Verisk warnt vor globaler Versicherungslücke
Symbolbild Waldbrand. Quelle: jlujuro/Pixabay
In den vergangenen fünf Jahren summierten sich die versicherten Schäden aus Naturkatastrophen im Schnitt auf 132 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Im vorangegangenen Zeitraum lag die Zahl bei 104 Milliarden Dollar. Die mittlerweile verursachten Schäden sind nicht mehr als Ausreißer, sondern als Normalzustand zu sehen, mahnt Risikomodellierer Verisk.
Aktuelle Modellierungen von Verisk zeichnen ein noch düstereres Bild: Demnach liegt der weltweit erwartete durchschnittliche Jahresverlust aus Naturkatastrophen bereits bei 152 Milliarden Dollar. Auffällig sei die Verschiebung der Risikolandschaft: Statt einzelner Großereignisse wie Hurrikane oder Erdbeben treiben vor allem häufige Gefahren wie schwere Gewitter, Winterstürme, Waldbrände oder Überschwemmungen die Schadenssummen in die Höhe.
Vier Treiber verändern die Risikolage
Mehrere Faktoren verstärken die Schadenlage. Erstens steigt das globale Immobilienrisiko rapide – im Schnitt um sieben Prozent pro Jahr zwischen 2020 und 2024. Inflation und Bautätigkeit in Risikogebieten befeuern diesen Trend. Zweitens wachsen die Städte. Über die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in urbanen Regionen, die anfällig für Naturgefahren sind.
Drittens nehmen die Ereignisse selbst messbar zu. 98 Milliarden Dollar der modellierten Jahresverluste gehen inzwischen auf häufige Gefahren zurück, ein Plus von zwölf Prozent gegenüber 2024. Viertens wirkt der Klimawandel. Laut Verisk ist rund ein Prozent des jährlichen Anstiegs der Verluste auf langfristige Klimaeffekte zurückzuführen.
Besonders problematisch sei die Differenz zwischen wirtschaftlichen und versicherten Schäden. Während Versicherungen vor allem Sachwerte abdecken, bleiben Schäden an Infrastruktur wie Straßen, Brücken oder Stromnetzen oft unversichert. Staaten und Gesellschaften müssen die Last tragen.
Die Dimensionen zeigt Verisk an konkreten Ereignissen auf. Hurrikan Helene richtete 2024 in den USA wirtschaftliche Schäden von 75 Milliarden Dollar an, versichert waren davon nur 18 Milliarden. Beim kurz darauffolgenden Hurrikan Milton war die Lücke geringer: Von 35 Milliarden Dollar Gesamtschaden waren 20 Milliarden versichert – auch, weil Florida traditionell eine höhere Versicherungsdichte gegen Sturmschäden aufweist.
Auch die Waldbrände 2025 in Eaton und Palisades verdeutlichen die Schieflage. Von bis zu 65 Milliarden Dollar wirtschaftlichem Schaden waren zwar rund 60 bis 70 Prozent gedeckt. Doch immer mehr Versicherer ziehen sich aus dem Markt zurück. Hausbesitzer sind auf den staatlich organisierten FAIR-Plan angewiesen. Hier handelt es sich um ein Notfallinstrument für diejenigen, die keinen privaten Anbieter mehr finden.
Autor: VW-Redaktion
