Rasen, ohne dass der Arzt kommt

Bei der EU-Führerscheinrichtlinie sollten im Abstand von 15 Jahren medizinische Tests durchführen werden, ab 70 Jahren gar alle fünf Jahre. Das wird nun doch nicht kommen. (Bildquelle: Emkanicepic/Pixabay)

Verpflichtende ärztliche Checks für Autofahrer wie in Italien wird es in hierzulande vorerst nicht geben. Versicherer begrüßen die Entscheidung des EU-Parlaments. Statt Medizinchecks will der GDV jedoch eine nicht minder aufwendige Alternative: verpflichtende Rückmeldefahrten mit speziell geschulten Fahrlehrern, Führerscheinprüfern oder Verkehrspsychologen.

In Italien läuft der Führerschein zehn Jahre nach Erwerb erstmals ab. Nach dem 50. Geburtstag muss man diesen alle fünf Jahre verlängern, nach dem 70. alle drei. Wer die 80 überschritten hat, muss alle zwei Jahre zum Test. Etwa 30 Prozent der über Achtzigjährigen fallen im medizinischen Test durch, aber sie werden danach zu einer Kommission aus fünf Ärzten geschickt, die weitere Tests durchführen. Doch nur ein geringer Prozentteil bekommt sein Führerschein verlängert. Ob die Straßen dadurch sicherer geworden sind, lässt sich aus den Unfallstatistiken nicht direkt ableiten. Fakt ist, dass es weniger alte Menschen am Steuer gib, aber sie klagen nicht über Altersdiskriminierung.

Die EU-Kommission wollte eine ähnliche Regelung wie in Italien in der ganzen EU einführen. Die Abgeordneten im Europaparlament stimmten am Mittwoch gegen verpflichtende medizinische Checks. Nach der Europawahl wird sich das neu gebildete Parlament wohl damit erneut befassen. Allerdings müssen auch im Ministerrat die einzelnen Staaten noch zustimmen, was wenig wahrscheinlich ist. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hält ohnehin nichts von der Idee.

Auch die Versicherungsbranche lehnt Medizinchecks ab, denn sie hätten keine positiven Effekte für die Verkehrssicherheit, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. “Besonders Ältere sind medizinisch in der Regel gut eingestellt. Das Problem ist nicht die Fahreignung, sondern die Fahrkompetenz: Aufmerksamkeit, Konzentration, Reaktionsgeschwindigkeit.” Solche Defizite zeigten sich vor allem in komplexen Situationen, etwa an Kreuzungen mit vielen Fußgängern, Autos und Radfahrern, aber auch beim Wenden, Rückwärtsfahren oder Einparken. Asmussen gibt zu, dass mit dem Alter die kognitive, sensorische und motorische Leistungsfähigkeit abnimmt.

Aber statt Medizinchecks plädiert der GDV für verpflichtende Rückmeldefahrten mit speziell geschulten Fahrlehrern, Führerscheinprüfern oder Verkehrspsychologen einzuführen. „Die Experten können den Fahrern eine klare Rückmeldung geben, ob sie noch sicher fahren – und ob sie ihr Fahrverhalten anpassen sollten, also etwa nur noch bekannte Strecken fahren oder auf Nachtfahrten oder Großstadtverkehr verzichten sollten“, so Asmussen. Das Ergebnis solle aber vertraulich sein und ohne Konsequenzen für den Führerschein bleiben. Der GDV verweist darauf, dass die Unfallforschung der Versicherer (UDV) in zwei Projekten solche Rückmeldefahrten untersucht hat. Das Ergebnis: Die Mehrheit der Teilnehmenden bewertete die Rückmeldungen positiv und nahmen die Empfehlungen an.

Autor: VW-Redaktion

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