Ex-Audi-Chef Stadler muss sich wegen Betruges verantworten

Quelle: Hermann Traub auf Pixabay

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Automobilkonzerns Audi, Rupert Stadler, muss sich gemeinsam mit dem früheren Motorenchef Wolfgang Hatz, dem ehemaligen Dieseltechnik-Teamleiter Giovanni Pamio und einem weiteren Mitarbeiter wegen Betrugs, mittelbarer Falschbeurkundung und strafbarer Werbung vor dem Landgericht München verantworten. Laut Anklage geht es um einen Schaden von 3,3 Mrd. Euro.

So wirft die Staatsanwaltschaft München II den Ex-Managern vor, Motoren für Fahrzeuge der Marken Audi, VW und Porsche entwickelt zu haben, deren Steuerung mit einer unzulässigen Softwarefunktion ausgestattet gewesen sei. 

Das als illegale Abschalteinrichtung eingestufte Programm für die Abgasreinigung in Dieselmotoren habe dafür gesorgt, dass die Autos bei Tests der Behörden die Abgasgrenzwerte einhielten, auf der Straße aber weitgehend nicht, so das Handelsblatt.

Der Verhandlungsbeginn im erste Strafprozess zum Abgasskandal gegen die Topmanager soll laut Bericht für den 30. September 2020 vorgesehen sein. Demnach sind zum 20. Dezember 2022 insgesamt 176 Verhandlungstermine angesetzt.

“Der Fall Stadler zeigt, dass auch für oft als unantastbar wahrgenommene Top-Manager kein Freifahrtschein gilt. Wem vorgeworfen wird, zigtausende Verbraucher getäuscht und die Umwelt gefährdet zu haben, der wird sich schon wegen des großen öffentlichen Interesses seiner Verantwortung nicht entziehen können”, betonte Franz Held, Rechtsanwalt und Mitglied der Geschäftsleitung beim Kölner D&O-Versicherer VOV, bereits 2019 im Interview mit VWheute.

Dabei würden D&O-Versicherungen keine Strafrechtsschutzdeckungen darstellen: “Wenn aber aufgrund der Abgasmanipulationen zivilrechtlich gegen Herrn Stadler vorgegangen wird, zahlt die D&O nicht nur die Abwehrkosten, sondern üblicherweise auch die Kosten eines Strafverteidigers für ein damit zusammenhängendes Strafverfahren. Wer wissentlich gehandelt hat, muss diese Kosten häufig erstatten.”

“Wenn eine renommierte Staatsanwaltschaft wie München II bereit ist, Anklage zu erheben, dann dürften die gesammelten Beweise schon ein sehr klares Bild ergeben. Beschuldigte müssen sich nicht selbst belasten, ich gehe deshalb davon aus, dass die Ankläger dokumentierte Beweise und Zeugenberichte haben. Klar ist schon, dass Rupert Stadler einen erheblichen Teil seiner Reputation eingebüßt hat”, so Held weiter.

Autor: VW-Redaktion