Vom Versicherungsordner zum KI-Influencer: Das Beispiel Schleswiger
Bildquelle: Schleswiger Versicherungsverein
Ein frischer Wind beim Schleswiger: Der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit startete kürzlich mit einem neuen Logo und einer neuen Website. Nun folgt ein KI-Influencer. „Das ist harte Arbeit“, kommentiert Experte Robin Kiera. Aber so sehe nun mal das Marketing der Zukunft aus: „Nur wer Inhalte im Format von Kurzvideos beherrscht, bleibt sichtbar.“ Ein Gastbeitrag.
Die Versicherungsmappe war jahrzehntelang das Sinnbild für Sicherheit und Ordnung. Auch ich liebte ihn in meiner Zeit als Versicherungsvermittler. Eine tolle Grundlage zur Optimierung des Versicherungssportfolios des Kunden. Heute verstauben die Ordner häufig in Regalen oder liegen als digitale Variante ungenutzt im www. Kunden allerdings beziehen ihre Informationen über LinkedIn, Instagram und TikTok. Die Aufmerksamkeitsspanne beträgt nur wenige Sekunden. Wer sie nicht in den ersten Momenten gewinnt, verschwindet im nächsten Swipe. Versicherungen stehen damit vor einer harten Wahrheit: Nur wer Inhalte im Format von Kurzvideos beherrscht, bleibt sichtbar.
Auf welche Maßnahmen Prio legen?
Der Schleswiger Versicherungsverein setzt seit Kurzem auf einen KI-gestützten Weg. Sie haben einen KI-Influencer entwickelt, der norddeutsch, nahbar und wiedererkennbar auftritt. Mal auf einem Schiff, mal an der Küste, immer mit derselben Figur, die für Beständigkeit steht. Vorstandsvorsitzender Thomas Chrismann erklärt warum: „Unsere Kunden informieren sich längst nicht mehr über Broschüren. Mit dem KI-Influencer reagieren wir auf diese Veränderung. Gleichzeitig verbinden wir dies mit unserer über 175-jährigen Tradition und Identität.“ Damit wagt der Schleswiger einen Schritt, der in der deutschen Versicherungslandschaft bisher einmalig ist. KI-Influencer wird Branding-Botschafter.
Technische Realität statt Spielerei
Was sagen wir als Marketing-Profis dazu: Wer glaubt, man könne „mal eben schnell“ einen KI-Influencer bauen, wird nach 15 bis 50 Versuchen feststellen: Das ist harte Arbeit. Konsistenz über Szenen, Emotionen und Umgebungen hinweg erfordert Fachwissen, Geduld und eine clevere Tool-Kombination.
● Midjourney eignet sich für Bilder,
● Runway oder Pika Labs für Videosequenzen, während
● VEO von Google für besonders aufwendige Produktionen eingesetzt werden kann.
● Ja und Sora2 hat wieder vorgelegt. Ist aber für die meisten in Deutschland nicht nutzbar.
Doch egal welches Werkzeug – selten gelingt ein Clip im ersten Versuch. Oft sind Dutzende Iterationen notwendig, bis Gesichtszüge, Kleidung und Umgebung nahtlos zusammenpassen. Erst dann entsteht ein glaubwürdiger Charakter, der über Wochen und Monate hinweg Markenbotschafter sein kann.
Kurzvideos als neue Sprache
Technik allein garantiert jedoch keinen Erfolg. Ein KI-Influencer funktioniert nur dann, wenn er die kulturellen Codes der Plattformen bedient. Das bedeutet: klare Hooks in den ersten Sekunden, Nähe zu Trends und Popkultur sowie Inhalte, die zum Teilen anregen. Genau hier wird sichtbar, warum das Projekt des Schleswiger so spannend ist.
Das Beispiel zeigt: KI-Influencer sind keine Spielerei, sondern Realität. Sie sind technisch anspruchsvoll, kulturell herausfordernd und genau deshalb wirkungsvoll. Der Schleswiger zeigt, dass auch ein regionales Unternehmen den Sprung ins virale Zeitalter schaffen kann. Und dass die Zukunft des Marketings in der Versicherungswelt nicht in Ordnern liegt, sondern in Kurzvideos mit Charakter. Gern auch KI-generiert.
Thomas Chrismann, CEO des Schleswiger Versicherungsvereins: “Als kleiner Versicherer verfolgen wir in unserer Modernisierungsstrategie Folgendes: Um mit unseren Mitteln überproportional effektiv und erfolgreich zu sein und First-Mover-Vorteile zu genießen, müssen wir neue Ansätze schneller umsetzen. Das ist mit dem KI-Influencer, aber auch LLM-Optimierung oder neuen Produkten, wie der Wohngebäudeversicherung für energieeffiziente Häuser so.”
Ich glaube, dass KI-generierte Bilder und Videos erst am Anfang ihrer Entwicklung stehen und wir in 3 bis 5 Jahren nicht mehr erkennen können, ob die Person “echt” oder von KI generiert ist. Dies wird die Produktion von Content drastisch verändern und viele neue Chancen bieten – aber nur, wenn man richtig gute Ideen und Strategien hat sowie jetzt schon Erfahrungen mit Tools und Technik sammelt.
Autor: Robin Kiera, Gründer und CEO von Digitalscouting
