„Cyberangriffe sind eine Waffe in der hybriden Kriegsführung“

Bild: Der Cybermarkt ist schwierig aber lukrativ. Bildquelle: Pete Linforth auf Pixabay.

Cyberangriffe auf große Unternehmen und Behörden gehören mittlerweile zur Tagesordnung. Jüngste Beispiele waren der Automobilzulieferer Continental, die Uni Duisburg, der Telekommunikationsanbieter O2 oder die österreichische Nachrichtenagentur APA. „Leider ist der Cyberschutz eine komplexe Angelegenheit, nicht nur in Bezug auf präventive Maßnahmen etwa im Versicherungsschutz“, konstatiert Miriam Marx von MRH Trowe.

„Denn Angriffe über das Netz werden gleichsam als Waffe und als strategisches Ziel eingesetzt. Der Ukrainekrieg zeigt dies deutlich. Als militärische Waffe eingesetzt, stören oder manipulieren Cyberangriffe kritische Infrastrukturen. Sie sind Teil einer hybriden Kriegsführung. Die Manipulation digitaler Strukturen führt im günstigsten Fall zu kurzfristigen Irritationen. Im schlimmsten Fall zum Blackout – also einer längerfristigen Unterbrechung der Versorgung mit Energie oder des Datenstroms“, erläutert die Juristin und Cyberexpertin. „Das strategische Ziel ist in jedem Fall die Störung oder Zerstörung gesellschaftlich wichtiger Funktionen mit schwerwiegenden Auswirkungen auf die Gesundheit, Sicherheit oder das wirtschaftliche und soziale Wohl“, betont Marx.

So werde durch den Krieg in der Ukraine „deutlich, wie stark die Abhängigkeit der Systeme und einzelnen Sektoren untereinander ist. Für die Wasserversorgung wird Strom benötigt. Für die sichere Streckenführung im Bahnverkehr werden über den Strom hinaus auch Daten vernetzt. Die Prozess-Digitalisierung und die immer stärkere, gegenseitige Vernetzung zu umfangreichen digitalen Ökosystemen erhöhen dramatisch die Cybergefahr. Als politisches Machtinstrument eingesetzt, hat die Cybergefahr großen Einfluss auf die Wirtschaft. Ganz konkret auf die Produktions- und Prozesssicherheit.“

Dabei zeige die aktuelle geopolitische Entwicklung „deutlich, wie wichtig und sensibel das Thema IT-Sicherheit und eine ständige Beobachtung und Analyse der Systeme auf möglich Auffälligkeiten ist. Das gilt für kritische Infrastrukturen wie für die freie Wirtschaft. Erstmals seit 2004 haben wir heute nämlich mehr Autokratien als Demokratien auf der Welt. Die Digitalisierung und Vernetzung von Systemen ist ein Instrument, das in demokratischen Systemen großartige, soziale Nutzwerte mit sich bringt – allen voran Transparenz, Effizienz und eine Entbürokratisierung. In autokratischen Systemen ist es hingegen ein Mittel zur Überwachung und Fremdsteuerung von Gesellschaften und Organisationen. Für international agierende Unternehmen bedeutet dies, dass sich aus Krisen und Konflikte in und mit autokratischen Staaten nicht nur politische, sondern auch sachliche Konsequenzen ergeben, die unmittelbar Haftungsrisiken der international operierenden oder auch nur einkaufenden Unternehmen nach sich ziehen“, mahnt Marx.

Autor: VW-Redaktion

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