Swiss Life platziert seine CEOs Patrick Frost und Jörg Arnold in der Aufsicht

(v.l.n.r.): Patrick Frost, Matthias Aellig, Jörg Arnold und Dirk von der Crone. (Bildquelle: Swiss Life)

Als Anlagechef ist Patrick Frost 2006 in die Konzernleitung der Swiss Life gestoßen und bewies auch als CEO ein gutes Händchen bei Investment-Entscheidungen, als er etwa in der Niedrigzinsphase massiv in Immobilien investierte. Marktkreisen zufolge ist es keine Überraschung, dass er nach zehnjähriger CEO-Tätigkeit den Staffelstab im Mai in die Hände von Group CFO Matthias Aellig übergibt. Frost plant, in den Verwaltungsrat zu wechseln. In den Aufsichtsrat zieht es auch Deutschlandchef Jörg Arnold, der seinem Nachfolger Dirk von der Crone ebenfalls ein wohl bestelltes Haus hinterlässt.

Patrick Frost trat 2006 als Group CIO in die Konzernleitung von Swiss Life ein. Im Sommer 2014 rückte er auf die Chefposition vor und führte das Unternehmen sehr ruhig und erfolgreich auf die Erfolgsspur zurück, nachdem es nach der Jahrtausendwende mit einer riskanten Allfinanz-Strategie fast Pleite ging und an der Börse abstürzte. Vor zehn Jahren lag der Aktienkurs bei 186 Schweizer Franken, heute sind es über 560 Schweizer Franken.

Die Niedrigzinsphase und die Corona-Pandemie hat Frost gut überstanden. Die Lebensparte habe viel einstecken müssen, dafür hat Swiss Life das Immobilienportfolio stark ausgebaut, vor allem in der Schweiz, in Frankreich und in Deutschland. Der Versicherer ist auch einer der größten privaten Immobilienbesitzer in der Schweiz. Den Rückgang der Immobilienpreise im Ausland spürt man aber inzwischen auch. Dafür wird das Geschäft mit Lebensversicherungen wieder attraktiver. Zuletzt erzielte die Versicherungsgruppe einen Betriebsgewinn von 836 Mio. Franken im ersten Halbjahr 2023 – ein ordentliches Plus gegenüber der Vorjahresperiode mit 801 Mio. Franken.

„Mit Langweile zum Erfolg“, beschrieb die Schweizer Handelszeitung die Bilanz von Frost. Doch es wird auch kritisiert, dass er bei der Digitalisierung eine Baustelle hinterlässt. Das Unternehmen sei „heute weitgehend analog unterwegs und vertraut auf den klassischen Vertrieb über die Außendienstler.“

Im Jahr 2017 war Frost an Krebs erkrankt und hatte eine Auszeit genommen. Sein Umgang mit der Krankheit war offen und direkt. „Das letzte Mal, als ich eine Auszeit genommen habe, war es gesundheitlich bedingt. Dieses Mal gehe ich freiwillig“, sagte er der Neuen Zürcher Zeitung.

Er wird seinen Platz für Matthias Aellig räumen, mit dem er „seit vielen Jahren sehr vertrauensvoll“ zusammengearbeitet habe, wie Frost am Montag in einer Pressemitteilung kundgab. Er habe sich entschieden, so der Swiss-Life-Chef weiter, sich nach dann 18-jähriger Tätigkeit in der Konzernleitung aus der operativen Tätigkeit zurückzuziehen und sich vermehrt auf strategische Aufgaben zu konzentrieren. Angesichts der sehr guten Entwicklung von Swiss Life sei „nun der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel an der Spitze der Konzernleitung“ gekommen, so Frost.

Ans Aufhören beziehungsweise an den vorzeitigen Renteneintritt denkt Frost aber keineswegs: Nach einer Art Abklingphase wird er sein Comeback 2026 als Mitglied im Verwaltungsrat von Swiss Life geben. Einen entsprechenden Vorschlag zur Wahl Frosts werde der Verwaltungsrat der Generalversammlung noch unterbreiten, teilte Swiss Life in Zürich mit.

