Meinung machen große Versicherer den Fehler, dass sie nicht primär auf Wachstum, sondern auf Profitabilität setzen.

Autor: VW-Redaktion

Ein Kommentar

  • Jörg Bronowski

    Ja, ja immer die himmlischen Ziele! Mehr Umsatz gleich mehr Gewinn! Nur dies stimmt hier in D nicht mehr.

    Denn es gilt Stornohaftung, gehe ich von den Zahlen (Umsatz 50 Mio. € und Verlust 22 Mio. €) aus, ergibt sich eine nicht vorgeschriebenen Kostenquote. Demnach wird eine 8-jährige Haftungszeit, wegen der 40 Promill-Auszahlungen eher die Regel sein.
    Diese sind wie gesetzlich vorgeschrieben wie folgt ins Verdienen gebracht, die ersten 25 Promill-Auszahlungen werden nachschüssig mit 1/60 ins Verdienen gebracht.

    Damit muss der Umsatz von 50 Mio. €, 1-mal in 25 und 3 mal 5 Promille zerteilt werden. Das sind 8 Teile, 50 Mio. € durch 8 Teile ergibt 6,25 Mio. € je Anteil, damit 5 Anteile ergibt 31,25 Mio. €.
    31,25 Mio. € werden durch 60 Monate geteilt, was weniger als 520.833 € einbringt.

    Die ersten 12 Anteile zu je 6,25 Mio. €, aus dem zweiten Teil mit den 15 Promille
    Die restlichen 17,75 Mio. € verbleiben bis zum 61. Monat zu 100 % in Haftung.

    Er folglich sind in den ersten 8 Jahren mit 400 Mio. € Gesamtumsatz zurechnen. Was nach den gesetzlichen Auflagen eine Verschuldung bei einer Durchschnittsbasis von 4 Jahren folgendes bedeutet.

    Auf Basis der 4 Jahren und 200 Mio. € Umsatz verbleiben danach, 100.520.770 € verdient über, und 99,4790.230 € als offene Schulden in der Bilanz dauerhaft stehen.
    Deren Gegenposition in der Bilanz stehen allenfalls nur die 10 % Stornoreserven, die 20 Mio. € gegenüber. Aber auch die Stornoreserven gehören zum ausgeschiedenen Vermittler.
    Demnach sind Vertriebstruppen in allen Finanzbereiche immer eher zu einer Aktionärsvermögensverbrennungsanlage denn Vermögensvermehrung.
    Denn auch die Sonderstellung als unechter Selbstständiger „Prüfung der Rentenversicherungspflicht
    Nach § 2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI unterliegen selbständig tätige Personen, die im Zusammenhang mit ihrer selbständigen Tätigkeit regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen und auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind, der Rentenversicherungspflicht (Selbständige mit nur einem Auftraggeber).“
    Damit wird wefox zum Durchlauferhitzer wie die ehemaligen DVAG, alle drei Jahre alle Vermittler verbrannt!
    Damit verstanden wird, die Schulden bündelt Wefox ja nur, denn diese sind durch das Einreichen von Geschäft ja den einzelnen Vermittler zuzuordnen.
    Reicht ein Vermittler nur für 100.000 € Geschäft jährlich ein, so sind nach 8 Jahren durchschnittlich addierend mit 398.000 € Schulden bei der wefox verschuldet! Nahe zu einer 400 % Verschuldung vom Jahresumsatz.
    Es ist fraglich: „Ob dieser Vermittler immer noch kreditwürdig ist, wenn die so hoch verschuldet ist!“ Insbesondere, wenn dieser nachträglich in die Rentenpflicht rutsch.
    Und ob wefox die Schulden nach der Insolvenz des Vermittlers je wiedersieht! Nun ja, viele Vertriebe schauten mit dem Ofenrohr als Fernrohr dem Geld nimmermehr hinterher.

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