Giovanni Giuliani: „Kaum eine Branche ist so reguliert wie die Versicherung“

probleme in der Zentrale der Zurich Quelle: Zurich

Wie werden neue Technologien die Versicherungsbranche verändern? Und werden große Tech-Konzerne tatsächlich Versicherungsprodukte verkaufen? Letzteres hält Zurich-Strategiemanager Giovanni Giuliani für ausgeschlossen: „Kaum eine Branche ist so reguliert wie die Versicherung. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sich ein Technologiekonzern damit herumschlagen möchte.“

Dies liege vor allem daran, dass „solche Konzerne bisher einen engen Regulierungsrahmen aus ihrem Kerngeschäft kaum kennen. Außerdem liegen die Margenerwartungen der Internetkonzerne noch deutlich höher, als was sich in der Versicherungsbranche normalerweise erzielen lässt“, begründet der Spitzenmanager im Interview mit dem Handelsblatt.

Eine neue Auslese in der Versicherungsbranche hält Giulani für durchaus möglich: „Wenn Versicherer nicht innovativ sind, werden sie austauschbar. Austauschbare Firmen werden jedoch niemals Marktführer. Und der Zukauf kleinerer Anbieter ist in der Regel keine Lösung. Wenn sie eine Firma kaufen, die noch völlig im alten Denken verhaftet ist, kaufen sie sich eher noch mehr alte Probleme mit ein.“

Von einer Übernahmewelle will der Zurich-Manager indes nicht sprechen: „Sehr große Deals haben wir in den letzten Monaten in Europa nicht gesehen. Aber natürlich fließt gerade viel Geld und Talent in Insur-Techs, also Start-ups aus der Versicherungsbranche. Das wird sich sicher auch fortsetzen, denn vielen etablierten Firmen mangelt es an Kundenorientierung und an modernen Technologien, um diesbezügliche Angebote selbst zu realisieren.“

Eine größere Akquisition schließt er für den Schweizer Versicherer indes nicht völlig aus. „Wenn wir eine Firma sehen, die eine spannende Lösung für die Branche gefunden hat, würden wir uns das ansehen. Aber Akquisitionen sind nicht der einzige Weg in die Zukunft. Wir können uns auch eine Zusammenarbeit vorstellen, denn eine solche ist sowohl für das Start-up wie auch für uns eine Win-win-Situation“, betont er im Interview.

Autor: VW-Redaktion