Schadenfall Credit Suisse: Spionagen, verletzte Eitelkeiten und CEO Tidjane Thiam mittendrin

Detektive, Handgreiflichkeiten und Verfolgungsjagen. Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay

Detektive, Handgreiflichkeiten und Verfolgungsjagen. Die Beschattungsaffäre vor dem Hintergrund von Milliardengeschäften belastet den Ruf der Bank Credit-Suisse und dessen CEO Tidjane Thiam massiv. Sein Stuhl wackelt, was vor dem Hintergrund der Ereignisse in dieser Geschichte nicht überraschen kann. Die Details sind kaum zu glauben.

Im Kern der Geschichte stehen der Iqbal Khan, vor kurzem noch CEO International Wealth Management bei der Credit Suisse, und sein damaliger Chef Thiam. Es geht um verletzte Eitelkeiten und viel Geld.

Begonnen hatte alles auf einer bier- und weinseligen Party Thiams. Khan und er gerieten heftig aneinander, offenbar standen Handgreiflichkeiten kurz bevor. Schlimmeres soll Khans Frau mit energischem Eingreifen verhindert haben. Khan habe sich respektlos gegenüber Thiams Freundin verhalten, argumentiert die eine Seite. Die Opposition wirft dem CEO vor, nicht mit der Konkurrenz Khans fertig geworden zu sein, der bereits als Nachfolger Thiams gehandelt wurde.

Ende der Vorgeschichte, Auftakt zum Finale

Khan verließ daraufhin im Juni die Bank, knapp zwei Monate später kam heraus, dass er dieselbe Position beim Konkurrenten UBS anstrebt. Prompt galt er auch dort als potenzieller CEO-Ersatz für Sergio Ermotti.

Einfach so zum Konkurrenten zu wechseln, oder es anzustreben, ist nicht die feine Art. Allerdings soll Khan darüber hinaus versucht haben, ehemalige Mitarbeiter der Credit Suisse abzuwerben. Die Unternehmensspitze um Thiam war davon nachvollziehbarerweise „not amused“ und soll die Beschattung Khans in Auftrag gegeben haben. Eine drastische Maßnahme, die so gar nicht in die biedere und geregelte Bankenwelt des Alpenlandes passen möchte.

Ebenso schlecht wie die Idee selbst war auch die Durchführung des Planes – wenn es denn stimmt. Statt Sherlock Holmes wurde offenbar Jacques Clouseau engagiert, das Ergebnis ist entsprechend. Khan bemerkte bei der Fahrt mit Frau und Sohn ein verfolgendes Auto und es kam zu einer Verfolgungsjagd mitten in der Innenstadt Zürichs. Der Verfolgte fotografierte das Nummernschild der Möchtegernbeschatter, diese konfrontierten ihn daraufhin und wollten ihm offenbar das Handy entreißen. Sie ließen erst ab, als sich wackere Passanten einschalteten. Die Behörden haben mittlerweile Ermittlungen gegen die Detektive wegen Nötigung und Drohung eröffnet. Ist es nun nur noch eine Frage der Zeit, bis der Auftraggeber der Beschatter publik wird? Nicht wenige munkeln, es sei die Credit Suisse, bewiesen ist noch nichts.

Verwaltungsrat eröffnet eigene Ermittlungen

Bestätigt sich der Vorwurf, dass die Credit Suisse die Detektive engagiert hat, wird es sehr eng für CEO Thiam. Der Ruf der Bank hat bereits erheblich gelitten, auch weil Medien wie Handelsblatt und NZZ ausführlich berichten.

In der Kritik steht auch Verwaltungsratschef Urs Rohner, der den Aufhebungsvertrag mit Khan abnickte und damit den wohl folgenden Wechsel zu UBS den Weg ebnete. Ebendieser Rohner hat nun bekannt gegeben, dass eine externe Untersuchung der Geschehnisse seitens der Bank in Auftrag gegeben wurde. Berichtet wird direkt an ihn.

Glaubt irgendjemand, dass das letzte Kapitel dieser Geschichte geschrieben ist; na dann bis bald zum zweiten Teil des Bank-Thrillers.

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