Softbank riskiert Börsengang mit US-Onlineversicherer Lemonade

Quelle: Lernestorod / Pixabay

Der japanische Investment-Riese Softbank steckt viel Geld in junge Start-ups. Nicht immer geht die Wette auf die Zukunft gut aus. Mit dem Bürovermieter Wework verzockte man sich um Milliarden. Nun unterstützt man die Pläne des US-Direktversicherers Lemonade, mit einem Börsengang an der New York Stock Exchange Millionen einzusammeln.

Hinter Lemonade stehen die Techveteranen Daniel Schreiber und Shai Wininger. Schreiber hat jahrelang in führender Position beim Speicherriesen Sandisk gearbeitet, Wininger hingegen schon mehrere Firmen gegründet, darunter das börsennotierte Kreativportal Fiverr. Lemonade gilt als hochtechnisiert und nutztbeispielsweise Artificial Intelligence (AI) und Chatbots, um passgenaue Angebote für seine Kunden zu schneidern. 

Anders als typische Versicherungskonzerne trennt Lemonade strikt zwischen Vertrieb und Risikoträger. So fließen maximal 20 Prozent der vereinnahmten Prämien in Gehälter, Rückversicherung und Geschäftsbetrieb. Der Rest wird für Schadenszahlungen genutzt. Da Lemonade ausschließlich auf den Onlinevertrieb setzt, Chatbots den Kunden passende Policen vorschlagen und Algorithmen die Betrugsprüfung im Reklamationsfall übernehmen, kann das Unternehmen kostenarm wirtschaften. Fällige Schäden sollen so in wenigen Minuten beglichen werden. Dazu hat sich Lemonade verpflichtet, erzielte Überschüsse an soziale Einrichtungen zu spenden.

Seit 2016 ist das Insurtech in den USA aktiv, nach drei Jahren hatte 500.000 Policen verkauft. 2019 hatte das Unternehmen einen Umsatz von 68 Mio. Dollar erwirtschaftet und einen Verlust von 108 Mio. Dollar ausgewiesen. Seit vergangenem Jahr ist Lemonade ist Lemonade in Europa aktiv. Dafür holte man sich die Axa an Bord, die einen mehrjährigen Rückversicherungsvertrag zur Verfügung stellt, der das Risiko abfedert.

Verzockt sich Softbank auch bei Lemonade?

Seit gestern ist bekannt, dass Lemonade einen IPO-Antrag an der New York Stock Exchange gestellt hat. Über die Anzahl der Aktien oder der Preis der Papiere ist noch nichts bekannt. Insgesamt hat Lemonade von Investoren (darunter Google oder Allianz) 400 Mio. Dollar eingesammelt. 2019 ist auch Softbanks Vision Fund, der 100 Mrd. Dollar verwaltet, bei Lemonade eingestiegen. Seitdem ist das Insurtech zwei Mrd. Dollar wert. Früher galt: Wer Geld von Softbank erhielt, für den war das ein Ritterschlag: Von jetzt auf gleich gehörten die Unternehmen zur weltweiten Startup-Elite. Seit 2018 gibt es Gerüchte, dass die Japaner auch beim Berliner Start-up Wefox einsteigen werden.

Doch Softbank hat sich mit vielen seiner Investments verzockt. Die gehypte Satellitenfirma OneWeb musste vor Kurzem Insolvenz anmelden. Die Wertberichtigungen im Zusammenhang mit dem amerikanischen Büroraumvermieter wurden auf umgerechnet sechs Mrd. Euro beziffert. In der revidierten Vorausschau auf das Ergebnis des im März beendeten Geschäftsjahres erwartet Softbank nun einen Verlust von 7,75 Mrd. Euro – das sind zwei Mrd. Euro mehr als noch vor drei Wochen. Auch bei Tiktok ist man engagiert, man bereitet ein IPO vor. Ob die Bewertung der Kurzvideoplattform jedoch 75 Mrd. Dollar entspricht, ist mehr als fraglich.

Autor: VW-Redaktion

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