Versicherer im Jahr 2026: Konsolidierung, Cloud und KI bestimmen das Tempo
Sollers-Chef Michał Trochimczuk. Bildquelle: Sollers
Die Versicherungsbranche steht nach Angaben des IT-Beraters Sollers im Jahr 2026 vor einem Technologiesprung: Getrieben von konkreten KI-Anwendungen werden Unternehmen ihre Cloud-Strategien und die Implementierung von cloudbasierten Lösungen beschleunigen, heißt es in einem Prognosebericht. Unter wachsendem Wettbewerbsdruck rücke Effizienz und Skalierbarkeit stärker in den Fokus der Versicherer. Auch Deutschland stehe unter Handlungsdruck.
In dem Report „Ein Jahr des Durchbruchs für Cloud in der Versicherungsbranche“ prognostiziert Sollers, dass cloudbasierte Systeme im kommenden Jahr zum Industriestandard werden. Der Bedarf an operativer Flexibilität sowie Innovationsdruck durch IT-Anbieter sorgten dafür, dass die Transformation an Tempo gewinne. Für die Studie hat Sollers die Arbeitsmärkte und den Fachkräftebedarf von 123 Versicherern in zehn Ländern untersucht. Laut dem Unternehmen lag die Trefferquote früherer Vorhersagen bei mehr als 91 Prozent.
„Die Einführung der Cloud schreitet mit unterschiedlicher Geschwindigkeit voran“, berichtet Sollers-Chef Michał Trochimczuk. „Märkte wie Australien, Neuseeland und Großbritannien entwickeln sich schnell, während Japan und Kontinentaleuropa weiterhin vorsichtiger sind. Die Cloud-Infrastruktur bietet Flexibilität und Sicherheit, aber viele Versicherer lernen noch, wie sie ihr wirtschaftliches Potenzial voll ausschöpfen können.“

Auch strukturell zeichnet der Bericht eine Trendlinie: Demnach steuere die Branche auf eine Phase der Konsolidierung zu. Vor allem in Großbritannien, den deutschsprachigen Märkten, den nordischen Ländern, Australien und Japan rechnen die Autoren mit lebhafter M&A-Aktivität, inklusive Ausstrahlung auf Mittel- und Osteuropa. Vereinfachung, Automatisierung und Skaleneffekte sollen die Kostenbasis entlasten.
Zudem prognostiziert Sollers, dass sich die Krankenversicherung zum wachstumsstärksten Segment entwickeln werde, sinkende Kapitalerträge die Profitabilität drücken und der regulatorische Druck vor allem in Schadenregulierung und Pricing hoch bleibt.
Dass Digitalisierungsprojekte vorsichtiger geplant werden, die technologische Kluft zwischen Marktführern und Nachzüglern wächst und KI zum wichtigsten Treiber der Cloud-Nutzung heranwächst, wird zudem vorhergesagt.

Laut Sollers erhöhen steigende Schadeninflation und sinkende Zinsen den Handlungsdruck in Sachen Technologie bei den Versicherern. Das schwache Wirtschaftsumfeld dürfte das Prämienwachstum zusätzlich bremsen. Überall dort, wo bestehende Systeme integriert werden müssen, sehen die Berater einen Schwerpunkt. Im Privatkundensegment stehen mehr Automatisierung und Self-Service-Angebote auf der Agenda, während Industrieversicherer vermehrt Underwriting-Workbenches einführen, um datengetriebene Tools produktiv zu nutzen.

In den deutschsprachigen Märkten bremse die anhaltende wirtschaftliche Stagnation das Wachstum der Versicherungsprämien, berichtet Sollers. Während der Preiszyklus in der Gewerbeversicherung an Dynamik verliert, zeigen Privatkunden positive Entwicklungen. Die Gesamtinflation hat sich abgeschwächt, die Schadeninflation – vor allem in der Kfz-Versicherung – bleibt mit rund fünf bis sechs Prozent (Bruttoinventarwert) jedoch ein Sorgenkind.
Die Fusionsaktivitäten, die bereits 2025 das Marktgeschehen prägten, dürften auch 2026 ein zentraler Treiber des Wandels bleiben, heißt es im Bericht. Integrationen zwingen die Versicherer in der Region, ihre operativen Fähigkeiten kritisch zu prüfen, insbesondere in der Schadenbearbeitung, wo Ineffizienzen zunehmend sichtbar werden. Im Kfz-Segment dürfte die Marktkonzentration angesichts von Wettbewerbsdruck und Konsolidierung weiter zunehmen.
Die seit Langem laufende IT-Transformation gewinne im deutschsprachigen Raum durch technologischen Fortschritt und den demografischen Wandel an Dringlichkeit, bilanziert Sollers. Die Modernisierung der Kernsysteme bleibe eine Priorität: Einige Versicherer nehmen zuvor pausierte Projekte wieder auf, andere realisieren erste bedeutende Go-Lives.
Autor: VW-Redaktion