Jörg Arnold träumt von Schweden

Unterdessen bahnt sich auch in Deutschland ein Wechsel an der Spitze an – nur ein Monat nach Frosts Rücktritt wird auch der Deutschlandchef von Swiss Life seinen Posten abgeben: Jörg Arnold tritt Ende Juni 2024 nach dann sieben Jahren auf eigenen Wunsch als CEO zurück, wie es hieß. Er möchte fortan den Aufsichtsratsvorsitz der Swiss Life Deutschland Holding GmbH übernehmen. Arnold spricht davon, dass er die beruflichen Verpflichtungen herunterfahren möchte, um „die verfügbare Zeit für private Dinge im gleichen Maße nach oben zu katapultieren“. Auf LinkedIn geht er ins Detail, was seine Zukunft angeht: „Nächstes Jahr werde ich 60. Für mich das richtige Alter, um kürzerzutreten und mehr Zeit mit meiner Partnerin zu verbringen als in den letzten 10 Jahren, in denen wir uns in der Regel nur am Wochenende gesehen haben. So möchten wir einen 2. Lebensmittelpunkt in Schweden begründen und ich hege lange den Traum, einmal zu Fuß kreuz und quer durch Deutschland zu wandern. Das möchte ich umsetzen, solange es die Fitness erlaubt.“

Arnold wird vor allem damit in Erinnerung bleiben, dass es ihm in seiner siebenjährigen Cheftätigkeit gelang, sowohl die Anzahl der Berater als auch die Ergebnisse der Finanzvertriebe, allen voran Swiss Life Select und Tecis, nahezu zu verdoppeln. In der Versicherung konnte die deutsche Dependance beim Neugeschäftswert fast eine Verdreifachung erzielen.

Die Leitung des Deutschlandgeschäfts wird zum 1. Juli 2024 Dirk von der Crone übernehmen. Der 47-Jährige ist bereits seit 2020 Mitglied der Geschäftsleitung und insgesamt seit 2005 bei Swiss Life tätig. Aktuell verantwortet von der Crone den Bereich Services und Operations der Finanzvertriebe sowie das Personalwesen. Als künftiger CEO von Swiss Life Deutschland wird er auch der Konzernleitung der Swiss Life-Gruppe angehören. Die Ernennung stehe noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Aufsichtsbehörden, so Swiss Life.

In der Zürcher Konzernleitung wird es von der Crone ab Sommer also mit Frosts Nachfolger Matthias Aellig zu tun haben. Aellig ist seit 2010 in Schlüsselfunktionen für Swiss Life tätig, zuerst als Group Chief Risk Officer und seit 2019 als Finanzchef. An Vorschusslorbeeren für den 52-Jährigen mangelt es nicht: Aellig habe die Strategie der gesamten Gruppe maßgeblich mitgestaltet, zugleich setze man mit dieser Nachfolgelösung „ein Zeichen der Kontinuität“, kommentierte Rolf Dörig, Verwaltungsratspräsident von Swiss Life. Aellig versprach wiederum, „den eingeschlagenen, erfolgreichen Weg fortzuführen“.

Dessen Platz als Group CFO in der Konzernleitung nimmt zum 16. Mai 2024 Marco Gerussi ein. Der 46-Jährige kam 2010 zu Swiss Life und hatte seither diverse Führungsfunktionen im Risikomanagement und im Finanzbereich inne. Seit 2018 verantwortet er als Head Finance Transformation die Einführung des IFRS-Rechnungslegungsstandards 17/9 sowie der dazugehörigen unternehmensweiten Finanzsysteme. 2023 übernahm er zusätzlich die Leitung der Group IT.

Autor: VW-Redaktion

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