Prudential lässt CEO Mike Wells gehen und will Chefposition in Asien ansiedeln

Mike Wells, Group Chief Executive von Prudential Plc, wird das Unternehmen Ende März verlassen. (Quelle: picture alliance / Photoshot | -)

Der nächste Vorstandsvorsitzende von Prudential wird zum ersten Mal in Asien tätig sein, nachdem Mike Wells nach sieben Jahren an der Spitze des größten börsennotierten Versicherungsunternehmens Großbritanniens Ende März 2022 zurücktreten wird. Warum gerade Asien und wer sind die Kandidaten für den CEO-Posten?

„Jetzt ist die richtige Zeit für mich gekommen, an ein Team mit Sitz in Asien zu übergeben, um die Gesellschaft voranzubringen“, sagte Wells zum Abschied. Er hat seine Karriere beim US-Broker Dean Witter begonnen. 1995 kam er zu Prudential. Im Jahr 2015 wurde er Vorstandschef der Gruppe. Unter seiner Führung hat sich Prudential 2018 aufgespalten, einerseits in das britische Geschäft M&G Prudential, andererseits in das Prudential plc, das den Fokus auf Asien, die USA und Afrika setzte. Im September 2021 wurde auch das US-Geschäft abgestoßen.

Die Asien-Zentrale von Prudential befindet sich derzeit in Hongkong, obwohl die Gruppe ihren Sitz in London hat. Während Wells‘ Amtszeit machte der US-Investor Third Point zunehmend Druck, Asien in den Fokus von Prudential zu nehmen. Die Entscheidung, den Vorstandsvorsitzenden und den Finanzdirektor in Asien anzusiedeln, wird die meisten der verbleibenden Verbindungen der Gruppe zum Vereinigten Königreich, wo sie 1848 gegründet wurde, kappen. In Indien beispielsweise gehört ICICI Prudential sowohl unter den Lebensversicherern als auch unter den Vermögensverwaltern zu den Top-Drei.

Asienchef ist Topfavorit auf den CEO-Posten

Der Versicherer, der Kranken- und Lebenpolicen anbietet, zieht sowohl interne als auch externe Kandidaten für die Position in Betracht. Bis Wells‘ Nachfolge geregelt ist, wird Finanzchef Mark FitzPatrick die Geschäfte führen. Er ist seit 2017 Group CFO der Gesellschaft und war zuvor rund 25 Jahre für die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte tätig. Er habe darum gebeten, nicht für den CEO-Posten in Betracht gezogen zu werden, teilte das Unternehmen mit. James Turner, der derzeit Chief Risk and Compliance Officer ist, wird FitzPatrick als CFO ersetzen.

Nic Nicandrou, ein ehemaliger Finanzdirektor von Prudential, der das Asiengeschäft leitet und bereits in Hongkong ansässig ist, ist einer der wichtigsten Kandidaten für die CEO-Stelle. „Aus unseren Gesprächen mit Investoren geht klar hervor, dass das Fehlen eines in Asien ansässigen und fokussierten Managementteams die Aktie belastet hat, insbesondere wenn man Prudential mit wichtigen asiatischen Wettbewerbern vergleicht“, sagten Analysten von JPMorgan in einer Mitteilung. Das Unternehmen hat in letzter Zeit die Vertretung Asiens sowohl in der Aktionärsbasis als auch im Vorstand verstärkt. Im Oktober letzten Jahres nahm das Unternehmen 2,4 Mrd. US-Dollar durch eine Kapitalerhöhung in Asien auf. Im Mai wurden drei asiatische Führungskräfte, darunter die Bankerin Jeanette Wong und Ming Lu, der Leiter des Asien-Pazifik-Geschäfts von KKR, in den Vorstand berufen.

Ob der zukünftige CEO überhaupt in Hongkong arbeiten wird, scheint nicht klar zu sein. Die Ambitionen des Unternehmens in China, wo es über ein schnell wachsendes Geschäft verfügt, könnten ebenfalls Einfluss auf die Entscheidung haben, wo der neue CEO seinen Sitz haben wird. Der Geschäftsverkehr von und nach Hongkong ist durch die Pandemie stark beeinträchtigt worden. Dies hat sich auf das Versicherungsgeschäft von Prudential ausgewirkt, das traditionell von Hongkong aus Kunden auf dem chinesischen Festland sowie einheimische Kunden betreut.

Autor: VW-Redaktion

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