Berkshire Hathaway-Deutschlandchef: “Korrektur im Industriebereich war unerlässlich”

Andreas Krause, Country Manager Berkshire Hathaway Specialty Insurance

“Unser Ziel ist es, den besten Sach-, Haftpflicht- und Spezialversicherer der Welt aufzubauen”, erklärt Andreas Krause. Der Country Manager von Berkshire Hathaway Specialty Insurance, spricht im Interview über strategische Ambitionen, die Balance in den Produktlinien, die Problemsparte D&O und den digitalen Nachholbedarf.

VWheute: Im Juni feierte Berkshire Hathaway Specialty Insurance (BHSI) fünfjähriges Jubiläum in Deutschland. Erklären Sie bitte, welche Dienstleistungen Sie genau bieten und welche Entwicklung Sie nahmen.
Andreas Krause: Wir sind als BHSI im Juni 2016 in den deutschen Markt eingetreten. Seitdem hat sich natürlich viel getan. Wir haben Standorte in Köln und München und werden unser Büro in Frankfurt eröffnen, sobald es die Covid-19-Bedingungen erlauben. Als Unternehmen sind wir speziell im letzten Jahr rasant gewachsen und haben heute die Konstellation, dass mehr als die Hälfte des Teams aufgrund der Home-Office-Situation noch nie regulär im BHSI-Büro gearbeitet hat.

Wir sind in Deutschland als Industrieversicherer in allen Hauptsparten vertreten; einzige Ausnahme ist die Kreditversicherung. Während wir uns anfangs auf Konzernkunden via firmeneigene Vermittler konzentrierten, haben wir mittlerweile unsere Präsenz im deutschen Mittelstand ausgebaut. Als BHSI schreiben wir keine Geschäftspläne mit konkreten Umsatzzielen oder Marktanteilen. Wir sind jedoch mit dem Ziel angetreten, schnell ein vertrauenswürdiger, zuverlässiger Partner für Industriekunden und -Makler zu werden – und wir sind alle sehr zufrieden und stolz auf die Fortschritte, die wir in dieser Hinsicht gemacht haben.

VWheute: Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen, welche Zielvorgaben
kommen aus den USA?

Andreas Krause: Unser Ziel, das von allen BHSI-Mitarbeitern rund um den Globus geteilt wird, ist es, den besten Sach-, Haftpflicht- und Spezialversicherer der Welt im Industriebereich aufzubauen. Während wir anfangs in den meisten Sparten als Beteiligungsversicherer agiert haben, beabsichtigen wir, mit der Zeit zunehmend ein Führungsversicherer zu sein. Zu diesem Zweck haben wir in unsere lokalen Schadenkapazitäten investiert – ganz im Sinne der BHSI-Philosophie „Claims is our Product®“. Außerdem haben wir jetzt multinationale Programmkoordination und sind dabei, unsere Risk-Engineering-Fähigkeiten weiter auszubauen. Ziel ist es, unsere Relevanz für Industriekunden und Makler in Deutschland sukzessive zu erhöhen. Zielvorgaben unserer Konzernmutter im Sinne von Umsatzgröße o.ä. haben wir dabei keine.

VWheute: Sie bieten die klassischen Dienstleistungen eines Industrie- und Spezialversicherers, zuletzt stiegen die Prämien. Wird der Trend anhalten, wo sehen Sie Gefahren am Markt?

Andreas Krause: Es ist in der Tat so, dass die Prämien in gewissen Segmenten in den vergangenen Monaten bzw. Jahren deutlich gestiegen sind. Während dies zunächst in der Sachversicherung zu spüren war, gab es in den vergangenen Monaten sicherlich weitere Bereiche, in denen Kapazitäten knapper und Prämien gesteigert wurden – dazu kann man D&O oder auch speziell Rückruf im Automobilbereich zählen. Inwiefern ein solcher Trend sich nun fortsetzt, ist sicherlich schwer vorauszusehen. Ich denke, es ist allen Marktteilnehmern klar, dass die Situation in Teilbereichen der Industrieversicherung nicht haltbar und eine Korrektur unerlässlich war.

Nachdenklich stimmt mich allerdings, wie abrupt dies teilweise geschehen ist, da dies sicherlich auf Kundenseite nicht als nachhaltig oder langfristig wahrgenommen wurde. Dies ist jedoch genau unser Ansatz bei BHSI – den Kunden beim Risikotransfer langfristig und stabil zu unterstützen.

VWheute: Die D&O-Versicherung war in der jüngeren Vergangenheit
für Versicherer ein unrentables Geschäft. Wie ist es
bei Ihnen, welche Entwicklung sehen Sie bei sich und
im Markt?

Andreas Krause: Die Ertragslage in D&O als Long-Tail-Haftpflichtsparte ist schwerer einzuschätzen als beispielsweise im Sachgeschäft. Wichtig ist es, eine aktuarisch verlässliche Sicht zu entwickeln, welche eine langfristige Portfoliosteuerung ermöglicht. Im Markt sehen wir Reaktionen von Marktteilnehmern, die eine Verhärtung zu Prämien und Bedingungen beinhalten. Anpassungen wegen veränderter wirtschaftlicher (Corona), haftungsrechtlicher (KapMuG-Sammelklagen, diversity, Cyber) und regulatorischer Rahmenbedingungen (Compliance, DSGVO, ESG, Sanktionen), die zu erhöhter Schadenfrequenz und -höhe geführt haben. Diese Anpassungen nach langen Jahren des sehr weichen Marktes sind aus unserer Sicht nachvollziehbar.

Financial Lines ist eines unserer Kerngeschäftsfelder und wir bauen unsere Präsenz in Deutschland wie Europa kontinuierlich aus. Dabei beobachten wir natürlich die derzeitigen Marktveränderungen und setzen Kapazitäten und Know-how dort ein, wo wir nachhaltige Konditionen sehen; komplexe Risiken scheuen wir dabei nicht.

Interview: Maximilian Volz

Lesen Sie das vollständige Interview in der aktuellen Juli-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.