Altersvorsorgedepot 2027: Warum Versicherer jetzt handeln müssenAnzeige
Das neue Altersvorsorgedepot verändert den Wettbewerb in der privaten Altersvorsorge. Banken und Broker starten mit technologischen Vorteilen, während Versicherer ihre Stärken in der Absicherung und persönlichen Beratung neu ausspielen müssen. Burkhard Oppenberg, ehemaliger CIO der Gothaer Versicherung und Verwaltungsratsmitglied von BSI Software, ordnet im Interview ein, worauf es jetzt ankommt und welche Rolle Digitalisierung und AI dabei spielen.
Haben Banken und Broker einen Vorsprung?
Mit dem geplanten Start des Altersvorsorgedepots am 1. Januar 2027 verändern sich die Spielregeln im Lebens- und Rentenversicherungsmarkt. Banken, Broker und Fondsgesellschaften werden als Wettbewerber deutlich stärker auftreten als noch bei der Riester-Rente.
Ihr Vorteil liegt vor allem in der Technologie. Sie verfügen bereits über etablierte Depotplattformen, digitalisierte Abschlussstrecken und skalierbare Prozesse. Viele Versicherer hingegen haben vergleichsweise spät mit der Produktumsetzung begonnen und stehen nun unter erheblichem Zeitdruck.
Die meisten Versicherer werden es vermutlich schaffen, ein Produkt für den Endkunden bereitzustellen. Schwieriger dürfte es jedoch bei der durchgängigen Digitalisierung der Abschlussstrecke werden.
Damit entsteht ein erheblicher Kostendruck. Während digital aufgestellte Broker ihre Produkte weitgehend automatisiert vertreiben, sind Versicherer weiterhin stark auf den klassischen Außendienst angewiesen. Hohe Vertriebskosten und begrenzte Skalierbarkeit können ihre Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich belasten.
Wo liegen die Stärken der Versicherer?
Trotz des technologischen Vorsprungs der neuen Wettbewerber verfügen Versicherer über zwei entscheidende Stärken: die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos und die persönliche Beratung.
Während bei einem Altersvorsorgedepot das angesparte Vermögen irgendwann aufgebraucht sein kann, können Versicherer eine lebenslange Rentenzahlung garantieren. Gerade weil viele Menschen ihre eigene Lebenserwartung unterschätzen, bietet diese Absicherung ein wichtiges Differenzierungsmerkmal.
Ebenso entscheidend ist die ganzheitliche Ruhestandsplanung. Denn ein einzelnes Vorsorgeprodukt reicht in der Regel nicht aus, um die spätere Rentenlücke zu schließen. Versicherer müssen ihre klassischen Stärken bei der Absicherung des Langlebigkeitsrisikos sowie in der persönlichen Beratung rund um Rente und Ruhestandsplanung jetzt konsequenter ausspielen.
Daraus ergibt sich eine strategische Chance. Statt die Kundenbeziehung mit dem Produktabschluss weitgehend enden zu lassen, können Versicherer ihre Kundinnen und Kunden über das gesamte Berufsleben hinweg begleiten. Wer die individuelle Vorsorgesituation versteht und regelmäßig passende Lösungen anbietet, schafft langfristige Kundenbeziehungen und zusätzliche Vertriebspotenziale.
Was macht die Beratung zukunftsfähig?
Um gegen hochautomatisierte Wettbewerber bestehen zu können, müssen Versicherer ihre Prozesse konsequent digitalisieren. Das betrifft nicht nur den Produktabschluss, sondern auch die laufende Verwaltung und die direkte Kommunikation mit Endkundinnen und Endkunden.
Gleichzeitig gewinnt AI im Vertrieb an Bedeutung. Während AI heute häufig zur Effizienzsteigerung im Betrieb eingesetzt wird, bleibt ihr Potenzial in der persönlichen Beratung vielfach ungenutzt. Dabei kann agentenbasierte AI bereits heute Beratungsgespräche unterstützen, relevante Informationen mitprotokollieren und direkt passende Angebote vorbereiten – Funktionen, die mit der BSI Customer Suite schon jetzt in der Praxis umgesetzt werden können.
Wer Beratung mit Daten und AI verbindet, macht aus einer traditionellen Stärke einen neuen Wettbewerbsvorteil. Entscheidend ist dabei nicht allein ein schnellerer Produktabschluss. Vielmehr soll Technologie die Beratungsqualität verbessern und eine kontinuierliche, personalisierte Kundenbetreuung ermöglichen.
Welche drei Prioritäten sollten sich Versicherer jetzt setzen?
Versicherer sollten jetzt vor allem drei Themen vorantreiben.
1. IT-Landschaften modernisieren: Veraltete Bestands- und Querschnittssysteme bremsen Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Ihre konsequente Erneuerung wird zur strategischen Notwendigkeit.
2. Daten und Vertriebsprozesse digitalisieren: Ein moderner Datenhaushalt und durchgängige digitale Prozesse über Makler, Ausschließlichkeitsorganisationen und direkte Kundenkanäle hinweg schaffen die Grundlage für effizientes Wachstum.
3. AI gezielt einsetzen: AI kann die Modernisierung beschleunigen, etwa bei der Ablösung von Legacy-Systemen, und zugleich neue Möglichkeiten für Vertrieb und Kundenbetreuung eröffnen.
Über allem steht ein entscheidender Faktor – die Geschwindigkeit. Denn wer zu lange an bestehenden Strukturen festhält, riskiert, gegenüber digital aufgestellten Wettbewerbern weiter zurückzufallen.
BSI Software bietet innerhalb der BSI Customer Suite flexible Möglichkeiten, einen Förderungs-Rechner oder Beratungsstrecken zum Altersvorsorgedepot kurzfristig in Prozesse zu integrieren. Die Beratungslösungen wurden von riskine entwickelt. Das Fintech aus Wien ist seit 2024 Teil der BSI-Gruppe. www.bsi-software.com
Über Burkhard Oppenberg

Burkhard Oppenberg verfügt über langjährige Erfahrung in der IT- und Finanzbranche. Nach seinem Studium der Informatik und Betriebswirtschaftslehre war er über 20 Jahre in der Banken-IT tätig, darunter 10 Jahre als Chief Information Officer (CIO) der DZ BANK. Anschließend arbeitete er sechs Jahre als Partner bei den Unternehmensberatungen Roland Berger und Oliver Wyman. Zuletzt verantwortete er neun Jahre als CIO die IT der Gothaer Versicherung. Burkhard Oppenberg bringt umfassendes Fachwissen in den Bereichen Digitalisierung, IT-Strategie und Transformation mit. Seit Januar 2025 ist er im Verwaltungsrat von BSI Software sowie im Aufsichtsrat der Nürnberger Versicherung.
