Trendwende: Zahl der PKV-Vollversicherten steigt drittes Jahr in Folge

Bildquelle: Allianz Deutschland

Fast jeder Zweite in Deutschland ist privat versichert. Die meisten jedoch über Zusatzversicherungen. Lange war die Vollversicherung ein Problemfall. Doch seit drei Jahren verzeichnet die PKV einen Nettozuwachs. Gleichzeitig stiegen die Versicherungsleistungen erneut, ebenso wie die Ausgaben – besonders stark im Pflegebereich.

2011 lag die Zahl der Menschen mit voller PKV-Versicherung bei etwa 8,976 Millionen – das war historisch gesehen ein Hochpunkt. Danach ging die Zahl über Jahre zurück oder stagnierte größtenteils. Zwischenzeitlich sank sie 2022 sogar auf rund 8,705 Millionen Vollversicherte – damit waren deutlich weniger Menschen privat vollversichert als 2011. Längere Zeit dürften Faktoren wie eine demografische Alterung, steigende Hürden für einen Wechsel (z. B. durch hohe Versicherungspflichtgrenze) und Rückkehrbewegungen zur GKV zu dieser Entwicklung beigetragen haben.

Seit etwa 2023 zeichnet sich aber eine Trendwende ab: 2023 meldete der PKV-Verband erstmals seit 2011 wieder einen Nettozuwachs an Vollversicherten (nach Abzug von Sterbefällen und Rückkehrern in die GKV). Es gab ein Plus von 0,03 Prozent auf 8,71 Millionen Menschen. 2024 ist die Zahl der Vollversicherten im vergangenen Jahr um 0,3 Prozent auf 8,74 Millionen gestiegen. Nun verkündet der Verband erneut ein leichtes Wachstum: 2025 gab es ein Plus um 0,5 Prozent auf 8,79 Millionen Versicherte. Der jüngere Zuwachs wird u. a. damit begründet, dass wieder mehr Menschen netto aus der GKV in die PKV wechseln und der demografische Effekt abnimmt.

Das Wachstum der PKV wird dadurch behindert, dass sie ein exklusiver Club ist – nicht jeder hat Zugang. Angestellte können die GKV nur dann verlassen und zur PKV wechseln, wenn das Bruttoeinkommen über der Versicherungspflichtgrenze liegt. Die Jahresarbeitsentgeltgrenze wurde 2026 auf 77.400 Euro (2025: 73.800 Euro) angehoben. Damit liegt sie 4,9 Prozent höher als im Vorjahr. Seit 2013 wurde diese Entgeltgrenze um über 48 Prozent erhöht, was dem PKV-Verband ein Dorn im Auge ist.

„Der Zugang zur PKV darf nicht erschwert, sondern muss erleichtert werden“, fordert PKV-Vorsitzender Thomas Brahm. „Der Wechsel Hunderttausender Versicherter zwischen den beiden Systemen ist eine wichtige Antriebskraft für den Qualitätswettbewerb. Dieser Wettbewerb fordert GKV und PKV gleichermaßen, stetig besser zu werden, um die Versicherten zu überzeugen. Das stärkt insgesamt die Qualität und Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens.“

Zwar haben Beamte und Selbstständige die Wahlfreiheit, aber viel Neugeschäft lässt sich für die Versicherer damit nicht generieren. Ganz anders sieht es im Geschäft mit Zusatzversicherungen aus, das seit Jahren deutlich stärker wächst als der klassische Vollversicherungsbereich. 2025 stieg die Zahl der Verträge in diesem Segment um 2,2 Prozent auf 31,98 Millionen.

Die Versicherungsleistungen stiegen 2025 um 7,1 Prozent auf insgesamt 42,1 Mrd. Euro. 2024 lag das Plus bei 9,7 Prozent. Wie die Gesetzlichen Krankenkassen verzeichnet die PKV seit einigen Jahren einen starken Kostenschub. In der Krankenversicherung wuchsen die Ausgaben um 6,9 Prozent auf 39,0 Mrd. Euro. In der Pflegeversicherung fiel der Ausgabenanstieg mit 10,5 Prozent auf insgesamt 3,0 Mrd. Euro noch höher aus. 

Die Entwicklung der Leistungsausgaben in der PKV hat mehrere zentrale Ursachen: Der medizinische Fortschritt hat seinen Preis. Neue Therapien, Diagnoseverfahren und Medikamente sind häufig teurer, werden aber von Versicherern übernommen. Gleichzeitig steigt die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Rundere Behandlungspfade, bessere Versorgung, aber auch höhere Fallzahlen führen zu steigenden Ausgaben. Ebenso steigen die Personal- und Sachkosten im Krankenhaus, Arzneimittelpreise und andere Gesundheitskosten und schlagen direkt auf die PKV-Ausgaben durch.

Da die PKV ein kostenorientiertes Abrechnungssystem mit Einzelabrechnung hat, wirken sich höhere Leistungsausgaben direkt auf die Beiträge aus. Gerade in den letzten Jahren wurden deshalb Beitragsanpassungen angekündigt oder durchgeführt, weil die Leistungsausgaben schneller gestiegen sind als prognostiziert. Die Beitragseinnahmen in der Kranken- und Pflegeversicherung erhöhten sich 2025 um 7,3 Prozent auf 54,4 Mrd. Euro. Davon entfielen 48,21 Mrd. Euro (plus 8,2 Prozent) auf die Krankenversicherung. Bei den Beitragseinnahmen der Privaten Pflegepflichtversicherung gab es im Vergleich zum Vorjahr mit 6,3 Mrd. Euro ein kleines Plus von 0,9 Prozent. 

Autor: VW-Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

4 + 14 =