MSK: „Circa 66 Prozent der betrachteten VU in Österreich haben an SCR-Bedeckung verloren“

Die SCR-Bedeckung der österreichischen Versicherungsunternehmen sinkt. Bild von Chickenonline auf Pixabay.

Am österreichischen Versicherungsmarkt lässt sich weiterhin ein Wachstum erkennen. Allerdings büßen circa 66 Prozent der Unternehmen büßen an SCR-Bedeckung ein, wie eine Untersuchung der aktuariellen Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) zeigt.

Nachdem die Bruttoprämien von 2017 auf 2018 um 2,1 Prozent gestiegen sind, konnte von 2018 auf 2019 wieder ein Prämienwachstum von 1,6 Prozent generiert werden. Abweichend dazu verhält sich die Entwicklung der durchschnittlichen SCR-Bedeckungsquote der in Österreich konzessionierten Versicherungsunternehmen. Dabei konnte im Vorjahr noch eine Erhöhung der SCR-Bedeckungsquote von 2017 auf 2018 beobachtet werden. „Ein starker durchschnittlicher Anstieg des Risikokapitals sorgt für einen Rückgang der Marktbedeckung von 269 Prozent auf 249 Prozent „, erläutert Maxym Shyian, leitender Berater und Projektleiter der Studie bei Meyerthole Siems Kohlruss (MSK).

„Insgesamt haben ca. 66 Prozent der betrachteten Versicherungsunternehmen an SCR-Bedeckung verloren“, erklärt Timo Schumm, aktuarieller Berater bei MSK und Teilprojektleiter der Studie. Davon haben über 33 Prozent der Unternehmen sogar einen Rückgang um mehr als 25 Prozentpunkte in der SCR-Bedeckung zu verzeichnen. Der Hauptgrund dafür ist die Marktentwicklung bzw. die weitere Absenkung des Zinsniveaus, die vor allem Lebensversicherer belastet. „Durch das rückläufige Zinsniveau reduziert sich die Verlustausgleichsfähigkeit der Gewinnbeteiligungen. Diese wirkt in der Standardformel grundsätzlich risikoreduzierend. Durch die Verringerung der Verlustausgleichsfähigkeit steigt das SCR gegenüber dem Vorjahr an, obwohl das Basis-SCR auf ähnlichem Niveau verbleibt“, führt Timo Schumm weiter aus.

Neben dem Anstieg des Risikokapitals trägt die Entwicklung der Eigenmittel zum Rückgang der durchschnittlichen SCR-Bedeckungsquote bei. Auf Gesamtebene konnten die Eigenmittel im Vergleich zu 2018 nur um 552.000 Euro erhöht werden. „Insbesondere war bei einigen Unternehmen ein Rückgang der Eigenmittel zu beobachten“, ergänzt Shyian. Unter anderem ist ein Grund hierfür ebenfalls die Absenkung des Zinsniveaus, die eine Erhöhung des „Best Estimate“ als Teil der versicherungstechnischen Rückstellungen zur Folge hat. Die damit resultierende Reduktion der stillen Reserven kann nicht mehr den Eigenmitteln der Gesellschaften zugerechnet werden.

Großer Einfluss der Allianz

Die stärkste Reduktion ist bei den reinen Schaden-/Unfallversicherern zu beobachten. Bei dieser Gruppe reduziert sich die SCR-Bedeckung um 66 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr und erreicht eine durchschnittliche Bedeckung von 242 Prozent. Grund dafür ist ein Marktführer, Allianz Elementar Versicherungs-AG, der eine Anpassung an seinem internen Modell durchgeführt hat, wodurch das Marktrisiko und der Zuschlag aus interner Modellierung deutlich angestiegen sind. Würde man die Allianz Elementar Versicherungs-AG, die einen Bedeckungsrückgang von 140 Prozentpunkten zu verzeichnen hat, aus der Analyse herausnehmen, so wäre die Veränderung der SCR-Bedeckungsquote der Schaden-/Unfallversicherern bei lediglich einem Prozent-Punkt.

Die Allianz hat die Berechnung der Solvenzkapitalanforderung auf ein neues Modell umgestellt und berechnet seither nicht mehr die Sachversicherungen nur mit einem Beteiligungsansatz für die Lebensversicherung, sondern in der Modellierung wird das gesamte Solvenzkapitalerfordernis der Lebensversicherung mit berücksichtigt, erklärt das Unternehmen. Im SFCR-Bericht des Unternehmens ist zu lesen: „Insbesondere für die Beteiligung der Allianz Elementar Versicherungs-Aktiengesellschaft an der Allianz Elementar Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft ergibt sich dadurch ein deutlich höheres Solvenzkapitalerfordernis in der Risikokategorie Marktrisiko und ein zusätzlicher Kapitalaufschlag für diese Beteiligung.“

Weiterer Rückgang der Eigenmittel?

Bei den „Allroundern“, Unternehmen, die sowohl die Lebens- als auch die Schaden-/ Unfallversicherungen betreiben, und den reinen Lebensversicherern sinkt die durchschnittliche SCR-Bedeckung mit 16 bzw. 22 Prozentpunkten ähnlich wie die Bedeckungsquote des Gesamtmarktes. Diese beiden Gruppen bilden entsprechend den größten Anteil am Markt und sorgen für die Höhe der durchschnittlichen Veränderung der SCR-Bedeckung.

Aufgrund der Entwicklung der Finanzmärkte und des Zinsniveaus durch COVID-19 ist Ende 2020 von einem Rückgang der Eigenmittel und damit einer weiteren Reduktion der Bedeckung auszugehen. Dieser Effekt ist bereits zum 30.06.2020 zu beobachten wie einem FMA-Bericht zum 2. Quartal 2020 zu entnehmen ist. So liegt die durchschnittliche SCR-Bedeckung, gemessen am Median, zum 2. Quartal 2020 bereits bei 199 Prozent.

Das weiter sinkende Zinsniveau und die COVID-19 Pandemie stellen im Jahr 2020 eine Belastung für die Versicherer dar. Gleichzeitig bieten diese Herausforderungen für die Unternehmen Chancen die Kapitalanlagestrategie, die Geschäftsmodelle und die Produkte zu überarbeiten.

Zur Untersuchung: Grundlage für die von MSK durchgeführte Analyse bilden die SFCR-Berichte der 33 von der österreichischen Aufsicht FMA gelisteten Versicherungsunternehmen. Die betrachteten Unternehmen repräsentieren gemeinsam ein Volumen von 17,7 Mrd. Euro an verdienten Bruttoprämien.

Anmerkung der Redaktion: Die ursprünglichen Überschrift des Textes suggerierte, dass die Allianz Österreich ein maßgeblicher Grund für den im Artikel beschrieben Rückgang darstellt. Sie wurde geändert. Ebenso wurde ein Passus eingefügt, der die Berechnung der Solvenzkapitalanforderung des Unternehmens erläutert. 9. Oktober 2020.

Autor: VW-Redaktion

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