Frankreich mischt europäischen Capitve-Markt auf
Blick auf die französische Hauptstadt Paris. Bildquelle: Sadnos/ Pixabay
Neue regulatorische Rahmenbedingungen verändern die Captive-Landschaft in Europa. Vor allem Frankreich profitiert von den Ende 2022 eingeführten Regeln, die den Aufbau und die Verlagerung von firmeneigenen Versicherern erleichtern sollen. Laut der Ratingagentur AM Best verzeichnete das Land 2024 das höchste Nettowachstum in Europa und etabliert sich zunehmend als Hotspot.
Im aktuellen Marktbericht führt AM Best aus, dass Guernsey und Luxemburg mit jeweils 197 Captives weiterhin die größten europäischen Standorte bleiben. Doch während Luxemburg mit einem leichten Plus von zwei Gesellschaften wächst, musste Guernsey nach 17 Auflösungen einen Nettoverlust von sieben Captives hinnehmen. Auf den Plätzen drei und vier folgen die Isle of Man (94 Captives) und Irland (61 Captives).
Die vier größten Standorte, allesamt etablierte Captive-Zentren, verzeichneten 2024 insgesamt einen Rückgang, während kleinere und neue Standorte zulegten, heißt es im Bericht.
Einen Aufschwung erlebt derzeit Frankreich. Innerhalb kurzer Zeit hat sich das Land zu einem dynamischen Captive-Markt entwickelt und belegt inzwischen Rang acht in Europa. 2024 kamen fünf neue Gesellschaften hinzu – darunter AssuraPoste Re (Groupe La Poste), CDA Reinsurance (Chantiers de l’Atlantique), Orange Réassurance (Orange), Soreval France (Safran) und SRIGLB (Lucien Barrière). Die Gesamtzahl der französischen Captives kletterte auf 20.
Inzwischen wurden auch Bel Ré (Groupe Bel) und Agrial Réassurance (Groupe Agrial) lizenziert. AM Best rechnet mit weiteren Zulassungen bis Ende 2025 sowie im Jahr 2026. Zudem arbeitet Großbritannien an einem eigenen Captive-Rahmen, der bis 2027 in Kraft treten soll.
Captives haben sich laut AM Best als effizientes Instrument des Risikomanagements etabliert – vor allem bei großen und schwer versicherbaren Risiken wie Cyberangriffen, Sachschäden oder Betriebsunterbrechungen. Zunehmend decken sie auch Sparten wie D&O, Warenkredit und politische Risiken ab. Ab 2027 dürften sie zudem von den vereinfachten Anforderungen im Rahmen der Solvency-II-Reform profitieren.
In Deutschland wird die Zahl der Captives bald steigen. Aktuell listet AM Best neun Gesellschaften, bei keiner Neugründung im Jahr 2024. Die Deutsche Telekom plant, bis Mitte 2026 eine eigene Rückversicherungs-Captive zu gründen. Volkswagen will seine derzeit in Dublin ansässige Captive bis Anfang 2027 nach Deutschland verlagern.
Autor: VW-Redaktion
