Renditen und Diversifizierung: Versicherer setzen verstärkt auf Private Debt
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Europäische Versicherer treiben ihre Engagements im Markt für private Kredite voran. Ziel sind höhere Renditen durch Illiquiditätsprämien, höhere Renditen und eine breitere Aufstellung des Portfolios. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Ratingagentur Fitch hervor, an der 15 Unternehmen teilnahmen.
Alle befragten Gesellschaften nannten die Suche nach zusätzlichen Erträgen durch illiquide Anlagen als entscheidenden Beweggrund. Besonders stark ausgeprägt ist das Interesse bei Lebensversicherern sowie bei Nichtlebens- und Rückversicherern mit langfristigen Verbindlichkeiten. Für 73 Prozent der Unternehmen steht zudem die Diversifizierung im Vordergrund. Weitere wichtige Beweggründe sind ESG-Überlegungen, die Abstimmung der Verbindlichkeiten und der Zugang zu innovativen/maßgeschneiderten Vermögensstrukturen, die auf den öffentlichen Märkten nicht verfügbar sind. Die Befragten nannten auch die Absicherung gegen Marktvolatilität und die Generierung von Betriebskapital.
Trotz steigender Allokationen sieht Fitch keine unmittelbare Gefahr für die Bonität der Versicherer. Ausschlaggebend seien weiterhin die Qualität der erworbenen Vermögenswerte, die Struktur der Investments sowie die Effektivität des Risikomanagements. Da private Kredite bislang nur einen kleinen Teil des Finanzsystems ausmachen, droht nach Einschätzung der Agentur derzeit kein systemisches Risiko.
Der Markt für private Kredite wächst rasant. Laut Daten von Preqin könnte das weltweite Volumen privater Vermögenswerte von 1,6 Billionen US-Dollar Ende 2024 auf 2,7 Billionen US-Dollar im Jahr 2029 steigen – ein durchschnittliches Plus von elf Prozent jährlich.

Private Kredite werden in der Regel über Fonds mit fest zugesagtem Kapital, begrenztem Rückzahlungsrisiko und ohne übermäßige Hebelwirkung auf Fondsebene angeboten. Die sich wandelnden Anlageklassen, Strukturen und die zunehmende Vernetzung erfordern jedoch eine genaue Beobachtung, da die Kreditnehmer aufgrund höherer, wenn auch nachlassender Leitzinsen und volatiler Rentabilität in einem makroökonomisch schwierigen Umfeld mit steigenden Schuldendienstbelastungen konfrontiert sind.
Zu den wichtigsten Risiken privater Vermögenswerte zählen Bewertungsunsicherheiten, insbesondere für Lebensversicherer, die aufgrund ihres erheblichen und wachsenden Engagements in illiquiden Anlagen höheren direkten Risiken im Zusammenhang mit privaten Investitionen ausgesetzt sind, berichtet Fitch. Die Beschaffung geeigneter Vermögenswerte und der zunehmende Wettbewerb wurden von den Umfrageteilnehmern als größte Herausforderungen genannt, zusammen mit struktureller Komplexität (z. B. Covenant-Lite-Geschäfte), Illiquidität, makroökonomischer Unsicherheit, regulatorischen Änderungen und dem Bedarf an Fachkenntnissen und einem robusten Risikomanagement.
Autor: VW-Redaktion
