Türkische Versicherungsmanager nach Marktmanipulationen verhaftet
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Der im Herbst 2026 aufgedeckte Börsenskandal in der Türkei zieht Kreise bis an die Spitze der Versicherungswirtschaft. Nach der Festnahme von Führungskräften bei Türkiye Sigorta stürzen die Aktien des Branchenprimus ab.
Nach der Festnahme von Vorstandschef Taha Cakmak und seinem Vize Gurol Sami Ozer im Zuge eines landesweiten Fonds- und Marktmanipulationsskandals brechen die Aktienkurse des staatlich gestützten Branchenprimus Türkiye Sigorta dramatisch ein. Innerhalb von nur zwei Tagen verlor das Papier 18 Prozent an Wert und markierte damit den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren.
Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, wurden CEO Taha Cakmak und sein Stellvertreter Gurol Sami Ozer bereits zu Beginn des Monats in Gewahrsam genommen. Dem Sender NTV zufolge, der sich auf ungenannte Quellen beruft, soll das mehrheitlich staatliche Versicherungsunternehmen Gelder gezielt in Fonds der Brokerage-Firma Tera Portfoy Yonetimi geleitet haben. Dieses Investmenthaus steht im Zentrum einer weitreichenden Krise, die den türkischen Finanzmarkt erschüttert. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass lokale Anlagefonds gezielt Aktien oft obskurer Unternehmen aufgekauft und deren Kurswerte künstlich um ein Vielfaches aufgebläht haben.
Cakmak, ein ehemaliger Bankenregulator und früherer Vizegouverneur der türkischen Zentralbank, hatte das Unternehmen nach seiner Ernennung im Jahr 2023 zu einem absoluten Börsenliebling gemacht. Bis zu einem Höchststand im Mai schoss der Aktienkurs um mehr als 500 Prozent nach oben und ließ fast alle anderen Titel des Borsa-Istanbul-100-Index hinter sich. Doch seit September befindet sich das Papier im freien Fall und hat inzwischen mehr als 40 Prozent seines Marktwertes eingebüßt.
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gab Türkiye Sigorta am 15. Oktober den Rücktritt von Cakmak bekannt und verschob die für den 19. Oktober anberaumte Veröffentlichung der Quartalszahlen. Am Montag zog der Verwaltungsrat schließlich die Reißleine und entließ auch den stellvertretenden CEO Ozer. Cakmak und Ozer reihen sich damit in eine wachsende Liste prominenter Köpfe der türkischen Finanzszene ein, die im Zuge der Ermittlungen festgenommen wurden. Justizminister Akin Gurlek erklärte in diesem Monat über die sozialen Medien, dass im Rahmen des Skandals bereits 88 Verdächtige festgenommen wurden.
Cakmaks Anwalt Ersin Yucel betonte, dass sein Mandant alle Vorwürfe zurückweist und gegen die Inhaftierung vorgehen will. Das in Istanbul ansässige Unternehmen, dessen Anteile zu 76 Prozent beim staatlichen Vermögensfonds liegen – an dessen Spitze Präsident Recep Tayyip Erdogan steht – gab zu den jüngsten Entwicklungen noch keinen Kommentar ab.
Türkiye Sigorta war im Jahr 2020 aus der Fusion von Versicherungstochtergesellschaften staatlicher Banken hervorgegangen und hält seither den größten Marktanteil im Land. Brisant ist zudem, dass von Tera Yatirim Menkul Degerler AS verwaltete Investmentfonds zu den Aktionären von Türkiye Sigorta zählten; entsprechende Anteile wurden offenbar noch im August und damit kurz vor Ausbruch des Skandals erworben.
Autor: VW-Redaktion
