Ex-Politiker und Wertgarantie-Vorstand Döring fordert absehbares Ende des Ausnahmezustands im Handel

Patrick Döring, neuer Vorstandsvorsitzender der Wertgarantie. Quelle: Wertgarantie

Der niedersächsische Versicherer Wertgarantie hat 2019 gut gewirtschaftet. Allerdings sind die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr wegen des Coronavirus eher gedämpft. “Insbesondere nach Ostern muss der Ausnahmezustand im Handel auch absehbar beendet werden, weil die ökonomischen Schäden sonst irreparabel sind”, betont Vorstand Patrick Döring im Exklusiv-Interview mit VWheute. Allerdings sieht er auch Chancen.

VWheute: Wie zufrieden sind Sie mit der Geschäftsbilanz 2019 und was hätte Ihrer Ansicht nach besser laufen können?

Patrick Döring: Das Geschäftsjahr 2019 war ein gutes Jahr. Wir konnten in allen Bereichen unsere Bestände deutlich erhöhen, haben einige neue Partner gewonnen und konnten digitale Lösungen, insbesondere in der Kundenkommunikation, etablieren. Wir haben durch die Spartenerweiterung Versicherungslösungen für Scooter und S-Pedelecs entwickeln können und damit unsere Position als Lifestyle-Versicherer im Fachhandel gestärkt.

VWheute: Gerade in der Tierversicherung ist das Neugeschäft im letzten Jahr spürbar gestiegen. Worin sehen Sie die Gründe für diese Entwicklung?

Patrick Döring: Wir nehmen wahr, dass das Haustier als Familienmitglied einen hohen Stellenwert hat. Dazu sehen wir einen starken Umbruch in der Veterinärmedizin – große Klinikverbünde entstehen, mit starken Dienstleistungen, die ihren Preis haben. Dazu kam die öffentliche Debatte über die Erhöhung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) und der Markteintritt einiger neuer Wettbewerber. Das alles schafft Nachfrage und Aufmerksamkeit, von der wir als Marktführer auch profitieren konnten.

VWheute: Schauen wir auf den Technik-Bereich: Wie hat sich das Geschäft mit dem Geräteschutz entwickelt und welche Erwartungen bzw. Herausforderungen sehen Sie in diesem Bereich für 2020?

Patrick Döring: Wir sind in allen Gerätebereichen – Smartphone, Tablet, Weiße Ware, Unterhaltungselektronik – erneut gewachsen. Besonders erfreulich ist unser Wachstum im Bereich Weiße Ware, wo wir insbesondere unseren Gebrauchtgeräteschutz deutlich breiter etablieren konnten. Herausforderung bleibt die Schadenhäufigkeit bei Smartphones, verbunden mit der Verfügbarkeit von Ersatzteilen für die Reparatur. Wir leben unser Motto „Reparieren statt Wegwerfen“, auch wenn uns die Smartphone-Giganten dabei nicht immer unterstützen.

VWheute: Fast die Hälfte des Geschäfts macht das internationale Geschäft aus. Wie sind Ihre Pläne für das Auslandsgeschäft in diesem Jahr?

Patrick Döring: Zunächst stimmt die Aussage hinsichtlich der Stückzahlen, nicht aber hinsichtlich der Beitragseinnahmen. Da ist weiter Deutschland unser Kernmarkt für unser Premium-Produkt Komplettschutz.

Wir wollen in unseren Auslandsmärkten weiter investieren und insbesondere unsere Stärke im Handel weiter ausbauen. Jeder Markt hat seine Besonderheiten, insbesondere der Übergang von Produkten mit Einmalprämie zu laufender Prämie muss in einigen Ländern besser gelingen, um ertragreicher zu werden. Neue Kooperationen werden wir ebenfalls eingehen und damit neue Partner gewinnen.

VWheute: Stichwort Corona: Leider kommen wir an diesem Thema nicht hinaus. Wie wirkt sich die aktuelle Krise auf das Geschäft der Wertgarantie derzeit aus und inwieweit müssen Sie Ihre Pläne dadurch korrigieren?

Patrick Döring: Wir vermarkten in Deutschland unsere Produkte im Wesentlichen im Fachhandel, sodass geschlossene Geschäfte im Bereich Unterhaltungselektronik und Fahrradhandel unser Neugeschäft erheblich bremsen. Werkstätten, Servicetechniker und Kundendienste arbeiten weiter, sodass das Arbeitsvolumen bei uns nur leicht zurückgeht. Wir werden also etwas gedämpfter wachsen als geplant, sind aber zuversichtlich, dass wir dennoch ein gutes Jahr hinlegen können.

Insbesondere nach Ostern muss der Ausnahmezustand im Handel auch absehbar beendet werden, weil die ökonomischen Schäden sonst irreparabel sind. Gerade die vielen Menschen im Homeoffice werden das Thema “Geräteschutz” für ihr Equipment sicher anders bewerten als vor der Corona-Krise. Das ist auch eine Chance für uns. Mehr Verkehr mit dem E-Bike oder Fahrrad statt in der überfüllten U-Bahn kann für unsere Produkte auch nützlich sein. Wir bleiben optimistisch.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

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