Österreicher bringen bei Naturkatastrophendeckung „Belgisches Modell“ ins Spiel

Blick auf die österreichische Hauptstadt Wien. Bildquelle: Sonja Czeschka auf Pixabay

Schwere Hochwasser haben in den letzten Tagen vor allem Kärnten und die Steiermark heimgesucht. Der Versicherungsverband Österreich (VVO) beziffert die Schäden für die jüngsten Überschwemmungen, Stürme und Hagelschäden auf eine dreistellige Millionensumme – und sieht nun die Politik gefordert.

So weise die österreichische Versicherungsbranche seit vielen Jahren darauf hin, dass eine flächendeckende Versicherbarkeit von Naturgefahren nur dann möglich sei, wenn auch die Politik ihren Beitrag hierzu leiste. Um die Versicherbarkeit von Naturgefahren in Österreich in Zukunft allerdings flächendeckend gewährleisten zu können, bedürfe es dringend weiterer politischer Schritte, um die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen zu können.

„Nur eine gemeinschaftliche, solidarische Lösung kann die Versicherung von Elementarereignissen ermöglichen. Es muss sichergestellt werden, dass es geeignete rechtliche Vorschriften gibt, die eine entsprechend große Risikostreuung für die österreichischen Versicherer ermöglicht. Dann können Versicherungsprodukte gegen Naturgefahren zu einem für den Kunden leistbaren und sozial verträglichen Preis angeboten werden.“

Christian Eltner, Generalsekretär des österreichischen Versicherungsverbandes VVO

Demnach könnten Volldeckungen bei Naturkatastrophen vom Markt nicht in ausreichendem Maße geboten werden. Eigenheimversicherungen, die Gebäudeschäden infolge von Unwettern abdecken, sind laut einem Bericht der österreichischen Zeitung Der Standard im Schnitt nur bis zu 10.000 Euro gedeckt. Das habe zur Folge, dass betroffene Haushalte oftmals auf teils hohen Kosten sitzen bleiben würden.

Ein Lösungsansatz liegt nach Ansicht des österreichischen Versicherungsverbandes im sogenannten „Belgischen Modell“: Dabei werde laut VVO die Naturkatastrophendeckung in die bestehende Feuerversicherung verpflichtend integriert. Auch in Österreich wäre eine solche Lösung sinnvoll, da nahezu alle Haushalte und Unternehmen über eine Feuerversicherung verfügen, so der Branchenverband.

„Der Versicherungsnehmer hätte mit einem derartigen ‚Naturkatastrophen-Versicherungspaket‘ einen Rechtsanspruch auf Versicherungsschutz für Schäden aus Naturgefahren. Gleichzeitig würde damit eine finanzielle und administrative Entlastung der Länder, Gemeinden und des Bundes einhergehen“.

Klaus Scheitegel, Vizepräsident des österreichischen Versicherungsverbandes VVO

Der österreichische Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) stellte vor wenigen Tagen eine Höherdotierung des Katastrophenfonds in Aussicht: „Wenn wir das Ausmaß der Schäden kennen und eine Aufstockung der Finanzmittel des Bundes notwendig ist, dann werden wir das tun“. Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) konstatierte in Richtung Versicherer, dass diese Frage „schon öfter diskutiert worden“ sei, die urgierte Änderung habe „Vor- und Nachteile“, doch könne man „gerne wieder diskutieren und diese Gespräche weiterführen“. 

In der Alpenrepublik haben schwere Unwetter in den letzten Tagen und Wochen erhebliche Schäden verursacht. Die Wiener Städtische beziffert die Juli-Unwetter mittlerweile auf rund 30 Mio. Euro. Mit den schweren Überschwemmungen vom Wochenende dürften die Zahlen weiter ansteigen. Allein in Kärnten rechnet der Versicherer mit einem Schadensvolumen von rund zehn Mio. Euro. In der Steiermark werden sich die Schäden auf fünf Mio. Euro summieren, in Oberösterreich werden sich die Schadenszahlungen auf vier Mio. Euro, in Tirol auf drei Mio. Euro und in Salzburg auf zwei Mio. Euro belaufen.

Autor: VW-Redaktion

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