„Die bKV-Nachfrage wächst rasant“

Martin Fleischer, Mitglied des Vorstands der Kranken- und Reiseversicherer im Konzern Versicherungskammer. Katharina Jessel, Mitglied des Vorstands der Kranken- und Reiseversicherer im Konzern Versicherungskammer und Mitglied des Vorstands der BavariaDirekt Versicherung. Bildquelle: VKB

Mit 37 Prozent liegt die Wechselbereitschaft der Arbeitnehmenden in Deutschland auf hohem Niveau. Zugleich bringen Fachkräftemangel und rund 1,7 Millionen unbesetzte Stellen Recruitingverantwortliche ins Schwitzen. Von Unternehmen sind wirkungsvolle Lösungen gefordert, um Beschäftigte zu binden und sich für potenzielle Bewerbende als fürsorglicher Arbeitgeber zu positionieren. Wie die betriebliche Krankenversicherung (bKV) hier punktet, erklären Katharina Jessel und Martin Fleischer, Vorstandsmitglieder im Konzern Versicherungskammer, im Interview.

Versicherungswirtschaft: Sie feiern 2024 mit der betrieblichen Krankenzusatzversicherung Geburtstag: Seit zehn Jahren sind die Krankenversicherer im Konzern Versicherungskammer mit einer bKV am Markt. Genaugenommen wird sogar ein Doppeljubiläum gefeiert …

Martin Fleischer: Vor 50 Jahren war die Bayerische Beamtenkrankenkasse AG, heute ein Unternehmen im Konzern Versicherungskammer, der erste Krankenversicherer in Deutschland, der die bKV als Firmenversicherung für Arbeitgeber über Gruppenverträge angeboten hat. Die 2014 eingeführte betriebliche Krankenzusatzversicherung hat sich zu einem der wachstumsstärksten und ertragreichsten Geschäftsfelder für uns entwickelt.

Wieso ist eine betriebliche Krankenzusatzversicherung ein Investment, auf das Arbeitgeber gerade jetzt setzen sollten?

Martin Fleischer: Mitarbeiterbindung und -findung sind zentrale Anliegen der Unternehmen, da der Fachkräftemangel aufgrund der demografischen Situation zum brisanten Problem wird. Die bKV ist das richtige Mittel, um neue Fachkräfte zu rekrutieren und bestehende mit einer nachhaltigen Maßnahme ans Unternehmen zu binden.  

Der Arbeitgeber schließt bei der bKV einen Gruppenvertrag für seine Beschäftigten ab und zahlt die Beiträge. Die Beschäftigten können mit den bKV-Bausteinen Leistungen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung ergänzen und Versorgungslücken schließen. Was hat der Arbeitgeber davon?

Katharina Jessel: Unsere bKV gibt es ab fünf versicherungspflichtigen Mitarbeitenden und ist somit besonders für klein- und mittelständische Unternehmen interessant. Sie trägt zur Steigerung der Mitarbeitendenzufriedenheit bei, wie auch vergünstigte Sport- oder Speisenangebote. Die Botschaft, die beim Team ankommt, lautet immer: „Mein Arbeitgeber tut etwas für mich“. Und in der Tat zeigt der Arbeitgeber, dass ihm die Gesundheit der Mitarbeitenden am Herzen liegt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Mitarbeitenden können ohne eigene Mehrkosten zusätzliche oder verbesserte Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen. Die Belegschaft ist in der Folge idealerweise gesünder, und es fallen weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten an. Im War for Talents behauptet sich das Unternehmen mit der bKV als Benefit als interessanter Arbeitgeber.

Welche Wachstumsmöglichkeiten bieten Tarifupdates und Portfolio-Erweiterungen?

Martin Fleischer: Wir haben unser Portfolio mit einem Budget-Tarif und einem Klinik-Tarif vervollständigt. Services wie eine digitale Sprechstunde oder der Online-Hautarzt sowie eine Beitragsbefreiung in entgeltfreien Zeiten sind fester Bestandteil unserer bKV-Tarifpalette. Im Budget-Tarif stellen die Arbeitgeber ihren Beschäftigten ein flexibel einsetzbares Gesundheitsbudget pro Jahr zur Verfügung. Die Beschäftigten können selbst entscheiden, wie sie dieses Budget innerhalb der definierten Leistungen einsetzen. Ein zusätzlicher Vorteil ist die vereinfachte Mitversicherung von Familienangehörigen. Die Option einer individuellen Höherversicherung im bestehenden Vertrag, wodurch Beschäftigte Leistungen zu ihrer arbeitgeberfinanzierten bKV vergünstigt hinzukaufen können, ist ein wichtiges Instrument, um weitere Marktanteile zu erschließen.

Die bKV bietet enormes Wachstumspotenzial. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?

Katharina Jessel: Die Nachfrage der privaten Wirtschaft − und auch aus dem Kommunalbereich − nach einer bKV wächst rasant. Die Anzahl der Betriebe mit bKV hat sich seit 2015 mehr als verfünffacht. Das zeigt uns, dass wir auf die richtige Karte gesetzt haben. Wir haben eine sehr erfreuliche Entwicklung im Neugeschäft. 2023 konnten wir unsere Abschlüsse um 60 Prozent steigern und sehen auch weiterhin erhebliches Potenzial. Es gibt etwa 3,5 Millionen Betriebe in Deutschland – 99 Prozent davon sind kleine und mittelständische Betriebe – und erst 22.300 haben eine bKV. Etwa 1,8 Millionen Beschäftigte profitieren laut PKV-Verband derzeit von einer betrieblichen Kranken- oder Pflegeversicherung.

Martin Fleischer: Die bKV rangiert bei den Beschäftigten nach der betrieblichen Altersversorgung und den vermögenswirksamen Leistungen auf Platz drei der beliebtesten Zusatzleistungen. Jedem Vierten ist laut einer Studie des PKV-Verbands die bKV sogar wichtiger als eine Gehaltserhöhung.

Katharina Jessel: Das werden wir nutzen. Fakt ist: Der bKV-Markt wird jetzt verteilt. Wir sind einer der Marktführer − jeder fünfte Vertrag wurde bei uns geschlossen. Ich bin überzeugt, dass wir mit unserer langjährigen Erfahrung und stetigen Produktinnovationen unsere Marktstellung behaupten und durch verstärkte Marktpräsenz in unserem Doppeljubiläumsjahr weiter ausbauen werden.

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