GDV erklärt seine Position im Streit um die Stern-TV-Sendung: „Versicherungsvermittler sind selbstständige Unternehmer, die ihre eigene Interessenvertretung haben“

GDV-Zentrale in Berlin. Quelle: mv.

Versicherungsvermittler sind nicht nur wegen der viel diskutierten Stern-TV-Ausstrahlung mit fragwürdigen Empfehlungen aufgebracht, sondern sie sind auch nicht gut auf den GDV zu sprechen, dem sie Untätigkeit vorwerfen. In einem ausführlichen Kommentar erklärt der Spitzenverband der Versicherer seine Haltung.

Versicherer und Vertriebspartner/-innen arbeiten beim Vertrieb der Produkte eng und vertrauensvoll zusammen. Dies spiegelt sich auch in der Interessenvertretung wider. Gerade jetzt wird zum Beispiel in Brüssel im Zuge der Beratungen EU-Institutionen zur Kleinanlegerstrategie heftig um die künftigen Rahmenbedingungen für den Vertrieb von Anlageprodukten gerungen. Das betrifft auch solche Produkte, die auf Versicherungen basieren. Gemeinsam machen wir uns stark gegen Provisionsverbote und für handhabbare Informations- und Offenlegungspflichten. Der Austausch mit den Vermittlerverbänden ist auch vor diesem Hintergrund intensiv.

Grundsätzlich stehen den Bürgerinnen und Bürgern viele Wege offen, um eine Versicherung abzuschließen. Sie können wählen, ob sie sich direkt an einen Versicherer wenden, Vermittler in Anspruch nehmen oder sich gegen Honorar beraten lassen wollen. Die Erfahrung zeigt, dass sich die Menschen selten von sich aus und nur sehr ungern mit der Absicherung von Risiken oder dem Alter(n) beschäftigen. Versicherer und Vermittler sind deshalb in Deutschland per Gesetz dazu verpflichtet, ihre Kundinnen und Kunden zu beraten, wenn ein Anlass dafür erkennbar ist.

Viele schließen ihre Versicherungsverträge bei Vermittlern ab. Für Menschen spielen Vertrauen und Verlässlichkeit eine große Rolle bei ihrer Entscheidung für Risikoschutz und Vorsorge. Sie suchen einen festen Partner, der sie kennt und in der Lage ist, entsprechend den individuell sehr unterschiedlichen, auch im Leben sich wandelnden Bedürfnislagen und Risikoneigungen passgenaue und flexible Produkte anzubieten. Für diese flächendeckende Verbreitung individueller Vorsorge- und Risikoschutzlösungen ist ein breites Netzwerk vor Ort daher unverzichtbar. Von den Dörfern bis zu den Städten begleiten Berater/-innen die Menschen über die wechselnden Lebensumstände hinweg, oft über viele Jahre, teilweise sogar generationenübergreifend. Sie analysieren die persönliche Situation mit Blick auf Einkommensentwicklung, familiäre Situation und Lebensziele, sie helfen rechtzeitig Absicherungs- und Versorgungs­lücken zu erkennen oder sichern das Erwerbseinkommen ab gegen Risiken des Todesfalls und der Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit. Sie organisieren Vertragsanpassungen bei wechselnden Lebensumständen und helfen, das Dickicht unterschiedlichster steuer- und sozialversicherungsrechtlicher Regelungen zu durchdringen. Zunehmend präferieren Kundinnen und Kunden auch digitale Formen der Kommunikation und Interaktion (Verweis auf MI). Versicherer wie Vermittler haben sich darauf eingestellt.

Es gibt eine Legaldefinition von Versicherungsvertrieb in der EU-Vertriebsrichtlinie, die für Vermittler und Versicherer gleichermaßen gilt und Grundlage für das Regelwerk im Vertrieb ist.  Diese Definition ist sehr breit. Versicherungsvertrieb umfasst dabei von vorbereitenden Arbeiten, über die Analyse von Wünschen und Bedürfnissen, die Auswahl und Empfehlung von Produkten, die Unterstützung beim Abschluss bis hin zur Assistenz im Schaden- oder Leistungsfall ein breites Spektrum. Es liegt auf der Hand, dass Versicherungsunternehmen deshalb eng mit ihren Vertriebspartner/-innen zusammenarbeiten. Dabei ist immer zu beachten, dass Versicherungsvermittler selbstständige Unternehmer sind, die ihre eigene Interessenvertretung haben. In deren Händen liegt auch die Öffentlichkeitsarbeit für Vermittler. Der GDV ist bezüglich der Vertriebsthemen natürlich im Austausch mit den Vermittlerverbänden. Dabei stimmen wir uns dazu ab, wo wir gemeinsame Interessen vertreten und auch, wo die Verbände unterschiedliche Interessen haben.

3 Kommentare

  • Auf sauberes gesetzeskonformes Vermitteln kommt es dem GDV wohl nicht an, Hauptsache die Kasse klingelt. Sich nur nicht mit dem RTL anlegen, das können ja die Verbände machen.
    GDV, ein trauriger Verband, Rückgrad Fehlanzeige.

  • Der GDV sollte noch einmal überlegen.

    Aber auch RTL trägt eine Schuld.

    Un wie immer wir letztendlich auch, weil wir uns immer alles gefallen lassen.

    Markus Schmitz

  • Wenn ich es richtig verstanden habe, ist es ein selbstgewähltes Ziel des GDV, das Thema Versicherungen in der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu vertreten, zu hegen und zu pflegen. Natürlich spielt dabei Vielfalt im Kundenverhalten und in der Presse eine wichtige Rolle. Kritischer Journalismus ist da nicht nur akzeptiert, sondern auch gewünscht. Im Idealfall bietet er den Ansporn noch besser zu werden.
    Wie passt es aber ins Bild, wenn eine Berichterstattung den Boden des kritischen, sachlichen und rechtskonformen so deutlich verfehlt wie dieser Beitrag bei RTL, und sich der Verband nach dem Motto „so what?“ verhält. Da beginnt für mich die Grauzone zwischen Zielerfüllung und Sonntagsreden.

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