E+S Rück: Nachfrage nach Rückversicherung bleibt hoch

Die Hannover Rück, weltweite Nummer drei im Markt. Quelle: Hannover Rück

Die E+S Rück stellt sich auf hohe Ausgaben der Erstversicherer für Rückversicherungsschutz ein. Trotz geringer Naturkatastrophenschäden in jüngster Zeit sieht das Unternehmen unverändert hohe Risiken. Zugleich verstärkt sich in einigen Marktsegmenten der Wettbewerb.

„Die moderaten Naturkatastrophenschäden der vergangenen Jahre dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Risikoumfeld weiterhin anspruchsvoll und von hoher Unsicherheit geprägt bleibt. Naturgefahren, Inflation, Cyberrisiken und geopolitische Unsicherheiten erhöhen die Schadenpotenziale und stellen Versicherer und Rückversicherer vor zunehmend komplexe Herausforderungen“, sagt Thorsten Steinmann, Vorstandschef E+S Rück und Vorstandsmitglied Hannover Rück, zuständig für das Schaden-Rückversicherungsgeschäft in Kontinentaleuropa, Lateinamerika und Nordafrika, in Baden-Baden. „Gleichzeitig haben viele Erstversicherer ihre Ergebnis- und Kapitalsituation deutlich gestärkt. Das schafft Stabilität und bildet eine gute Grundlage für die kommenden Erneuerungen.“

Treiber der Schadeninflation bleiben vor allem in der Schadenversicherung kontinuierliche Inflations- und Kostensteigerungen. Zunehmende Anforderungen an das Risikomanagement ergeben sich zudem aus neuen Handlungsfeldern wie der Cyberversicherung sowie den ungeklärten Auswirkungen von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz auf Haftungs-, Cyber- und Betriebsrisiken, heißt es. Die Marktdynamik unterscheidet sich je nach Sparte. „Wir sehen einen Markt, der insgesamt gut aufgestellt ist. Einige Kunden nutzen ihre verbesserte Ergebnislage, um Rückversicherung gezielt einzusetzen“, erklärt Steinmann.  

In der volumenstarken deutschen Kraftfahrtversicherung zeige sich nach den Tarifanpassungen der letzten Jahre eine Stabilisierung. Die technischen Ergebnisse bewegen sich wieder leicht im positiven Bereich und die Profitabilität zieht an. Allerdings schätzt die E+S Rück die Lage als fragil ein, da Ersatzteil- und Reparaturkosten stärker steigen als die allgemeine Inflation.

Im Naturkatastrophengeschäft beobachtet der Rückversicherer zwar risikogerechte Preise, sieht aber durch zusätzliche Kapazitäten einen intensiveren Preis- und Konditionendruck. Jüngste Hagelschäden in Süddeutschland, der Schweiz, Norditalien und den Alpenregionen hätten das hohe Risikoniveau verdeutlicht, weshalb die E+S Rück den Fokus auf Portfolioqualität und risikoadäquate Tarife setzt.

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Industrie- und Gewerbegeschäft sowie in der industriellen Feuerversicherung, wo nach zuletzt guten Ergebnissen frisches Kapital auf den Markt drängt und die Preise unter Druck setzt. Die Spezialsparten Transport und Luftfahrt stehen unter dem Einfluss geopolitischer Unsicherheiten und eines Überangebots an Kapazitäten, wobei die Vertragsbedingungen laut E+S-Rück voraussichtlich stabil bleiben.

In der Cyberversicherung wächst unterdessen die wirtschaftliche Abhängigkeit von IT-Infrastrukturen schneller als das bereitgestellte Deckungsvolumen, während die Ergebnisse vieler Anbieter durch Wettbewerbsdruck und hohe Kapitalkosten belastet werden. Um die Deckungslücken bei Naturgefahren und Klimarisiken zu schließen, gewinnen alternative Instrumente wie Insurance-Linked Securities an Bedeutung, die Kapitalmarktkapazitäten einbinden. Hannover Rück und E+S Rück betonen, ihren Kunden Zugang zu solchen Lösungen anzubieten.  

Autor: VW-Redaktion