Klima-Ranking der Versicherer: Allianz und Axa sind grüner als Rückversicherer

Bereits 2020 und 2021 gab es mehrere Klima-Proteste vor der Zentrale in London (Bildquelle: Insure Our Future / flickr).

Die jährlich erscheinende „Scorecard“ von Insure Our Future bewertet die 30 weltweit führenden Versicherer im Bereich fossiler Energien nach der Qualität ihrer entsprechenden Richtlinien. Allianz, Axa und Axis Capital schneiden mit ihren jeweiligen Kohlerichtlinien am besten ab, während Aviva, Hannover Re und Munich Re bei den Ausschlüssen von Öl und Gas führen.

Nach Beschränkungen im Kohlebereich geben sich Versicherungsunternehmen zunehmend Ausschlüsse bei Öl und Gas. Das zeigen neue Analysen des Kampagnennetzwerks „Insure Our Future“, zu dem die deutsche Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald gehört. Mit Blick auf die in Kürze stattfindende UN-Klimakonferenz COP27 fordert die Organisation, dass Versicherer nun Expansion im fossilen Bereich endlich kategorisch ausschließen. Zudem sollen sie ihre Netto-Null-Verpflichtungen effektiv einhalten.

Das Netzwerk erstellt jedes Jahr ein Klimaranking in zwei Kategorien, nach Underwriting und Investment Dabei belegt die Allianz im Gesamtranking Platz eins mit einem Score von 5,3 von zehn Punkten. Beim Ausschluss von Kohle erhält der Münchener Versicherer neun von zehn Punkten und teilt sich damit den ersten Rang mit der französischen Axa. Bei Öl und Gas liegt der Score nur bei 2.9 von 10, aber hier sind die Ausschlüsse im Underwriting noch wenig etabliert, deshalb reicht es für den 4. Platz im weltweiten Ranking.

Scoringliste (Bildquelle: Insur Our Future)

Dahinter folgen die Axa, die britische Aviva und der erste Rückversicherer mit der Swiss Re. Die deutschen Rückversicherer Munich Re und Hannover Rück schaffen es immerhin in die Top Ten.

Am Ende der fossilen Versicherungsrangliste steht eine Gruppe von Versicherern, die sich noch keine Beschränkungen für die Deckung von Kohle-, Öl- oder Gasprojekten auferlegt haben, darunter die US-Versicherer Berkshire Hathaway und Starr sowie Everest Re von den Bermudas. Lloyd’s of London aus Großbritannien schneidet ebenfalls sehr schlecht ab, weil der Versicherungsmarkt seine im Jahr 2020 veröffentlichte Kohlerichtlinie im Nachhinein für nicht bindend erklärt hatte.

Zum Zeitpunkt der letztjährigen COP26 im schottischen Glasgow hatten nur Suncorp, Generali und Axa Beschränkungen für die Versicherung konventioneller Öl- und Gasprojekte eingeführt. Seitdem haben Allianz, Aviva, Fidelis, Hannover Re, KBC, Mapfre, Munich Re, SCOR, Swiss Re und Zurich nachgezogen. Damit ist die Gesamtzahl umfassender Öl- und Gasrichtlinien auf 13 gestiegen. Infolgedessen ist der Marktanteil der Rückversicherer mit Öl- und Gasbeschränkungen von 3% auf 38% gestiegen und bei Erstversicherern von 5% auf 15%. Zudem: 18 (Rück-)Versicherer haben sich bisher öffentlich gegen eine Unterstützung für die kanadische Trans-Mountain-Pipeline ausgesprochen; im Fall der East African Crude Oil Pipeline (EACOP) sind es 16.

Regine Richter, Versicherungs-Kampaignerin bei urgewald: „Es ist ein wichtiges Signal, dass sich Versicherer auf den Weg machen, Öl und Gas auszuschließen. Aber gerade im Gasbereich und dort, wo es um Versicherung von Unternehmen, sprich über Projekte hinaus geht, müssen auch die fortschrittlichen Versicherer noch nachbessern, wenn sie eine positive Rolle beim Klimaschutz spielen wollen.“

Kohle ist außerhalb Chinas fast unversicherbar geworden. Die Zahl der Kohlerichtlinien in der globalen Versicherungsbranche ist im vergangenen Jahr von 35 auf 41 gestiegen, wobei sich die großen US-Versicherer AIG und Travelers schließlich dem Druck von Investoren und Zivilgesellschaft gebeugt haben. Der Marktanteil der Versicherer mit Kohleausschlüssen hat nunmehr 62% in der Rückversicherung und 39% in der Erstversicherung erreicht.

Autor: VW-Redaktion

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