Prognose: Versicherer erholen sich frühestens in zwei Jahren vom Corona-Schock

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Die Corona-Pandemie wird nicht nur zu einer deutlich höheren Schadenbelastung für die Versicherungsbranche führen. Die Managementberatung EY Innovalue erwartet sowohl für die Kompositversicherung als auch für die Lebens- und Krankenversicherung deutliche Prämieneinbußen. Eine Modellierung in zwei Szenarien zeigt eine mögliche Erholung erst ab 2022/23.

„Die nach wie vor relevanten Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen haben einen deutlichen Einfluss auf den Vertrieb“, sagt Julia Palte, Partner bei EY Innovalue. „Darüber hinaus sorgt die Verunsicherung der Privat- aber auch der Firmenkunden für Zurückhaltung beim Neugeschäft und Abrieb im Bestand.“

Die veränderten Marktbedingungen machen Druck auf ineffiziente Geschäfts- und Prozessmodelle. EY Innovalue hat in zwei Szenarien die Auswirkungen der Krise auf Bestand und Neugeschäft modelliert und Handlungsempfehlungen für Versicherer und Vertriebe abgeleitet. Basis sei die erwartete Branchen- und BIP-Entwicklung ohne Einfluss von Covid-19. „Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen, wer in der Lage ist, sich schnell umzustellen und aus Herausforderungen Chancen zu machen“, so die Studienautorin.

Die Analysten erwarten allem im Komposit-Privatkundengeschäft einen Bestandsrückgang von zwei bis drei Prozent, insbesondere in den Sparten Kfz und Unfall. Man sehe aber den generellen Wachstumstrend nicht gebrochen, sondern zeitlich verschoben. Die Gründe liegen laut Analysten in verstärkten Preisvergleichen, gesunkenen Kfz-Zulassungszahlen sowie einem Nachfragerückgang bzw. Storni in „verzichtbaren“ Sparten.

Normales Geschäftsniveau erst ab 2025?

Im Firmenkundengeschäft könnten die Rückgänge mit vier bis sechs Prozent noch stärker ausfallen. Sofern es in 2021 nicht zu weiteren einschneidenden Shutdowns kommen sollte, könnte das bisherige Geschäftsniveau ab 2025 wieder erreicht oder sogar überschritten werden, heißt es in einer aktuellen Studie.

Quelle: EY Innovalue

Neben einer Marktverkleinerung durch weniger Neugründungen und zunehmenden Insolvenzen dürften Branchen wie zum Beispiel Gastronomie und Tourismus zusätzlich durch Prämienrückgänge bei umsatzabhängigen Policen betroffen sein.

Generell sind Luftfahrt, Automotive und Tourismus nachhaltiger geschädigt als beispielsweise Medizintechnik, IT oder Telekommunikation. Mittelfristig erwarten die EY Innovalue-Experten einen härter werdenden Markt, insbesondere in der Kredit- und Kautionsversicherung.

Neugeschäft geht in Leben um bis zu 27 Prozent zurück

Noch deutlicher sollen die Prämienrückgänge in der Lebensversicherung ausfallen. So rechnen die Experten mit einem Rückgang des Neugeschäfts in der Lebensversicherung von 23 bis 27 Prozent, wobei insbesondere das Einmalbeitragsgeschäft betroffen sei. Noch stärker könnten die Rückgänge in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) sein.

Den privaten Krankenversicherern dürfte dabei vor allem die reduzierte Wechselbewegung zu schaffen machen. So könnten die Beitragseinnahmen allein 2020 um 22 bis 29 Prozent einbrechen. Dies betreffe vor allem die Vollversicherung. Das Vor-Krisen-Niveau dürfte auch bis 2025 nicht erreicht werden. Gründe sind eine geringere Wechselbereitschaft in die PKV sowie mehr Insolvenzen und weniger Eintritte in die Selbstständigkeit. Auch reduzierte Beratungsmöglichkeiten und ein beschleunigtes Ausscheiden abschlussorientierter Vermittler beeinflussen die Neugeschäftsentwicklung.

Konsolidierter Vermittlermarkt

Allerdings erwarten die Experten von EY Innovalue bislang keine wesentlichen Änderungen im Vertriebswegemix. Dabei stehen allerdings vor allem die Einzelkämpfer der Einzel- und kleineren Mittelstandsmakler unter Druck. Bei Pools und Vermittlerorganisationen setzt sich der Konsolidierungstrend fort. Insgesamt erwartet EY Innovalue einen Rückgang der registrierten Makler bis 2025 um 18 bis 23 Prozent.

„Die nach wie vor relevanten Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen haben einen deutlichen Einfluss auf den Vertrieb. Darüber hinaus sorgt die Verunsicherung der Privat- aber auch der Firmenkunden für Zurückhaltung beim Neugeschäft und Abrieb im Bestand.“

Julia Palte, Partner bei EY Innovalue

Bei den gebundenen Vermittlern rechnen die EY-Experten sogar mit Rückgängen von 30 bis 34 Prozent. „Ausschließlichkeitsagenten sind zwar kurzfristig durch die Unterstützung der Versicherer gut gewappnet, gleichwohl bleibt der Trend zum Ausscheiden älterer Vermittler oder von Vermittlern mit hohem Leben-/Kranken-Fokus bestehen. Dies gilt insbesondere, wenn die Vermittler die digitalen Möglichkeiten der Kundeninteraktion nicht nutzen“, sagt Tobias Schulz, Director bei EY Innovalue.

Autor: VW-Redaktion

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