Munich Re: Non-Peak Perils auf dem Vormarsch
Symbolbild Unwetter. Bildquelle: Jim Black auf Pixabay
Geopolitische Spannungen, die Folgen des Klimawandels und neue Technologien. Das weltweite Marktumfeld ist nach Einschätzung der Munich Re derzeit von verschiedenen Unsicherheiten geprägt. Als Haupttreiber der Schadenentwicklung erweisen sich weiterhin Naturgefahren und Naturkatastrophen, berichtet der Dax-Konzern im Rahmen des Branchentreffens in Monte Carlo. Im vergangenen Jahr überschritten die weltweiten versicherten Schäden zum sechsten Mal hintereinander die Schwelle von 100 Milliarden US-Dollar.
Ein großer Teil der Summe entfällt auf Non-Peak Perils. Das sind mittlere Schadenereignisse unterhalb der Ebene extremer Katastrophen, wie etwa schwere Hagelstürme. Die versicherten Schäden aus diesen Ereignissen beliefen sich im Jahr 2025 auf 104 Milliarden US-Dollar. Wurden Non-Peak Perils früher als vergleichsweise geringfügig eingestuft, summieren sie sich heute zu Schadenniveaus, die bislang nur mit Großkatastrophen verbunden waren.
Auch Hitze entwickelt sich laut Munich Re zu einem schleichenden, aber bedeutsamen Risikofaktor. Hitzewellen forderten zuletzt nicht nur Menschenleben, sondern schädigen ähnlich wie Überschwemmungen die öffentliche Infrastruktur und stören Lieferketten. Zudem entstehen Schäden in der Landwirtschaft, im Gesundheitssektor sowie an Gebäuden und technischen Anlagen, wenngleich die Kausalität bei Hitzeschäden oft schwer nachzuweisen ist, erklärt der Rückversicherer.
Unter den Großschadenereignissen stachen im vergangenen Jahr die Waldbrände in Kalifornien hervor, die mit 54 Milliarden US-Dollar den bisher größten volkswirtschaftlichen Schaden in dieser Kategorie verursachten. Auch in Europa traten Brände in gefährlicher Nähe zu Metropolen wie Marseille, Bordeaux, Madrid oder Sizilien auf. Größere Ballungszentren bleiben bislang verschont.
Zusätzlich verändern digitale Gefahren und die zunehmende Nutzung künstlicher Intelligenz das Risikoprofil von Unternehmen, berichtet die Munich Re aus Monte Carlo. Obwohl Cyberrisiken zu den gravierendsten Geschäftsrisiken zählen, bleibt der Durchdringungsgrad mit entsprechenden Cyberversicherungen gering. Eine steigende Professionalisierung der Angreifer sowie systemische Abhängigkeiten und geopolitische Spannungen treiben die Kosten der Cyberkriminalität nach oben.
Die Münchener merken an, dass der Prozess, Abdeckungsstandards im Bereich der KI-Risiken zu etablieren, noch am Anfang steht. Die steigende Nachfrage nach KI-Deckungen erfordere eine spezialisierte Risikomodellierung und eindeutige Vertragsklauseln, um den Markt für KI-Risikoabdeckungen aufzubauen.
Um schwankenden Marktzyklen und volatilen Phasen standzuhalten, setzt die Munich Re derweil auf Diversifikation, Bilanzstärke und Zyklusmanagement. In Phasen, in denen das Kapitalangebot die Nachfrage übersteigt, priorisiert das Unternehmen Profitabilität und Portfolioqualität vor reinem Wachstum bei den Bruttoprämien. Dadurch will die Munich Re ihre Kapazität auch für Zeiten sichern, in denen sich Mitbewerber nach Großschadensereignissen (wie Pandemien oder Hurrikans) zurückziehen.
Insgesamt zeigte sich die Versicherungsbranche in den vergangenen acht Jahren als wichtiger Kapitalgeber: Das Rückversicherungskapital stieg in diesem Zeitraum um durchschnittlich 5,8 Prozent pro Jahr.
Autor: VW-Redaktion
