Ping An wird Europas Spitzenversicherern gefährlich

Ping An Finance Center - Group Headquarters, Quelle: Ping An

Ping An zählt weltweit zu den wertvollsten Versicherern. Das chinesische Unternehmen hat etwas geschafft, was Konzerne wie Allianz oder Axa noch auf der Strategieagenda haben. Es hat funktionierende Ökosysteme aufgebaut, die weit über das eigentliche Geschäft hinausgehen. Mit seinen Gesundheitsangeboten will der Versicherer mitten in der Coronakrise noch einmal einen Gang hochschalten.

Das Erfolgsrezept: Ping An hat sein komplettes Bestandsgeschäft auf cloud-basierte Plattformen überführt. Jede dieser Plattformen bietet dem Konzern vielfältige Anknüpfungspunkte, um gerade auch solche Ökosysteme aufzubauen, die weit über das eigentliche Versicherungsgeschäft hinausgehen. Daraus resultiert die Möglichkeit, bestehende Wertschöpfungsketten zu erweitern, praktisch immer.

Im Gesundheitssektor etwa betreibt der Konzern ein ganzes Netzwerk von Plattformen, mit denen es die unterschiedlichen Akteure unmittelbar bei ihren wichtigsten Informations- und Interaktionsbedürfnissen abholt und Angebote platziert. Im Zentrum steht Ping Ans Good Doctor. Mit rund 250 Millionen registrierten Nutzern die größte Telemedizin-Plattform weltweit.

Alles, was Gesundheit zu bieten hat

Die Gesundheitsplattform deckt den gesamten Bereich von Vorsorge über Versicherungen bis zu Terminvereinbarungen mit Ärzten und Medikamentenversand ab. In den ersten Tagen der Coronakrise in China soll sich die Nachfrage nach der App verzehnfacht haben. Für Jessica Tan, Co-Chefin Ping An, sei es gegenwärtig beeindruckend zu sehen, welchen Einfluss digitale Technologien auf Verbesserung der Effizienz von Gesundheitssystemen haben können. Ein Zeichen dafür, dass man sich mit Produkten und Angeboten auf dem richtigen Weg befinde.

Ping An Healthcare bietet inzwischen ein Programm an, das im Fall einer Epidemie die Kontrollanrufe durch menschliches Personal ersetzen kann. Bürger werden automatisch befragt, die Auswertung erfolgt ebenfalls automatisiert. Laut Tan unterstütze man mit seinen Technologien zudem ganze Städte dabei, Gefahrenherde von Corona sowie Infektionsgefahren abzubilden und Risiken vorzubeugen. Man gebe dem Kunden einen digitalen Zugang, um den Überblick zu behalten. Viele würden verstärkt Online-Sprechstunden wahrnehmen, was ohne Corona wohl Jahre gedauert hätte.

Ping An wurde 1988 gegründet und ist seitdem zum wertvollsten Versicherungskonzern der Welt aufgestiegen. Im wichtigen Absatzmarkt China versichert der Konzern jeden siebten Chinesen. Das Unternehmen teilt sich in die drei Bereiche Versicherungen, Banking und Investment auf. Der größte Umsatz wird im Versicherungsbereich erwirtschaftet. Durch die weiteren angebotenen Leistungen kann Ping An seinen Kunden eine ganzheitliche Palette an Finanzdienstleistungen bieten, wo die Konkurrenz in der Regel auf Kooperationen angewiesen ist.

IT-Entwickler statt Sachbearbeiter

Laut einer Studie von Oliver Wyman geht die größte Gefahr für Banken und Versicherer gehe von digitalen Plattformen aus, die als zentraler Anlaufpunkt für Endverbraucher alle Finanz- und Versicherungsangebote bündeln.

Wohl auch deshalb sehen Manager wie Axa-Deutschlandchef Alexander Vollert oder Allianz-CEO Oliver Bäte in der Strategie von Ping An ein Zukunftsmodell. Wichtiger Faktor: Ping Ans rund 20.000 IT-Entwickler sind als Herz des Unternehmens. Sie haben es dahin gebracht, wo es nun steht.

Autor: VW-Redaktion

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